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Jahrgang 2013 : Augen aufhalten, Weinfreunde!

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In Deutschland ist diese Balance für Riesling-Weine mit natürlicher Süße eine tolle Kombination, aber für füllige trockene Gewächse stellt dies eher einen Nachteil dar. Es kam da ganz eindeutig auf das Geschick der Winzer im Keller an, wo sich Aktionismus (vor allem unvorsichtige oder misslungene Entsäuerung) negativ auswirkte.

Eine Besonderheit in Deutschland war das schlechte Wetter während der Rebblüte. Die Größe der Trauben war aus diesem Grund oft bescheiden, was von Anfang an die Menge reduzierte. Im Gegensatz zu manchen anderen Weinbauländern betrug die Ernte in Deutschland nur knappe 8,5 Millionen Hektoliter und lag damit zehn Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. In Baden, an der Mosel und im Rheingau gab es sogar noch weniger. Wer die Weißweine dieser Gebiete mag, sollte die noch erhältlichen guten Weine aus dem Jahr 2012 kaufen. Die 2013er Weine sind so heterogen, dass sie sich qualitativ keinesfalls mit einem Wort beschreiben lassen. Probieren vor dem Einkaufen ist empfohlen.

Frankreich

Nach der sehr kleinen Ernte 2012 gab es auch 2013 wiederum sehr kleine Mengen in Frankreich. Dummerweise bestätigen die Ergebnisse aber leider nicht immer das Menge-Güte-Gesetz, das besagt, je weniger Wein pro Hektar erzeugt wird, desto besser sei die Qualität. Der nasse Frühsommer förderte das Wachstum von Pilzkrankheiten. Darauf folgten vor allem in Bordeaux, im Burgund, an der Loire und in der Champagne zahlreiche Hagelstürme, die zu großen Mengenverlusten führten.

Das Winzerleben kann wirklich hart sein, selbst wenn es um „Grand Cru“ geht! Bordeaux hat für die meisten Schlagzeilen gesorgt wegen der oft enttäuschenden Qualität, weil dort der neue Jahrgang bereits im März nach der Lese potentiellen Käufern und Journalisten mit großem Brimborium präsentiert wird. Die Qualität in anderen Gebieten wird vermutlich nicht weniger durchwachsen ausfallen. Trotz leichter Preissenkungen gegenüber dem Vorjahr in Bordeaux gibt es wenig Interesse an den 2013er Weinen. Auch das wird sich wohl auf die anderen Gebiete übertragen.

Italien

Für die Winzer Norditaliens war 2013 ein regenreiches Jahr, und die Trauben reiften deutlich später als in den Vorjahren. Das hat sich auf manche Weißweine (vor allem in Südtirol) positiv ausgewirkt; sie werden noch lebendiger als sonst schmecken. Für die Rotweine hingegen war es wenig hilfreich. Für den Geschmack des Rotweins sind die Gerbstoffe die entscheidenden Inhaltsstoffe, und die Rebe erzeugt diese Stoffe als Reaktion auf Trocken- und Hitzestress.

Man muss kein Genie sein, um sich die Folgen eines regenreichen Jahres auszumalen. Im Süditalien fand die Weinlese so spät wie selten statt, aber der Herbst war dort zumindest nicht so nass, und viele spätreifende Traubensorten konnten zur vollen Reife gelangen. Vermutlich werden die Preise der allermeisten italienischen Gewächse stabil bleiben.

Spanien

Zum ersten Mal in der modernen Geschichte des Weins hat Spanien mehr Wein (50 Millionen Hektoliter) als Italien (47 Millionen) oder Frankreich (42 Millionen) erzeugt. Das hängt nicht nur mit der besonderen Witterung zusammen, also mit genug Sonne und ungewöhnlich viel Niederschlag, sondern auch mit der Modernisierung der spanischen Weinberge und ihrer Bewirtschaftung (Stichwort: Bewässerung plus Stickstoff-Dünger).

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