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Silbermanufaktur Robbe&Berking : Bestecke für die Königshäuser

Oliver Berking ist Eigentümer der Silbermanufaktur Robbe&Berking Bild: Daniel Pilar

Für Kanzler und Könige: Die Silbermanufaktur aus Flensburg produziert exklusive Silberwaren für gutbetuchte Kunden aus aller Welt. Eine Arbeit, die viel abverlangt – ein Ortsbesuch.

          Heftiger Wind umtost das Backsteinhaus in einem Flensburger Industriegebiet. Eine Mitarbeiterin schließt die Tür auf. Hier in der Werkstatt liegen zentnerweise Silberplatten, ein Kilogramm ist mehr als 400 Euro wert. Es ist der Rohstoff, aus dem Platten, Sektkelche, Bestecke, Kannen und Schmuck gefertigt werden.

          Robbe & Berking ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit 170 Mitarbeitern, geführt von Oliver Berking in der fünften Generation. Der Marktführer für Tafelsilber in Deutschland und Europa beliefert Kunden in aller Welt. Berkings Ururgroßvater Nicolaus Robbe eröffnete 1874 mit seinem Schwiegersohn Robert Berking eine Silberschmiede mit Juweliergeschäft. Der Laden expandierte, trotz mancher Rückschläge. Heute hat das Unternehmen 4000 Artikel im Sortiment und mehr als 30 Designs für Besteck.

          Oliver Berking, 56 Jahre alt, arbeitet seit 1985 in der Manufaktur. Er hat Betriebswirtschaft studiert, eine silberne Kanne könnte er selbst nicht schmieden. Doch bei den Entwürfen hat er seine Finger im Spiel. Robbe & Berking hat keine eigene Designabteilung, sondern arbeitet mit Gestaltern und Silberschmieden zusammen. Der Geschäftsführer segnet jeden Entwurf ab. Und manchmal kommt eine Idee auch von ihm. Sein Vater Robert Berking war ebenfalls für viele Entwürfe verantwortlich.

          Dass das Unternehmen Robbe & Berking so lange durchgehalten hat, liegt an der Qualität der gefertigten Stücke und, da ist sich Berking sicher, an der Gestaltung. Wenn der Chef im Ausstellungsraum die Bestecke hervorholt, ist seine Begeisterung spürbar. „Ich muss mich in jedes Modell verlieben, bevor es produziert wird", sagt er. Es ist eine große Liebe – seit 1874 ist nie ein Modell aus der Kollektion genommen worden. Es gibt eine Nachkaufgarantie für alle Linien. „Umso wichtiger ist es, dass die Produkte durchhalten, auch gestalterisch." Berking folgt also keinen Trends und macht keine Saisonware. Seine Produkte sollen zeitlos sein.

          Lieblinge hat er trotzdem. Zu Hause liegt bei ihm Alta im Besteckkasten, eine der klassischen Ausführungen, die in vielen Sternerestaurants und Nobelhotels benutzt werden. Im Ferienhaus speise die Familie mit Riva, einer Serie mit kantigem Griffdesign und einer besonderen Laffe beim Löffel. Das Mundstück ist an der Außenkante abgeflacht und eckig, aber nicht scharfkantig. „Höchste Polier- und Schmiedekunst", sagt Berking.

          Halbmond, Krone und ein kleines Mammut

          Hergestellt werden die Bestecke gleich nebenan. Aus den Silberplatten stanzen Arbeiter die Grundform für Löffel, Gabel oder Messerheft aus, aus 925-Sterling-Silber oder aus Alpacca, einer Kupfer-Nickel-Zinn-Mischung. Fast jedes Objekt wird bei Robbe & Berking in zwei Ausführungen gefertigt, in Vollsilber und versilbert. "Auf der Welt gibt es nur ein paar Restaurants, die wirklich vollsilbernes Besteck nutzen", sagt Berking. Den Unterschied sieht nur, wer ein Besteck umdreht und auf den Stempel achtet: Ein Halbmond und eine Krone stehen für in Deutschland gefertigtes Silber, ein kleines Mammut steht für Alpacca, das mit 999-Sterling-Silber ummantelt ist. Gewicht und Optik sind gleich, auch das Vollsilber wird noch einmal im Silberbad mit der 999-Schicht versehen. Doch echte Silberlöffel kosten etwa dreimal so viel wie ein Alpacca-Stück.

          Blick auf Stanzformen der Silbermanufaktur Robbe und Berking.

          Der kostbare Rohstoff macht die Produkte besonders. Aber er kann sich auch als heikel erweisen. „Bei börsennotierten Preisen für Rohstoffe hängt immer ein Risiko über der Firma", sagt Berking. „Mein Vater hat immer gesagt: Oliver, fang bloß nicht an zu spekulieren." Er kauft den Rohstoff darum nicht auf Halde, sondern jeden Monat etwa so viel, wie tatsächlich verarbeitet wird.

          Ist der Kern ausgestanzt, wird das platte Metallstück in der Manufaktur geprägt. Mit 1000 Tonnen Druck senken sich die Werkzeuge auf das Metall, das sich auf bis zu 100 Grad erwärmen kann. Für jedes Design gibt es eine Matrize mit passender Pfaffe, die dem Besteck seine Form und zum Beispiel Verzierungen am Rand aufdrückt. Die Roh-Gabel wird dann mit Bimsstein vorpoliert, gereinigt, geschliffen, zwischenkontrolliert, versilbert, poliert. Bevor ein Teil die Manufaktur verlässt, ist es durch mindestens 50 Hände gegangen. Diese handwerkliche Arbeit kostet. Ein vollsilberner Löffel wird im Geschäft für 210 Euro verkauft. Ein Service, das aus gut 50 Teilen besteht, ist also eine echte Investition. So gut wie jede Sonderanfertigung ist möglich. Zur Zeit polieren Mitarbeiter eine vollvergoldete Bestellung aus 700 Teilen.

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