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Neues Restaurant : Warten auf Schinkenbrot von Til Schweiger

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Til Schweiger bei der Eröffnung seines neuen Restaurants „Barefood“: Gesunde Großstadtküche Bild: dpa

Am Freitag hat das erste Restaurant von Til Schweiger in Hamburg eröffnet. Unsere Autorin versuchte, im „Barefood Deli“ etwas zu essen zu bekommen. Auf der Speisekarte steht seine halbe Familie.

          Es riecht nach Vanille-Duftkerzen; dass ein Foto von Til Schweigers Eltern im Treppenaufgang hängt, kann man nur erraten. Viel Raum bleibt zwischen den rustikalen Holztischen, angenehm leise Lounge-Musik rieselt von der Decke herab. Auf der Speisekarte steht vom veganen Frühstück bis zu Craftbier mit Burger alles, was der moderne Großstadtmensch erwartet. Und für eingefleischte Fans gibt es sogar „Til’s Bolognese“, tatsächlich mit Apostroph geschrieben, für 11,50 Euro. Das teuerste Gericht kostet 24,50 Euro, „Emilio’s Tuna (Zucchini, Thymian, Olivenöl, Fleur de Sel)“.

          Mit diesem Konzept könnte Schweiger sich auch in New York sehen lassen, und das verwundert nicht, denn eines versteht er ja wirklich: viele Menschen anzulocken. Als Nächstes will er ein Hotel am Timmendorfer Strand eröffnen, und man muss davon ausgehen, dass auch das ein Erfolg werden wird. Ins „Barefood Deli“ (eine Anlehnung an seine Produktionsfirma Barefoot Films) passen jedenfalls mehr als 200 Menschen, und um die Mittagszeit ist schon fast jeder Tisch belegt: Pärchen, Zeitungsleser, Touristen, Bürofreunde. Viele machen Selfies, dazwischen schwirren Servicekräfte herum. Die aufgeregten Bedienungen (vor allem jung, gutaussehend, weiblich) betonen in Dauerschleife, dass heute der Eröffnungstag ist. Das scheint nicht alle Gäste zu beeindrucken, denn gerade hat eine Frau das Lokal mit wehendem Schal verlassen, weil sie eine halbe Stunde auf einen Kaffee gewartet hat. Erfolglos.

          Sieht doch recht lecker aus: Eine Scheibe Brot mit Dip, Gemüse und Avocado.

          „Müssen wir jetzt eigentlich die Schuhe ausziehen?“, witzelt jemand am Nebentisch, der sich angesichts der Warterei schon wie zu Hause fühlt. Die Stimmung ist bei den meisten Gästen immer noch gut, trotz Wartezeit - schließlich ist man hier dem Star so nah wie sonst kaum: Außer „Til’s Bolognese“ kann man auch „Til’s“ (ein Bier für 4,20 Euro) bestellen, einen Tee namens „Lilli“ und einen Rotwein namens „Emma“ (5,80 für 0,1 l und damit der teuerste auf der Karte). Auf Twitter haben sich angesichts der Tatsache, dass Schweiger seine halbe Familie auf der Speisekarte verewigt hat, manche Leute schon gefragt, ob Ostsee-Nuscheln, Dreikopfküken oder Tschillerlocke nicht auch noch gute Namen für weitere Gerichte wären. Ja, wenn Til Schweiger, 52, ein Deli in der Hamburger Innenstadt eröffnet, ist das ein gefundenes Fressen.

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          Serviert werden Lieblingsrezepte – von Freunden, Mitarbeitern oder aus Restaurants, in denen Schweiger verkehrt, und Sohn Valentin lieferte das Guacamole-Rezept. Im Shop der eigenen Marke „Barefoot Living“ bietet Schweiger „Wohlfühlprodukte aus meinem Leben und meinen Filmen“ an. Kosmetik, Leuchten, Geschirr und diese grauen Cashmere-Pullover, die er selbst gerne trägt.

          Das Warten scheint sich zu lohnen

          Eine ältere Hamburger Dame mit kinnlanger Föhnfrisur und knitterfreiem Blazer ist indes nur „wegen der Vinschgauer Spezialitäten“ hier. Davon hat sie im Fernsehen gehört. Ihr Filterkaffee ist schon da - serviert im weiß-grünen Becher von „Barefoot Living“, den es natürlich auch im Barefoot-Shop ein Stockwerk höher zu kaufen gibt -, aber von ihrem Brot keine Spur. Sie winkt nach der Bedienung: „Also, ich möchte mein Brot, wenn es denn mal kommt, mit einem noch warmen Kaffee herunterspülen.“ Dabei bleibt sie amüsiert im Ton. Auch die Leute am Nachbartisch stimmen in das witzelnde Beschweren ein, am ersten Tag findet man das eben noch lustig: „Wir trinken hier schon mal das Blumenwasser.“ Noch einen Tisch weiter bekommt eine junge Frau nun zum dritten Mal den New York Cheesecake mit Erdbeersauce von drei verschiedenen Servicekräften geliefert - aus Versehen. Bevor er gar nichts bekommt, isst den Kuchen schließlich ihr Nebenmann, der auch schon lange auf sein Essen wartet.

          Wer aber etwas bekommen hat, der schwärmt. Also scheint sich das Warten zu lohnen. Und man kann sich ja unterdessen überlegen, wie es wäre, die eigene Wohnung so komplett durchzustylen wie dieses Deli: mit edlen Hölzern und komplett aufeinander abgestimmten Accessoires in schlichtem Weiß-Grau. Wie harmonisch das wäre! Oder vielleicht auch eintönig? Hier ist zumindest alles total ausgeklügelt: Auf den Toiletten laufen Märchenhörspiele, die Hände wäscht man sich mit Zirben-Seife, und mein nach einer halben Stunde ebenfalls im „Barefoot Living“-Schälchen serviertes Birchermüsli ist wirklich fein.

          Um Schweiger persönlich zu sehen, ist niemand von den Gästen gekommen. Obwohl: Die Dame, die seit nunmehr 40 Minuten auf ihr belegtes Brot wartet, würde sich schon wünschen, dass er heute mal reinschaut. „Nicht, dass ich den scharf finde. Ich denke nur, der Tim Mälzer hätte sicher auch hallo gesagt.“ Aus lauter Verzweiflung hat sie mittlerweile in einem Online-Shop den Vinschgauer Schinken bestellt, dessentwegen sie eigentlich hier ist: „Der wird mir bestimmt schneller geliefert.“ Als sie dann auch noch entdeckt, dass sie sich zur Toilette zwei lange Treppen hochschlängeln muss in den ersten Stock, weil die Toilette im Erdgeschoss gesperrt ist, beschließt sie, nach Hause zu gehen, um sich dort ein Hirschfilet mit Pilzsauce zu brutzeln. Wiederkommen will sie trotzdem - aber nur, wenn sie mal zufällig in der Ecke ist. „Notfalls bringe ich mir das Schinkenbrot dann einfach selbst mit.“ Ginge bestimmt auch – so lässig, wie es hier zugeht.

          Blick aus der zweiten Etage: Til Schweigers neues Restaurant „Barefood“ hat viel Platz.

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