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Kulinarisch gerad­linig: Beim Doppelkeks ist die Serviette eingebaut. Bild: Julia Zimmermann

Doppelkekse im Test : Süßer Snack fürs Volk

  • -Aktualisiert am

Er ist kaum wegzudenken aus Kindergärten und Büros, von Camping und Wanderung: der Doppelkeks. Wir haben 10 Sorten verkostet – und verraten allen, die lieber backen als kaufen, ein Rezept.

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          Er mag simpel erscheinen und banal dazu. Gleichwohl verkörpert der Doppelkeks die erste Stufe der Verfeinerung, die ein nackter Keks aus fetthaltigem süßem Teig zu erklimmen vermag. Aufgewertet wird er durch eine Zutat aus dem Repertoire der klassischen Konditorei: eine Creme. Sie ist im Zuge der Massenproduktion zu einer Art aufgeschlagenen Kuchenglasur abgewandelt worden; anstelle von Butter und Sahne enthält sie preisgünstigere Kokos-, Palm-, Raps- und Sonnenblumenöle sowie tüchtig Zucker. Für den Keks sieht die Rezeptur eine relativ steife Konsistenz vor; sie verfugt zwei Cookies zu einem runden Sandwich.

          Obwohl sowohl der Marktführer, die „Prinzen Rolle“ vom Süßwarenkonzern Griesson– de Beukelaer, als auch der Konkurrent „Oreo“ hochtoupierte Varianten anbieten, beeindrucken beim herkömmlichen Schoko-Doppelkeks die Geradlinigkeit und kalorische Konzentration. Nüchtern ordnet sie den Genuss der Sättigung unter – nur so weit jedoch, dass der sogenannte Nachgreifeffekt unbehelligt wirken kann.

          Weit verbreitet in Kindergärten, Schulen und Universitäten, krümelt sich der Doppelkeks auch durch Büros, Bahn und Bus, bestückt Camping und Wanderung und macht auch nicht Halt vor Hospitälern und Pflegeeinrichtungen. Nicht allein dort trotzt er zeitgenössischen Gesundheitsratschlägen und Diättrends, weil er – egal, wo man sich auch befindet – rasche und unkomplizierte Stärkung verspricht.

          Üppiges Nougat
          Lotus ist ein Phänomen: Erst hat der belgische Hersteller die Amarettini als Espresso-Beigabe verdrängt, nun schickt er sich an, den Doppelkeksmarkt aufzurollen. Wohl verantwortlich für den Erfolg in beiden Fällen: ein intensiver, extravaganter Karamellton. Anna Plagens als „Texturfanatikerin“ lobte den wie Spekulatius stabilen Keks und die üppige Füllcreme; die orientiere sich an Nougat, werde jedoch getoppt vom beharrenden Nachdruck des im Feuer gebrochenen Zuckers.

          Lotus Biscoff Milk Chocolate Flavour, 150 g/1,49 Euro, Supermarkt

          Note 1

          Italienischer Schmelz
          In der ausgewogen komponierten Cremeschicht zwischen den kompakten Rührteig-Talern spiegelt sich die große Gianduia- Erfahrung der Nutella-Nation Italien, inklusive der vollen Nussbutter-Note und des deutlichen Salzakzents. Italienisch wirke zudem, so die Pâtissiere, dass man beim Kauen „unterschiedliche Erlebnisse von knusprig zu weich hat, und die Füllung bindet dann alles ab“. Mit zartem Schmelz.

          Mulino Bianco Baiocchi con Crema alla Nocciola e Cacao, 260 g/2,89 Euro, centro-italia.de

          Note 1-2

          Buttriger Charakter
          Die Leibniz-charakteristischen Rechtecke mit den gezahnten Kanten haben der Konkurrenz einen Butteranteil von gut sechs Prozent sowie natürlich die Erinnerung an den Keks­kuchen voraus. Die etwas zu glatte Füllung hat einen leicht kühlenden Effekt auf der Zunge, und ihr an Vollmilchschokolade und Nutella gelehnter Ge­schmack hat etwas von Kindergeburtstag. Schöne Backfarbe, aber unvollendet gebliebene Knusperdecke.

