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Schaumwein : Mehr als schöne Bläschen

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Kühlen nicht vergessen: Wegen der dickeren Flaschen braucht Schaumwein länger, um auf Trinktemperatur zu kommen. Bild: Marcel Christ/Gallery Stock/laif

So hübsch Sekt und Champagner im Glas prickeln, so enttäuschend ist oft der Geschmack. Damit das an den Feiertagen nicht passiert: die Tipps unseres Weinkolumnisten.

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          Bei Sekt und Champagner überspielt die Optik in vielen Fällen leider sehr erfolgreich ein banales oder gar enttäuschendes Geschmackserlebnis. Deshalb funktionieren sie ganz anders als andere Weine. Es ist einfach so hübsch, wie die Bläschen durch die hellfarbige Flüssigkeit beständig aufsteigen. Bei keinem alkoholischen Getränk sind wir unkritischer als bei Schaumwein, und zu keinem Moment im Jahr macht sich dies stärker bemerkbar als um Mitternacht zu Silvester. Wir möchten einfach in Hochstimmung sein und biegen gerne die Wahrheit im Glas und auf der Zunge, bis sie unseren Wunschvorstellungen mehr oder weniger entspricht.

          Natürlich lässt sich einiges tun, um dem zu entgehen. Wenn der Kreis größer ist, muss der Sekt allen gefallen und darf nicht zu teuer sein. Wer einen sehr harmonischen, runden Geschmack sucht, ist mit dem „Privat“ Brut von der Sektkellerei Ohlig in Rüdesheim/Rheingau (6,80 Euro ab Hof, www.ohlig-sekt.de) gut aufgehoben. Für diesen Preis sind Substanz, Klarheit und Frische beachtlich. Wer mehr Aroma und Saftigkeit im Glas sucht, muss dafür auch etwas mehr zahlen. Der 2010er Riesling Brut Sekt vom Weingut Kirsten in Klüsserath/Mosel (11,90 Euro von www.moevenpick-wein.de,) schmeckt nach reifen Pfirsichen und hat ungewöhnlich viel Schmelz für einen Riesling-Sekt. Auch der (ganz leicht lachsfarben angehauchte) Pinot Brut von Kirsten besticht mit Duftigkeit und Schliff (13 Euro ab Hof, Telefon: 06 50 7/9 91 15).

          Für manche Weintrinker gibt es an Silvester allerdings keine Alternativen zu Champagner. Wer diese Meinung vertritt, wird wahrscheinlich seit langem seine Lieblingsmarken haben. Logisch gesehen darf ein Champagner am Silvester weder zu säurebetont noch zu schwer sein. Der feinfruchtige und saftig-elegante Geschmack von Billecart-Salmon Brut (32,90 Euro von www.weinhalle.de) passt zu diesem Anlass auf ideale Weise. Deutlich günstiger ist der nach Zitrone und Apfel duftende, etwas cremiger wirkende, aber ebenfalls belebende „Cuvée Ste. Anne“ Brut von Chartogne-Taillet (23 Euro von www.rare-wine.com); für diesen Preis bietet er eine beeindruckende Feinheit.

          Noch günstiger in dieser Geschmacksrichtung geht es nur, wenn man auf andere hochwertige französische Schaumweine ausweicht. Der Blanc de Noirs Brut von Louis Picamelot (19,90 Euro von www.maitrephilippe.de) ist ein Crémant de Bourgogne, der nach Sauerkirschen, getrockneter Birne und Brioche duftet und wie ein eleganter Champagner schmeckt (und auch so gemacht ist). Wen der Preis wenig interessiert und wer es gerne edler haben will, macht mit dem nach vielerlei roten Beeren duftenden, subtilen Champagner Billecart-Salmon Rosé Brut (52 Euro von www.weinhalle.de) nie einen Fehler. Wenn man noch dazu bereit ist, einen völlig unbekannten Namen zu riskieren, bietet der Goutorbe Rosé Brut (32,32 Euro von www.weinco.de) feine Beerenaromen und eine beeindruckende mineralische Frische zu einem recht freundlichen Preis.

          Allerdings gibt es inzwischen auch in Deutschland eine Reihe hochwertiger Rosé-Sekte, die für Champagner dieser Preisklasse ernsthafte Konkurrenz darstellen. Ein Beispiel ist der 2006er Pinot Brut Rosé von Bernhard Huber in Malterdingen/Baden (19,80 Euro von www.moevenpick-wein.de), der zugleich kraftvoll und vielschichtig schmeckt.

          Die Fixierung auf frische Ware nimmt auch bei Wein und Sekt immer weiter zu. Manche Konsumenten hätten am liebsten schon den Jahrgang 2013 im Glas und denken, solche Weine seien sogar bekömmlicher. In der Tat verhält es sich genau umgekehrt, und gereifter Sekt oder Champagner kann ein großartiges Erlebnis sein. Aber eine eindringliche Warnung an dieser Stelle: Das macht nur bei hochwertigen, optimal gelagerten Schaumweinen wirklich Sinn. Ladenhüter schmecken einfach müde und alt.

          Auch wichtig: rechtzeitig an die Kühlung denken. Das mag banal klingen, aber eine Flasche Weißwein lässt sich in etwa 20 Minuten im Tiefkühler runterkühlen (ohne Schaden!), während eine Flasche Schaumwein wegen des dickeren Glases eher 40 Minuten braucht. Wenn ein Kühlschrank voll mit Sekt oder Champagner für den Silvesterabend gepackt werden muss, dann am besten schon am Vorabend, spätestens am frühen Morgen des 31. Dezember. Zu warme Flaschen verursachen beim Öffnen gerne feuchte Überraschungen. Am besten übers Spülbecken halten und wie beim Feuerwerk grundsätzlich nie auf jemanden zielen. Es gibt genügend andere Dinge im neuen Jahr, die ins Auge gehen können.

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