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Weinbau : „Zur Süße gehört die Säure“

Tja, wenn man das so wüsste, würde das Weingeschäft ein bisschen anders ablaufen. Aber was man, denke ich, sagen kann, ist, dass ein früh gelesener 2018er von einem sehr trockenen Standort wahrscheinlich Trockenstress hatte. Der wird im Alter wahrscheinlich abbauen. Aber ein Wein von einem Boden, der Wasser gut speichert und auf dem die Trauben Reife entwickeln konnten, der wird wahrscheinlich auch noch im Alter Spaß machen.

Was heißt das für den Kunden, der sich einen 2018er kaufen möchte, der auch nach zehn Jahren im Keller noch schmeckt?

Wenn große Hitze ins Spiel kommt, spielt der Boden eine noch größere Rolle als sonst.

Könnte man das auch so formulieren, dass ein guter Jahrgang auch gute einfache Weine hervorbringt, aber die sollte man schnell wegtrinken?

Man kann das nicht so generell sagen.

Weine aus Toplagen altern im Großen und Ganzen besser als andere, stimmt das so?

Man sollte, wenn man etwas lagern möchte, sich immer die besseren Qualitäten aussuchen. Denn bei denen wird ein genaueres Augenmerk auf Reife und Aromen gelegt als bei den Basisweinen. Und der Aufwand, den ein Winzer für seine Spitzenprodukte hat: Den betreibt er nur, wenn er etwas auf den Markt bringen kann, von dem er glaubt, dass es Reifepotential hat.

Ist ein Jahr wie 2018 nicht auch ein Geschenk für die einfacheren Qualitäten, für Weine aus den Nicht-Top-Lagen?

Nur weil es ein warmes Jahr ist, muss die Qualität nicht steigen: Es kann auch sein, dass das Mostgewicht sehr früh sehr hoch ist, wir dadurch recht früh lesen und den Trauben dann Aromen fehlen. Und ewig hängen lassen kann man auch nicht, denn wenn der Alkoholgehalt irgendwann ins Bodenlose geht, funktioniert ein Wein auch nicht mehr. Und dann ist die Frage: Was ist eine gute Lage? Manchmal hat eine einfache Lage einen Boden, der das Wasser gut speichert, das ist dann ein Vorteil.

Dann sind wir doch bei dem Thema, dass einfache Lagen durchaus profitieren können.

Es können andere Schwierigkeiten auftreten, so einfach ist es nicht. Man kann schlecht generalisieren.

Schauen wir mal auf einen Ihrer Weine: den 2018er Winkeler Hasensprung, ein Riesling Kabinett, zum Beispiel. Wie lang ist seine Ewigkeit?

Der wird sicher auch in zehn Jahren noch schmecken. Ich persönlich denke aber, es macht mehr Spaß, den etwas frischer zu trinken.

Probieren wir den ,Zurueck in die Zukunft‘, einen Wein aus gemischtem Satz, aus den Sorten roter und weißer Riesling, gelber Orleans, Heunisch, Traminer und gelber Muskateller, die in einem Weinberg wachsen und zur selben Zeit gelesen werden. Gemischter Satz ist nicht weit verbreitet, warum haben Sie den im Programm?

Wir wollten einen Wein im Sortiment haben, der so entsteht, wie früher Wein gemacht wurde. Und wir wollten zeigen, dass man Qualität auch erreichen kann, ohne überall die Technik im Spiel haben zu müssen.

Sie haben einmal gesagt, es sei nicht einfach, Traminer trocken auszubauen, ohne dass er seifig schmecke. Beim ,Zurueck‘ ist es gelungen, liegt das am Riesling?

Der Riesling ist auf jeden Fall wichtig, weil er die Säure mitbringt.

Der Wein schmeckt im einen Moment würzig, dann tritt die Säure hervor, dann sind die rosigen Töne vorne. Er bleibt lange am Gaumen mit einem fast pfeffrigen Ton, ein sehr anderes Trinkerlebnis als sonst meist. Was ist für Sie als Winzer das Besondere am gemischten Satz?

Es ist eine Cuvée, die im Weinberg entsteht und nicht im Keller. Der Wein verkörpert Individualität, der Anbau stellt einen Gegenpol zur Monokultur im Weinberg dar. Und man kann über diesen Wein sehr gut reden.

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