          Leibniz Keks‘n Cream Choco, 228 g/1,79 Euro, Supermarkt, Drogeriemarkt

          Note 2+

          Schöner Biss
          Das Unternehmen aus Wittenberg setzt auf dichte Kekse, die sich zwischen den Zähnen ziemlich hart anfühlen und bereits außerhalb des Munds zu krümeln beginnen. „Schöner Biss, allerdings ohne Knack“, so Plagens. Im mäßig gesüßten Körper eine kräftige Malznote; diese besänftigt die Bitterschokolade in der ebenfalls zurückhaltend gezuckerten Füllung und wird begleitet von einem unterschwelligen Honigkuchenaroma.

          Wikana Doppelkeks mit Kakao-Creme, 330 g/ 2,29 Euro, Supermarkt, Drogeriemarkt

          Note 2

          Gebremste Lieblichkeit
          „Das Salz ist sofort da“, sagte unsere Testerin. Es leitet über zu einer Ofennote, die weder von Honig noch Malz oder Vanille irritiert wird. Der Keks weist wenig Zusammenhalt auf – als könne er den Zerfall in lieblichen Staub gar nicht erwarten. Die leicht ölige, ansonsten leicht trockene und angenehm dünne Füllung äußert einen das Herbe streifenden Kakaoton und hindert den lieblichen Aspekt an seiner vollen Entfaltung. Ein unaufgeregter Minimal-Keks.

          Pural Bio bio bis Choc, 300 g/2,49 Euro, Biomarkt, Reformhaus

          Note 2-3

          Quietschsüßer Ton
          Der Biss: ungewöhnlich hart; beim Kauen des neutral schmeckenden Kekses tut sich zunächst nicht viel. Allmählich erst entsteht im Mund ein mehliger Brei, unter den sich das Schokolade-Fett-Gemisch der Füllung (die an Protein-Schoko-Shake denken lässt) energisch mischt. Sobald der Kakaoton verklungen ist, zeigt sich, wie „quietsch­süß“ (Pragens) die ­Creme schmeckt. Immerhin mit recht natürlich wirkender Vanille aromatisiert.

          Veganz Doppelkeks bio, 400 g/2,99 Euro, Biomarkt, Edeka, Drogeriemarkt

          Note 3

          Auffällige Klebrigkeit
          Irgendwas müsse der supersüßen Paste entgegenwirken, meinte Plagens: der klar erkennbare Salzanteil. Er zähmt den fein verteilten Zucker und gibt dem „Zusammenspiel ältlicher Krümel mit Karamell“ einen überraschend mineralischen Dreh. Ansonsten bekennt sich die flache Füllung klar zur Milka-Familie. Die auffällige Klebrigkeit im Innern könnte mit Süßmolkepulver zu tun haben. Der Knack und der fein strukturierte Bruch ähneln Tuc-Crackern.

          Milka Choco Pause, 260 g/1,99 Euro, Supermarkt

          Note 3-4

          Staubige Textur
          Tatsächlich kann man das Erzeugnis des großen türkischen Lebensmittel- und Süßwarenherstellers zunächst mit Haferkeksen verwechseln – weil das Getreide im Duft wesentlich ausgeprägter scheint als der Geschmack. Dort gibt es Haselnussmark zu entdecken, die typische Süßentfaltung von Traubenzucker und nicht zuletzt eine ordentliche Portion synthetische Vanille. Unsere Pâtissiere urteilte, die sehr präsente Textur komme ihr einfach zu staubig vor.

          Ülker Canpare Çikolatali Kremali, 81 g/0,49 Euro, türkischer Supermarkt

          Note 4

          Pastose Füllung
          Der Marktführer tritt nachgiebig, fast weich auf. Expertin Plagens sprach von „Nullkeksen“, die erst nach einigem Kauen überhaupt so etwas wie ein aromatisches Muster freigeben. Dazwischen befinde sich keine Creme, sondern eine „pastose Zusammensetzung aus Zucker, Fett und Kakao“. Insgesamt seien die hellen Taler mit den 6,5 Zentimetern Durchmesser wohl so angelegt, dass sich ihre Bestandteile nicht so sehr voneinander unterschieden.

