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Besuch von vier Châteaus : Ein ganz besonderes Erste-Klasse-Abenteuer

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Der Weinberg vor dem Château Lafite Rothschild Bild: Getty

Unser Wein-Guru besucht vier legendäre Weingüter – bevor er aufbricht zu einer kreativen Pause.

          Der weiße Verkostungsraum, in dem wir sitzen, ist schlicht und steht damit in kräftigem Kontrast zu dem Rotwein in unseren Gläsern, dem 2016er Château Mouton Rothschild, kurz „Mouton“. Mouton ist einer der legendären vier Premier (oder 1er) Grand Cru Classé Châteaux im Médoc und damit nach allgemeiner Auffassung einer der besten Weine der Welt. Den Anbau von Qualitätswein gibt es hier in der flachen und vielerorts öden Landschaft dieses Gebiets, einer Halbinsel, die sich von der Stadt Bordeaux in den Atlantik hinauszieht, seit dem späten 17. Jahrhundert.

          Doch die Klassifizierung der dortigen „Schlösser“ erfolgte erst 1855; es handelte sich ganz eindeutig um eine Marketingmaßnahme (die im Übrigen noch ein weiteres 1er-Weingut einschloss, das Château Haut-Brion, das allerdings im Gebiet Graves liegt). Die Struktur spiegelt die damalige hierarchische Bordelaiser Gesellschaft wider. Man könnte es so ausdrücken: Liberté gerne; fraternité bedingt; egalité bitte gar nicht! Die Aufwertung von Mouton von 2ème Grand Cru Classé auf 1er Grand Cru Classé im Jahr 1973 ist bis heute die einzige Änderung der „classification officielle“, aber genau diese Sturheit ist ein wichtiger Grund dafür, warum die Klassifizierung noch ernst genommen wird. Trotz moderner Architektur wie zum Beispiel der domartigen neuen Gärkeller von Mouton umgibt den ganzen Médoc eine Aura der Zeitlosigkeit.

          Für uns ist der aktuelle Mouton-Jahrgang im Glas allerdings ein Getränk, dessen Eigenschaften analysiert und bewertet werden müssen. Ich sage „uns“, weil ich mit dem Kritiker James Suckling unterwegs bin, dessen gleichnamige Website (für die ich arbeite) zu den einflussreichsten Weinpublikationen der Welt gehört. Und das ermöglicht Dinge, die sonst undenkbar wären. Ich habe alle vier 1er-Grand-Cru-Classé-Châteaux des Médoc mehrfach besucht, aber das an einem einzigen Nachmittag zu tun wird für mich sicher einmalig bleiben.

          Langanhaltender Nachgeschmack

          Zur Sache: Der Duft des 2016er Château Mouton Rothschild erinnert an hochreife schwarze Johannisbeeren, Gewürze, Rauch und feinen Balsamessig. Aber diese weinfachliche Beschreibung übersieht das Wichtigste: Der Duft umhüllt mich wie eine Wolke. Erst dann folgt der prächtige Geschmack, der trotzdem mühelos über die Zunge zu gleiten scheint. Für dieses vielschichtige Gewächs – 83 Prozent stammen aus der für Médoc-Weine klassischen Cabernet-Sauvignon-Traube, 15 Prozent sind Merlot – vergeben wir 100 von möglichen 100 Punkten – was sich bei einem Preis im Regal von mindestens 700 Euro selbstverständlich verkaufsfördernd auswirken wird. Dann müssen wir weiter.

          Im Fernost sind die Rotweine des Château Lafite Rothschild die gesuchtesten überhaupt. Warum das so ist, darüber wird gestritten; vielleicht weil Lafite bereits kurz nach der Öffnung Chinas im Jahr 1978 auf diesem neuen Markt Präsenz zeigte. Lafite ist heute unsere zweite Station und nur wenige Autominuten von Mouton entfernt. In einem überraschend rustikalen Raum – hier könnte man Jagdgelage feiern! - wird uns der 2016er Lafite serviert, ein Wein mit einem Alkoholgehalt knapp unter 13,5 Prozent, also deutlich über den normalen Werten (2015 waren es knapp unter 13).

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