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Selbstgemachtes Eis : Früchte, Sahne, Eier – und ab ins Gefrierfach

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Eis am Stiel: Eine Eismaschine braucht man dafür nicht unbedingt Bild: ullstein bild

Es muss nicht immer Tütenware sein: Cornelius und Fabian Lange haben schon als Kinder in der Küche mit Eis herumprobiert. Und wissen heute, wie man es selbst macht.

          Als Kinder der siebziger Jahre zählte für uns im Sommer nur eine Währung: die Kugel zu zehn Pfennigen. Klingt heute wenig, da eine Kugel oft schon ein Euro kostet, aber auch an diesen Groschen kamen wir damals erst mühevoll durch geschicktes Verhandeln oder Bitten, notfalls auch durch Betteln. Die Belohnung in Form einer Waffeltüte mit einer Kugel Eis war jede Erniedrigung wert.

          Es ging schließlich um nichts weniger als die Erlösung, den Sommertag mit einem Eis zu versüßen. Die Ära des Speiseeises teilt sich in zwei Zeitalter: in die Zeit vor Carl von Linde, den Erfinder der Kühltechnik, und in die Zeit nach 1871. Bis dahin konnte nur die Natur walten. Das Eis musste im Winter in Blöcke geschnitten und in Eishäusern mit dicken Mauern eingelagert werden, damit es im Sommer für die Kühlschränke zur Verfügung stand. Das einfachste Eis ist das „Sorbet“, das in seiner Urform nichts anderes als mit Saft verrührter Schnee ist.

          Es geht auf das arabische Wort „Sherbet“ für Fruchteis zurück. An den Schnee kamen die Araber auf Sizilien, in den Bergen um den Vulkan Ätna. Rund 250 Jahre lang stand die Insel unter arabischer Herrschaft und wurde in dieser Zeit nicht nur kolonisiert, sondern auch landwirtschaftlich entwickelt - die Bewässerungssysteme der Araber waren legendär. Am Ätna fanden sie dann auch das Eis und aromatische Früchte.

          Fertigmischung aus der Tüte

          Ein paar Jahrhunderte später bestanden unsere ersten eigenen Eisproduktionsversuche in der heimischen Küche darin, ein ominöses rosafarbenes Pulver, eine Fertigmischung, mit Milch aufzukochen und die massiv nach künstlichen Erdbeeren duftende Creme im Gefrierfach abzufrieren. Dazu benutzten wir die von der Firma Bosch mitgelieferte Eiswürfelform aus Aluminium. In großer Erwartung sahen wir alle zwanzig Minuten nach, um zu sehen, ob die Masse schon fest geworden war. Am Ende verzweifelten wir nicht nur daran, das Eis aus der Würfelform wieder herauszubekommen, sondern auch an dem sagenhaft künstlichen Aroma, das uns die Tütchenware bescherte.

          Also mussten wir weiter um Geld betteln. Doch eines Tages geriet uns ein historisches Kochbuch von 1895 in die Finger, in dem wir auf ein Rezept zur Eisherstellung stießen: Dazu brauchte man unglaubliche Mengen an Eiern, Milch und Sahne sowie zerstoßenes Eis und Salz. Letzteres war nötig, wie wir erfuhren, um das Eis zu schmelzen und durch einen physikalischen Prozess auf minus 23 Grad Celsius abzusenken. Und schon bastelten wir uns zwei Schüsseln zusammen, um in der einen die Salz-Eis-Mischung zuzubereiten und in einer anderen die süße Eismasse gefrieren zu lassen.

          Bei diesem Versuchsaufbau war es fast unmöglich zu vermeiden, dass Salzwasser in die Eiscreme schwappte - und es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis wenigstens der Rand der Masse zu kristallisieren begann. Außerdem bekamen wir Frostbeulen an den Fingern. Also musste wieder unser Taschengeld dran glauben. Ein paar weitere Jahre später fanden wir auf dem Schulweg am Rande eines Sperrmüllhaufens eine historische Eismaschine, die mit dem oben genannten Prinzip arbeitete. Das Ding war eine Erlösung! Endlich waren wir unabhängig.

          Alle Farben des Regenbogens

          Wir rührten Eiscreme, bis wir statt Frostbeulen Blasen an den Händen hatten. Es gelang uns, die Produktion von Eismasse so zu perfektionieren, dass wir alle möglichen Geschmacksrichtungen ausprobieren konnten. Heute bieten die Eissalons in unserer Heimatstadt nicht mehr nur zehn Sorten Eis zur Auswahl an, sondern 25, darunter so illustre Sorten wie Schlumpf (krassblau) und Pokémon (quietschgelb), die Neoklassiker After Eight, Chocolate-Cookies, aber auch so etwas wie Omas Apfelkuchen. Die Vielfalt ist natürlich nur durch das künstliche Wunder aus der Tüte möglich, das wir schon aus unserer Kindheit kennen. Womit wir wieder auf Sizilien wären.

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