https://www.faz.net/-hs0-adl02

Im „Café Traxlmayr“ in Linz : Auf einen Verlängerten

Eine Melange im Café Traxlmayr in Linz ist die Eintrittskarte zum Lesevergnügen. Bild: Mafalda Rakoš

Von der NZZ über Le Monde oder die New York Times bis hin zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung: Im „Café Traxlmayr“ in Linz kostet der Kaffee etwas mehr, um das riesige Angebot an Zeitungen zu finanzieren.

          7 Min.

          Es muss hier unbedingt davon erzählt werden, wie es einem hergelaufenen Studenten vor vielen Jahren einmal gelang, den ziemlich großen österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard im „Café Bräunerhof“ zu Wien in ein unvergessliches Gespräch zu verwickeln, doch dazu später. Beginnen soll diese Geschichte nämlich in Linz, an der Adresse Promenade 16, wo sich das „Café Traxlmayr“ befindet, und zwar schon seit fünf Generationen respektive bald 150 Jahren. Noch etwas älter ist nach österreichischen Maßstäben – und die sind schließlich nicht unbedeutend, wenn es um Kaffeehäuser geht – allein das „Café Thomaselli“ in Salzburg, das seit 1852 in wechselnden Generationen der namensgebenden Familie gehört.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Unübertroffen nach jedwedem Maßstab dürfte aber das Angebot an Printmedien im „Traxlmayr“ sein. Zu einem österreichischen Kaffeehaus, derlei weiß man, gehört eine Auswahl an Zeitungen. Allerdings ist das einst reiche Angebot in manch einem Lokal mitunter recht dürftig. Internationale Blätter gibt es bisweilen gar nicht mehr, und was landestypische Printprodukte betrifft, so schlägt das mancherorts ausliegende Sortiment, katachrestisch gesagt, dem Fass die Zacken aus der Krone. Es wird gar von Kaffeehäusern berichtet, in denen überhaupt keine gedruckten Zeitungen mehr ausliegen. Welch zwielichtiges Volk mag sich dort versammeln, und warum?

          Bitte nur drei Zeitungen auf einmal!

          Zum Glück hat das „Traxlmayr“ mit solchen Etablissements nichts gemein. Die Speisenkarte umfasst auf einer ganzen Seite den Menüpunkt „Lektüre“ und zwar vollkommen zu Recht. Um die 100 aktuelle Ausgaben verschiedener Tageszeitungen und Journale liegen hier aus. Ob man sich die Zeitläufte vom Corriere della Sera, von Le Monde, der New York Times, der Linzer Rundschau, dem Večernji List aus Zagreb, der Neuen Zürcher oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklären lassen will: Damit es keinen Zank gibt, sind die beliebtesten Blätter mehrfach vorhanden. Die Oberösterreichischen Nachrichten liefern täglich acht Exemplare an das „Traxlmayr“, die F.A.Z. gibt es immerhin doppelt. Das ist auch deshalb nötig, weil es selbst in den besten Häusern immer jemanden gibt wie den Herrn an Tisch 41, der sich hinter einem halben Kubikmeter Zeitungen verschanzt, als gäbe es kein Morgen. Hinter seiner papiernen Trutzburg hält er sich jetzt schon seit gut einer halben Stunde am Standard fest, nimmt aber noch ein halbes Dutzend weiterer Blätter in Beschlag, obwohl es in der Speisenkarte heißt: Bitte nur drei Zeitungen auf einmal!

          Die fünfte Generation: Ulrich Traxlmayr in seinem Café in Linz..
          Die fünfte Generation: Ulrich Traxlmayr in seinem Café in Linz.. : Bild: Mafalda Rakoš

          Doch selbst Unersättliche lassen den Ephemeridenschatz des „Traxlmayr“ nicht schmelzen. Heute zum Beispiel sind die Salzburger Nachrichten noch zu haben, auch das Oberösterreichische Volksblatt, der Kurier oder die Wiener Zeitung. Zur Not wäre auch noch eine Süddeutsche da. Außerdem mehr als ein Dutzend Wochenblätter, davon allein drei verschiedene aus Hamburg.

          19.000 Euro für Zeitungsabonnements

          „Bis vor einiger Zeit hatten wir auch eine tschechische Zeitung, aber die Lieferung wurde leider eingestellt“, sagt Ulrich Traxlmayr, der das von seinem Ururgroßvater gegründete Kaffeehaus gemeinsam mit seiner Frau führt und auch während des Gesprächs nie vergisst, aufmerksam Stammgäste zu begrüßen oder zu verabschieden. „Wir haben nun eine französische Zeitung, aber keine tschechische mehr – obwohl Tschechien nur 30 Kilometer von hier liegt“, bedauert Herr Traxlmayr. Ginge es nach ihm, läge ein tschechisches Blatt auch weiterhin in seinem Hause aus: „Wenn man Kaffeehaus sein will, gehört ein reichhaltiges Angebot an Zeitungen einfach dazu. Das darf keine wirtschaftliche Frage sein.“ Ist es natürlich aber doch. Mehr als 19.000 Euro, sagt Herr Traxlmayr, gab sein Haus vor der Pandemie jährlich für Zeitungsabonnements aus, und die fulminante Auswahl lässt darauf schließen, dass es heuer wieder ähnlich sein wird.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Markus Söder und sein Vize Hubert Aiwanger nach einer Kabinettssitzung im Münchner Hofgarten.

          Streit um Impfungen : Aiwanger wirft Söder Falschbehauptung vor

          Nach der letzten Kabinettssitzung vor der Sommerpause hatten sie noch versucht, Einigkeit zu demonstrieren. Doch der Streit zwischen dem bayrischen Ministerpräsidenten und seinem Vize ist nicht vorbei – im Gegenteil.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.