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Weißweine : Ja, es ist Saar!

Christian Ebert vom Weingut Schloss Saarstein macht Wein, der „lockelt“. Man muss das nicht verstehen, nur trinken.
Christian Ebert vom Weingut Schloss Saarstein macht Wein, der „lockelt“. Man muss das nicht verstehen, nur trinken. : Bild: Frank Röth

Die Hansens verkauften in den fünfziger Jahren Schloss Saarstein an eine Familie Ebert, die ihre Wurzeln im Brandenburgischen hatte, wo sie Landwirtschaft betrieb. Kurz zuvor wurden an einer der steilsten Stellen der Monopollage „Schloss Saarstein“ die Reben gepflanzt, aus deren Trauben Christian Ebert heute seine „Alten Reben“ keltert. Das ist ein Wein von solch schiefrig-mineralischer Wucht, gepaart mit solch fruchtiger Leichtigkeit, dass er - wie die alten Moselaner sagen - „lockelt“. Auf Deutsch: Kaum ist die erste Flasche leer, ist es auch die nächste.

Ockfen und Serrig sind Geschichte - doch was für eine

Der von Norden betrachtet letzte Weinberg an der Saar wurde einst von den Freiherrn von Schorlemer angelegt, die auf Schloss Lieser an der Mosel residierten und in der großen Politik eine der ersten Geigen spielten. Clemens von Schorlemer etwa war als Landwirtschaftsminister des Kaiserreiches bis 1917 mit dafür verantwortlich, dass die preistreibenden Weinversteigerungen nicht einmal während des Kriegs verboten wurden. So konnte er die „Frauenweine“ des exzellenten Kriegsjahrgangs 1915 (die Männer starben an der Westfront, statt Butten mit Trauben zu schleppen) zu exzellenten Preisen losschlagen. Am meisten profitierte von den hohen Preisen aber der preußische Fiskus, der größte Weinbergsbesitzer seiner Zeit.

Lange sollte es dem Staat und mit ihm vielen anderen Kapitalgebern nicht gutgehen mit den Ausflügen in die Welt des Weins. Die zwanziger, die vierziger, die fünfziger und auch die sechziger Jahre waren nicht so, dass Saar-Weine durchweg von sich reden machten. Eher machten die Domänen mit Versuchen zur Frostbekämpfung im Weinberg von sich reden: Räucherofen statt Riesling. Heute sind die Domänen Ockfen und Serrig Geschichte - doch was für eine.

Die Saarburg erhebt sich über den Nebel: Blick aus dem „Saarburger Rausch“ des Weinguts Forstmeier Geltz-Zilliken auf die Ruine.
Die Saarburg erhebt sich über den Nebel: Blick aus dem „Saarburger Rausch“ des Weinguts Forstmeier Geltz-Zilliken auf die Ruine. : Bild: Frank Röth

Vorbei sind nicht nur die Zeiten, als Arthur Greiser, der Gauleiter und Reichsstatthalter im Warthegau, am 29. Mai 1942 beim Landwirtschaftsministerium in Berlin um 1937er „Serriger Heiligenborn Bärenauslese“ (!) nachsuchte und mit gleicher Post über „Arbeitsüberlastung“ klagte. Es galt, die Evakuierung des Warschauer Ghettos vorzubereiten, in dem damals auch Marcel Reich-Ranicki lebte.

Die Welt giert nicht nach jedem Saar-Jahrgang

Vergangen sind aber auch die Zeiten, in denen man mit einem „Serriger Vogelsang“ Ehre für den Saar-Riesling einlegen konnte. Wenn heute Weine aus dieser Lage irgendwo zu Schleuderpreisen angeboten werden, dann haben diese nur noch dem Namen nach mit den Rieslingen zu tun, für die die seit langem privatisierte Staatsdomäne einst berühmt war.

Eine Renaissance feiern indes die Weine aus dem „Serriger Würzberg“. Jochen Siemens, einst Amerika-Korrespondent und später Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“, hat vor einigen Jahren das Leben in der Wetterau für ein Winzer-Dasein an der Saar eingetauscht. Wie so viele vor und nicht wenige nach ihm hatte Siemens das Saar-Virus befallen.

Jochen Siemens hat die „Frankfurter Rundschau“ gegen den „Serriger Würzberg“ getauscht.
Jochen Siemens hat die „Frankfurter Rundschau“ gegen den „Serriger Würzberg“ getauscht. : Bild: Frank Röth

Doch sollte er schnell erfahren, dass die unheilbare Leidenschaft für „die kühle Schwester der Mosel“ (wie die Saar treffenderweise im Marketing-Deutsch heißt) recht unangenehme Nebenwirkungen haben kann. Investitionen in Weinberge und Keller amortisieren sich erst nach vielen Jahren, und nicht jeder Jahrgang ist nach Menge und Güte so beschaffen, dass die Welt nach Saar-Wein gierte.

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