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Jahrgang 2013 : Augen aufhalten, Weinfreunde!

  • -Aktualisiert am

Die Weinernte von 2013 ist nicht überall schlecht. Bild: F.A.S.

Der Jahrgang 2013 macht Schlagzeilen - negative. Aber die Ernte ist nicht überall schlecht. Wir verraten, welchen Wein Sie kaufen sollten, und welchen besser nicht.

          5 Min.

          Plötzlich sorgt ein Wein-Jahrgang für negative Schlagzeilen, und das keinesfalls nur hierzulande. Die 2013er Rotweine aus Bordeaux verkaufen sich im Vorabverkauf offenbar eher schlecht. Dabei hatten wir uns doch an eine scheinbar selbstverständliche Reihe sehr guter und exzellenter Jahrgängen gewöhnt. Was ist passiert? Waren die guten Nachrichten der letzten Jahre nur spin, oder spinnt das Wetter, mit schlimmen Folgen für den Wein?

          Es scheint überflüssig zu erwähnen, dass Wein tatsächlich heranwächst, jedes Jahr aufs Neue, und dass die Wachstumsbedingungen den Wein stark prägen. Die Klimaerwärmung hat die Welt des Weins fundamental verändert, und das wird in Deutschland besonders deutlich, weil die deutschen Weingebiete vor einer Generation den kühlen Nordrand des europäischen Weinbaus bildeten. Den letzten Jahrgang mit auffallend vielen dünnen Säuerlingen in Deutschland gab es jedoch 1987; seitdem gab es nur gelegentlich in bestimmten Weingebieten Probleme, die Trauben voll ausreifen zu lassen.

          Größte Weinlese seit 2006

          Reife und gesunde Trauben sind die ideale Basis für gute Alltagsweine sowie Spitzenweine, weil sie zu aromatischen Weinen mit harmonischer Säure führen. Obwohl das Problem der fehlenden Reife durch die Klimaveränderung quasi gelöst wurde, hat diese zu erhöhten Fäulnisproblemen geführt: Regen im Herbst, wenn die Trauben bereits weich sind, ist das große Schreckgespenst der deutschen Winzer, und 2013 gab es hierzulande ziemlich viel herbstlichen Regen - allerdings auch in einigen anderen europäischen Weinbauländern. Und dies ist die Hauptursache der negativen Schlagzeilen.

          Dagegen herrschten 2013 in Übersee oft völlig andere Witterungsverhältnisse mit erstklassigen Ergebnissen beim Wein. Mengenmäßig gleicht das die Einbußen in Ländern wie Deutschland und Frankreich aus. Die Panikmeldungen über eine weltweite Verknappung des Weins stimmen nicht. Global gesehen, war es sogar die größte Weinlese seit 2006. Die Länder in der Einzelschau:

          Deutschland

          Deutschland verdeutlicht die Situation für die Winzer in Europa im Allgemeinen sehr gut im Jahr 2013. Das Wetter war fast exakt das Gegenteil von dem, was wir gerade erleben. Der verspätete kühle Frühling 2013 führte zu verspätetem Austrieb und verspäteter Blüte der Reben, was die gesamte Entwicklung der Trauben zeitlich nach hinten hinausschob. Damit war eine mehr oder minder verspätete Weinlese programmiert. Im Sommer gab es ganz ordentlich Hitze, aber im Herbst häufige Regenfälle. Das beeinträchtigte die Reifung mancher Traubensorten, denn die schönsten Riesling-Aromen werden erst im Herbst gebildet, und oftmals war auch Wasser in den Trauben.

          Während des trockenen und sonnigen Herbstes 2012 konnten die Traubenaromen sich optimal bilden, und die deutschen Winzer konnten sie dann sehr entspannt lesen. 2013 hingegen mussten sie sich sputen, um ihre Trauben vor der drohenden Fäulnis zu retten. Deswegen wurden die Trauben oft vor der optimalen Reife gelesen. Das wiederum führte zu zahlreichen Weinen mit weniger Körper und mehr Säure als üblich.

