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Care-Pakete neu interpretiert : Take Care und mach was draus

  • Aktualisiert am

Amerikanische Wohltätigkeit: Alleine in Europa wurden bis 1960 100 Millionen Care-Pakete verteilt. Bild: Ullstein

Die Care-Pakete waren für viele Europäer in der Nachkriegszeit ein Geschenk des Himmels. Aber was steckt drin in ihren Zutaten? Wir haben drei Sterneköche gebeten, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen.

          7 Min.

          Der erste, der ein Care-Paket kaufte, war der amerikanische Präsident Harry S. Truman. Er war es auch, der die Hilfsaktion genehmigte. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in den Vereinigten Staaten jede Menge überschüssige Soldatenverpflegung, während viele Menschen in Europa hungerten. So wurde vor 70 Jahren, am 27. November 1945, der Verein gegründet, der mit seinen Hilfspaketen bis heute Menschen in Not hilft, auf der ganzen Welt: Care International. Care ist ein Akronym und bedeutet zugleich „helfen, sich kümmern“. Es blieb erhalten, auch wenn aus der ursprünglichen „Cooperative for American Remittances to Europe“ inzwischen die „Cooperative for Assistance and Relief Everywhere“ wurde.

          Von 1946 bis 1960 wurden allein in Europa 100 Millionen Care-Pakete verteilt. Heute unterstützt Care International, dazu gehört auch der 1980 gegründete Verein Care Deutschland, mit seinen mehr als 9.000 Mitarbeitern in 90 Ländern 72 Millionen Menschen. Die Pakete werden inzwischen meist an Ort und Stelle gepackt, der Inhalt variiert von Land zu Land nach den jeweiligen Bedürfnissen.

          Douce Steiner übernahm 2008 zusammen mit ihrem Mann den "Hirschen" in Sulzburg von ihren Eltern und ist heute die einzige Zwei-Sterne-Köchin Deutschlands.

          Das war vor 70 Jahren noch anders, als die ersten Care-Pakete im Mai 1946 in Le Havre eintrafen. Jedes Paket, das damals von amerikanischen Bürgern gekauft und von Care verschickt wurde, enthielt die Tagesration für zehn Soldaten: Fleisch, Cornflakes, Haferflocken, Kekse, Obst, Pudding, Gemüse, Butter, Käse, kondensierte Milch, Pulver für Kakao und Kaffee sowie eine Packung Zigaretten und Kaugummi. Im März 1947 waren die Bestände dieser „Ten in One"-Pakete aufgebraucht. Fortan verschickte Care eigene Pakete, deren Inhalte sich stärker nach dem Bedarf einer Durchschnittsfamilie richtete - mit mehr Fleisch, mehr Fett, mehr Kohlenhydraten. Der Nährwert eines Pakets: 40.000 Kilokalorien.

          Grundausstattung damals: ein Pfund Rindfleisch in Kraftbrühe, ein Pfund Steaks und Nieren, ein halbes Pfund Leber, ein halbes Pfund Corned Beef, ein Dreiviertel Pfund „Prem“ (Fleisch zum Mittagessen), ein halbes Pfund Speck, zwei Pfund Margarine, ein Pfund Schweineschmalz, ein Pfund Aprikosen in Konserven, ein Pfund Honig, ein Pfund Rosinen, ein Pfund Schokolade, zwei Pfund Zucker, ein halbes Pfund pulverisierte Eier, zwei Pfund Vollmilch-Pulver, zwei Pfund Kaffee.

          Wir haben drei Care-Pakete zusammengestellt, mit heutigen Lebensmitteln, die dem Original entsprechen, und an drei Sterneköche verschickt - mit der Bitte, aus den Zutaten Gerichte zu machen.

          Douce Steiner: „Hausmannskost wie vom Bauern“

          Hauptgang: Baguettecroutons mit Hausmacherwurst, Limonen und Sauerampferkresse - Nachtisch: Pochiertes Ei auf Brennnesselpüree mit Zitronensauce und knusprigem Speck

          Baguettecroutons mit Hausmacherwurst, Limonen- und Sauerampferkresse: Dünne Baguettescheiben in Olivenöl anbraten, mit Knoblauch abreiben. Wurst daraufstreichen, Kresse mit etwas Limonenolivenöl anmachen und darübergeben.

          „Ein Veschperbrett - Brot und Wurst, das liegt nahe, das isst jeder gerne. Mir war es wichtig, die Ideen möglichst einfach zu halten. Auf dem Wurstglas stand etwas von Hausmannskost vom Bauern, das fand ich okay. Also habe ich ganz dünne Croutons vom Baguette genommen, sie sind wirklich hauchdünn, das ist unsere Art. Die habe ich mit der Wurst bestrichen. Davon habe ich fünf, sechs Stück gemacht, diese dann auf ein Holzbrett gelegt und verschiedene Kräuter darüber gestreut, einmal Limonen-Kresse, dann Sauerampfer-Kresse und Basilikum- Kresse.

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