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Spätburgunder aus Rech : Der Sinn des Weintrinkerlebens

  • -Aktualisiert am

Weinkenner von klein auf: Alexander Stodden Bild: Hersteller

Und keine Frage offen: Wer die Spätburgunder von Alexander Stodden aus Rech an der Ahr trinkt, weiß end- und letztgültig, warum diese Traube die Königin aller Reben ist.

          4 Min.

          Jedes Weintrinkerleben endet beim Spätburgunder. Das ist ein Naturgeschmacksgesetz. Irgendwann kennt es keinen anderen Sinn mehr als die Königin der roten Reben, die aber auch eine Prinzessin auf der Erbse ist, divenhaft, kapriziös und sofort sehr übellaunig, wenn ihr das Wetter einmal nicht passt. Alexander Stoddens Weintrinkerleben kam recht früh ans Ziel, bei Lichte besehen schon im späten Kindergartenalter. Da schickte man den Buben nach der Lese immer in den Keller, um die Temperatur in den Gärtanks zu überprüfen.

          Auch sonst kreisten Stoddens Kindheit, Jugend und späteres Dasein so konsequent um den Spätburgunder, dass er heute gezwungen ist, von sich selbst zu behaupten: „Ich bin ein Fachidiot, ich habe nichts anderes gelernt und kann nichts anderes als Spätburgunder.“ Wenn man allerdings eine Flasche seines Großen Gewächses vom Neuenahrer Sonnenberg getrunken hat, mag man Herrn Stodden noch nicht einmal zur Hälfte recht geben – das mit dem Idioten ist natürlich Quatsch und dass er sich nur für einen Mann vom Fach hält, eine haarsträubende Untertreibung.

          Ob Alexander Stodden den besten deutschen Spätburgunder keltert, wie immer wieder gesagt wird, soll jeder Rotweintrinker mit sich selbst ausmachen. Außer Frage steht indes, dass kaum jemand mit solcher Leidenschaft und Rigorosität ans Werk geht wie dieser Winzer aus Rech an der Ahr. „Spätburgunder kann man nicht nebenbei machen, dazu ist er viel zu kompliziert. Es geht nur ganz oder gar nicht“, sagt Stodden, der neun Zehntel seiner Weinberge mit seiner Leib-und-Seelen-Rebe bepflanzt hat.

          Den Rest teilen sich Frühburgunder und Riesling, den der Winzer lieber heute als morgen loswerden würde – eine Todsünde im heiligen deutschen Rieslingland. Doch mit derlei Ketzereien kennt sich die Familie aus, die schon Weinberge bewirtschaftete, als noch die frühen Habsburgerkaiser über das Heilige Römische Reich Deutscher Nation herrschten. Bis ins Jahr 1578 lässt sich ihre Spur in Rech zurückverfolgen, doch die Blüte des Hauses Stodden begann erst mit Alexanders Ururgroßvater Alois. Er verließ unter scharfem Protest die lokale Winzergenossenschaft, weil er deren lausiges Qualitätsbewusstsein nicht mehr ertrug, füllte seine eigenen Flaschenweine ab und gab sein Ethos als Spätburgunder-Enthusiast vollständig an die Nachfahren weiter.

          „In Rech versündigt man sich gegen den Herrgott“

          Man tut wohl niemanden unrecht, wenn man die wundersame Wandlung der Ahr vom Suffparadies rheinischer Kegelklubs zum exklusivsten deutschen Weinbaugebiet maßgeblich der Familie Stodden in die Schuhe schiebt. Bis in die neunziger Jahre reisten die fidelen Kegelbrüder jedes Wochenende mit dem Partyzug in das schmale Flusstal, tranken bis zur Endstation in Altenahr Dosenbier und stiegen dann auf die süße Rotweinplörre aus Fuderfässern um, die damals Standard war. Alexander Stoddens Vater Gerd hatte da schon die grüne Lese in seinen Weinbergen eingeführt, schnitt also vollreife, kerngesunde Trauben im Hochsommer vom Stock, um die ganze Kraft des Bodens in wenigen Früchten zu konzentrieren. „In Rech versündigt man sich gegen den Herrgott“, hieß es daraufhin in den Karnevalssitzungen, und das war nicht als Scherz gemeint, weil Karneval auch an der Ahr eine todernste Angelegenheit ist.

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