          In Deutschland ist diese Balance für Riesling-Weine mit natürlicher Süße eine tolle Kombination, aber für füllige trockene Gewächse stellt dies eher einen Nachteil dar. Es kam da ganz eindeutig auf das Geschick der Winzer im Keller an, wo sich Aktionismus (vor allem unvorsichtige oder misslungene Entsäuerung) negativ auswirkte.

          Eine Besonderheit in Deutschland war das schlechte Wetter während der Rebblüte. Die Größe der Trauben war aus diesem Grund oft bescheiden, was von Anfang an die Menge reduzierte. Im Gegensatz zu manchen anderen Weinbauländern betrug die Ernte in Deutschland nur knappe 8,5 Millionen Hektoliter und lag damit zehn Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. In Baden, an der Mosel und im Rheingau gab es sogar noch weniger. Wer die Weißweine dieser Gebiete mag, sollte die noch erhältlichen guten Weine aus dem Jahr 2012 kaufen. Die 2013er Weine sind so heterogen, dass sie sich qualitativ keinesfalls mit einem Wort beschreiben lassen. Probieren vor dem Einkaufen ist empfohlen.

          Frankreich

          Nach der sehr kleinen Ernte 2012 gab es auch 2013 wiederum sehr kleine Mengen in Frankreich. Dummerweise bestätigen die Ergebnisse aber leider nicht immer das Menge-Güte-Gesetz, das besagt, je weniger Wein pro Hektar erzeugt wird, desto besser sei die Qualität. Der nasse Frühsommer förderte das Wachstum von Pilzkrankheiten. Darauf folgten vor allem in Bordeaux, im Burgund, an der Loire und in der Champagne zahlreiche Hagelstürme, die zu großen Mengenverlusten führten.

          Das Winzerleben kann wirklich hart sein, selbst wenn es um „Grand Cru“ geht! Bordeaux hat für die meisten Schlagzeilen gesorgt wegen der oft enttäuschenden Qualität, weil dort der neue Jahrgang bereits im März nach der Lese potentiellen Käufern und Journalisten mit großem Brimborium präsentiert wird. Die Qualität in anderen Gebieten wird vermutlich nicht weniger durchwachsen ausfallen. Trotz leichter Preissenkungen gegenüber dem Vorjahr in Bordeaux gibt es wenig Interesse an den 2013er Weinen. Auch das wird sich wohl auf die anderen Gebiete übertragen.

          Italien

          Für die Winzer Norditaliens war 2013 ein regenreiches Jahr, und die Trauben reiften deutlich später als in den Vorjahren. Das hat sich auf manche Weißweine (vor allem in Südtirol) positiv ausgewirkt; sie werden noch lebendiger als sonst schmecken. Für die Rotweine hingegen war es wenig hilfreich. Für den Geschmack des Rotweins sind die Gerbstoffe die entscheidenden Inhaltsstoffe, und die Rebe erzeugt diese Stoffe als Reaktion auf Trocken- und Hitzestress.

          Man muss kein Genie sein, um sich die Folgen eines regenreichen Jahres auszumalen. Im Süditalien fand die Weinlese so spät wie selten statt, aber der Herbst war dort zumindest nicht so nass, und viele spätreifende Traubensorten konnten zur vollen Reife gelangen. Vermutlich werden die Preise der allermeisten italienischen Gewächse stabil bleiben.

          Spanien

          Zum ersten Mal in der modernen Geschichte des Weins hat Spanien mehr Wein (50 Millionen Hektoliter) als Italien (47 Millionen) oder Frankreich (42 Millionen) erzeugt. Das hängt nicht nur mit der besonderen Witterung zusammen, also mit genug Sonne und ungewöhnlich viel Niederschlag, sondern auch mit der Modernisierung der spanischen Weinberge und ihrer Bewirtschaftung (Stichwort: Bewässerung plus Stickstoff-Dünger).