          DeBeukelaer Prinzen Rolle, 400 g/1,49 Euro, Supermarkt

          Note 4-5

          Unausgebackener Körper
          Als Rolle rückwärts präsentierte sich die Discount-Ware von Edeka, zu deren engerer Verwandtschaft Aldis „Biscotto Doppelkeks Kurpfalz“ und Rewes „Ja! Doppelkeks“ zählen. Dem unausgebacken wirkenden, beinahe leer schmeckenden Getreidekörper fehlt der Crunch. Von Aroma im engeren Sinn will man trotz der Kakao­färbung der Füllung nicht sprechen, eher von einer in Fett gesenkten Auskunftsquelle der Süße.

          Gut & Günstig Doppelkeks, 500 g/0,99 Euro, Edeka

          Note 5

          Testen Kekse: Thomas Platt (rechts) und Anna Plagens (Mitte)
          Testen Kekse: Thomas Platt (rechts) und Anna Plagens (Mitte) : Bild: Julia Zimmermann

          Daneben existiert noch ein praktischer Vorteil: Deckel und Boden fungieren als essbare Serviette und verhindern klebrige Finger. Somit kommt der Doppelkeks dem Bedürfnis entgegen, die Abläufe alltäglicher Geschehnisse kurz und problemlos zu unterbrechen. Bei manch einem ist der Verzehr dieses Volkssnacks bereits an die Stelle der Zigarettenpause gerückt.

          Nicht viele der Ingredienzen, aus denen diese Miniaturausgabe des Kalten Hundes besteht, finden sich im Magazin einer Backstube an der Berliner Brunnenstraße, denn dort werden nur Zutaten erster Qualität verwendet. Mit großem Erfolg betreibt hier Anna Plagens, eine der wenigen unbestrittenen Autoritäten der Feinbackkunst in der Hauptstadt, ihre „Französische Pâtisserie Du Bonheur“.

          Mit den Jahren beim K. u. K. Hofzuckerbäcker Demel zu Wien und in Paris bei Pierre Hermé, dem Meisterschüler des großen Gaston Lenôtre, war Plagens natürlich kolossal überqualifiziert für den Test von profanen Keksen aus dem Supermarkt. Aber auch auf dieser Ebene kann es zu dem kommen, was die Pâtissiere als restlos befriedigend empfindet: dass seine Reize harmonieren und alle Geschmacksknospen gleichzeitig angesprochen werden.

          Lachen einen an: die Doppelkekse von Anna Plagens
          Lachen einen an: die Doppelkekse von Anna Plagens : Bild: Julia Zimmermann

          Du Bonheur Kokos-Doppelkekse

           Rezept für ca. 40 Stück mit 6 Zentimeter Durchmesser

          Für den Keks:
          (am Vortag vorbereiten)

          • 325 g weiche Butter
          • 150 g Puderzucker
          • 5 g Fleur de Sel gesiebt
          • 75 g Mandelmehl
          • 75 g Kokosraspel
          • 1 Ei
          • 325 g Mehl

          Die Butter im Rührkessel glattrühren. Den gesiebten Puderzucker, das Mandelmehl und Fleur de Sel unterrühren. Vorsichtig Ei hinzugeben, zuletzt das Mehl. Sobald eine homogene Masse entstanden ist, den Teig aus dem Kessel nehmen, etwas flachdrücken, in Frischhaltefolie wickeln und über Nacht in den Kühlschrank legen. 

          Später ca. 4 Millimeter dick ausrollen, Kreise mit etwa 6 Zentimeter Durchmesser ausstechen und bei 160°C 15 bis 20 Minuten backen.

          Für die Creme:

          • 250 g Kokosraspel
          • 80 g Zucker
          • 350 g Kuvertüre mindestens 60% Kakaoanteil (am besten „Caraibe“ von Valrhona)

          Kokosraspel im Backofen bei 150°C für 10 Minuten leicht bräunen lassen. Den Zucker in einem großen Topf trocken karamellisieren, die Raspel einrühren und bei niedriger Hitze unter ständigem Rühren goldbraun karamellisieren. 

          Die leicht erkalteten karamellisierten Kokosraspeln fein mixen bis eine flüssige (noch warme) Masse entsteht. Schokolade hinzufügen und glattmixen. In einer Schüssel etwas abkühlen lassen, dann zwischen die Kekshälften spritzen und kühl stellen.

          Rezept von: Anna Plagens, „Französische Pâtisserie Du Bonheur“, 10115 Berlin, Brunnenstraße 39, www.dubonheur.de

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