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Daisy (Sophie McShera) wird im Laufe der Serie vom Küchenmädchen zur Beiköchin. Bild: Carnival Films

Kostproben aus Kochbuch : Downton Abbey auf Rezept

  • -Aktualisiert am

Ein Kochbuch verspricht Essen wie die Herrschaften und die Dienstboten aus der Serie. Hier vorab vier der Gerichte. Nur denken Sie nicht, das Kleine-Leute-Essen sei leichter nachzukochen.

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          Nun ist es offiziell. Nach dem ungefähren Vorbild von „Downton Abbey“ konnten Serien- und Adelsenthusiasten zwar schon länger kochen, nicht jedoch unter dem Gütesiegel eines „offiziellen Kochbuchs“. Doch was macht ein Rezept zum anerkannten Serienrezept? Unwahrscheinlich, dass sich, Emmys hin oder her, die Drehbuchautoren oder Szenenbildner tatsächlich Gerichte für die Köchin des Hauses, Mrs Patmore, ausdachten. Folgerichtig hat Serienproduzent Gareth Neame nur das Vorwort des nun erscheinenden „Offiziellen Downton-Abbey-Kochbuchs“ geschrieben – während die Rezepte von der britischen Ernährungshistorikerin Annie Gray stammen.

          Diese hat in alten Kochbüchern nach Gerichten gesucht, wie sie bei der Adelsfamilie Crawley und ihren Dienstboten hätten aufgetischt werden können: etwa Austern und Rosenkohl upstairs, Rindfleischeintopf und Ingwerkuchen downstairs. Die Rezepte hat sie so vereinfacht, dass man sie auch im modernen Ofen, mit Backpulver und Handmixer zubereiten kann. Einige der Gerichte waren so oder so ähnlich tatsächlich in der Serie zu sehen, andere wurden nur erwähnt oder waren typisch für die Zeit zwischen 1912 und 1926.

          Das kulinarische Unterfangen beginnt im späten Edwardianischen Zeitalter mit in Gelee getränktem Essen, traditionellen englischen Gerichten wie Yorkshire Puddings und der Erfindung der modernen französischen Küche. Wohlhabende Familien wie die Crawleys, schreibt Gray, ließen das Alte stolz neben dem Neuen servieren und Menükarten auf Französisch verfassen: englische Gerichte mit französischen Namen, das wirkte gleich viel eleganter.

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          Diniert wurde im Service à la russe. Es wurden also sieben bis neun Gänge aufgetragen, wobei sich die Gäste selbst von den Platten bedienten. Auf einem Anwesen wie Downton Abbey bedeutete das Dinner: jeden Abend Tafelsilber auf weißen Tischdecken, Blumengestecke, lange weiße Kerzen und feinste Abendgarderobe.

          Diese Opulenz wirkte im und nach dem Ersten Weltkrieg jedoch zunehmend unpassend. Im Laufe der sechs Staffeln, erklärt Gray, wurden die Gerichte deshalb auch in der Serie leichter. In den Goldenen Zwanzigern köchelte das Essen der obersten Schicht nur noch Stunden statt Tage. Das gilt natürlich nicht, wenn, wie im Kinofilm, König und Königin ihren Besuch ankündigen. „Ein königlicher Lunch, eine Parade und ein Dinner?“, fragt Mrs Patmore deshalb und muss sich „vor Schreck erst mal hinsetzen“.

          Lernen lässt sich hier auch so einiges, über Zutaten und die Geschichte ihrer Verwendung etwa. Oder dass die Gerichte für die einfachen Leute nicht unbedingt einfacher zu kochen sind. Anderes wiederum wurde sowohl von Herrschaften als auch Domestiken gegessen; das Rindfleisch beispielsweise, hier mit einem Eintopf vertreten, galt als Inbegriff des Britischen. Nur dass man downstairs am stew besonders schätzte, dass es reichhaltig war und so viele Mägen füllte.

          Annie Gray, „Das offizielle Downton-Abbey-Kochbuch“ mit 125 Rezepten, Dorling Kindersley Verlag 2019, 24,95 Euro, erscheint am 19. September. Daraus alle Rezepte und Fotos © Weldon Owen International, Rezepte: Annie Gray, Fotos: Weldon Owen, John Kernick, f.d.dt. Ausgabe Dorling Kindersley Verlag.

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