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Weinbau : „Zur Süße gehört die Säure“

Sehr, sehr eingeschränkt und nur, wenn wir wirklich keine Alternative sehen. Wir gehen damit sehr behutsam um und probieren viel aus, um möglichst bald darauf verzichten zu können.

Der gemeine Weintrinker hat in der jüngeren Vergangenheit gelernt: Für einen Topwein lässt der Winzer die Trauben lange hängen, für einen Wein in einer unteren Qualitätsstufe wird früh gelesen. Stimmt das so?

Eine lange Reifephase ist grundsätzlich positiv. Das hängt aber auch von der Sorte ab. Beim Sauvignon Blanc zum Beispiel sind die grünen Noten gefragt. Die entstehen durch Pyrazine, und genau die bauen sich im Laufe der Zeit in der Traube ab. Einen sehr typischen Sauvignon sollte man also nicht zu spät lesen.

2018 waren Sommer und Herbst regenarm, was Vorteile für Sie hatte, außerdem kommen Rebstöcke mit Hitze vergleichsweise gut zurecht. Welche Sorten verkraften einen heißen Sommer am besten? Und welche schlecht?

Es gibt Sorten, die verkraften das besser als andere, aber ich würde nicht von welchen reden, die das gar nicht verkraften. Das Alter der Anlage spielt zum Beispiel eine Rolle. Jungfelder leiden unter lang andauernder Hitze stärker – und man kann sie schlecht wässern, denn wenn man auf sehr trockenen Boden viel Wasser auf einmal gibt, kann er das nicht aufnehmen, und es läuft durch. Man bräuchte Anlagen zur Tröpfchenbewässerung, aber das hat hier kaum einer. Insgesamt: Eine Rotweintraube kommt mit einem heißen Sommer besser klar als ein Riesling.

Wie schadet die Sonne dem Riesling?

Direkte Sonneneinstrahlung auf eine Rieslingtraube ruft oft Petrolnoten hervor. Ich hab mir sagen lassen, in Australien sei das gewünscht. Hier finden wir das nicht so schön. Und dann kommt dazu, dass durch hohe Temperaturen und vor allem warme Nächte die Säure sehr stark abgebaut wird. Und ich persönlich bin der Meinung, dass zu einer gewissen Süße die Säure als Gegenpol gehört, das macht den Wein spannender und auch langlebiger.

Wenn der Sommer 2019 jetzt anders wird als der vorherige, sind Sie wahrscheinlich nicht böse?

Ich würde mir wünschen, dass wir in diesem Jahr nicht ganz so hohe Mostgewichte bekommen, dass die Säure besser erhalten bleibt und die Typizität der Weine besser hervorkommt. Aber verstehen Sie mich nicht falsch: Ich möchte auf keinen Fall über den 2018er Jahrgang jammern, das wäre wirklich fehl am Platz. Was man aber sehen muss: In das Jahr 2018 sind wir mit guten Wasservorräten im Boden gestartet. Wenn wir noch mal das Gleiche erleben wie im letzten Sommer, sind wir ein gutes Stück näher an einem echten Problem.

Es ist nicht neu, dass der Klimawandel der Landwirtschaft, also auch den Winzern, Sorgen bereitet. Sagen Sie bitte trotzdem noch einmal, warum.

Das Schlimme am Klimawandel sind die Spitzen. Früher kamen Spätfröste nicht so oft vor, heute haben wir davor jedes Jahr Angst, gerade vor kurzem war das auch wieder so. Wir haben Hagel, 2017 hatten wir Hagel und Spätfrost. Wir hatten Jahre, da sind wir in den Weinbergen fast untergegangen, so nass war es, kein Schlepper konnte mehr fahren; wir hatten Dürre. Es ist sehr schwer für uns, da gegenzusteuern.

Wegen der Bedingungen im vergangenen Jahr haben viele vermutet, der 2018er könne ein Jahrhundertjahrgang werden. Bei den Weinen, die Sie abgefüllt haben: Wo ist das Potential, legendär zu werden? Und wo ist es noch zu früh, das zu sagen?

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