          Im Herbst 2013 haben die großen Kellereien in La Mancha die Mengen kaum bewältigen können. Dazu kommt der gedämpfte Inlandskonsum aufgrund der schlechten Wirtschaftslage. Aus diesen Gründen werden in den nächsten Monaten viele ordentliche und gute spanische Rotweine in unseren Supermarktregalen auftauchen. Augen aufhalten! Allerdings war auch in Spanien die Weinlese spät und der Säuregehalt der Trauben oft höher als die Norm. Das wird sich positiv auf die trockenen Weißweine auswirken (vor allem aus Galizien und Penedès). Spitzenqualität beim Rotwein wird eher die Ausnahme sein.

          Portugal

          2013 war die Witterung dort eine Achterbahnfahrt der Extreme, mit ungewöhnlich kühlem Frühjahr und einem selbst für portugiesische Verhältnisse sehr heißen Sommer. Die Regenfälle waren aber geringer als in den nördlichen Gebieten Spaniens. Winzer mit optimal gepflegten Weinbergen scheinen gute bis sehr gute Weine erzeugt zu haben.

          Österreich

          Die Winzer Niederösterreichs kämpften mit den gleichen Schwierigkeiten wie ihre Kollegen in Deutschland, hatten in einem Punkt aber Glück: Der Herbst blieb deutlich trockener als bei uns. Wer lang genug wartete, um vollreife Trauben zu lesen, wurde mit aromatischen Weinen mit moderatem Alkoholgehalt belohnt. Für hochwertige Süßweine gab es im Burgenland genug Edelfäule, und die Rotweine scheinen auch gelungen.

          Kalifornien

          Die kalifornischen Winzer werden den Herbst 2013 nicht so schnell vergessen. Nach einem schwierigen und mengenmäßig kleinen Herbst 2011 ernteten die Winzer des Bundesstaats, der neunzig Prozent des amerikanischen Weinbaus beheimatet, 2013 den zweiten sehr guten und üppigen Jahrgang in Folge. Manche Kellereien hatte während des Herbsts 2013 sogar Probleme, die Traubenfülle zu verarbeiten und die daraus entstehenden Weine unterzubringen. Zusammen mit dem starken Euro wird das wahrscheinlich zu einer Steigerung der Exporte nach Europa sorgen.

          Südafrika

          2013 ist nicht nur der mengenmäßig größte Jahrgang aller Zeiten, sondern vermutlich auch ein sehr guter Jahrgang für die trockenen Weißweine und viele Spitzenrotweine. Dahinter steckt ein später Frühling und moderater Sommer, gefolgt von idealen Bedingungen im Herbst für die Weinlese. Es wird manche Schnäppchen geben.

          Australien und Neuseeland

          In beiden Ländern gab es einen trockenen und warmen Sommer, der in vielen australischen Gebieten zu sehr reifen, aber saftarmen Trauben führte (Stichwort: Mengenverluste). In Neuseeland gab es an manchen Orten weniger Wein als sonst aufgrund von Frostschäden im Frühling. Allgemein scheint die Qualität aber sehr gut zu sein.

          Argentinien und Chile

          Der kühle, aber trockene Sommer hat in Argentinien zu eleganten Weinen mit moderatem Alkoholgehalt und animierender Säure geführt. Die Mengen sind recht groß, was Druck auf die Weinpreise ausüben wird, was wiederum für uns Konsumenten gut ist. Auf der anderen Seite der Anden hingegen war die Witterung 2012/13 weitaus problematischer. Der kühle und feuchte Frühling hat zu hier seltenen Fäulnisproblemen geführt. Der kühle Sommer war sicherlich für die Rotweine nicht optimal, aber vermutlich viel besser für die trockenen Weißweine.

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