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Powershake für die Polizei : Früher war mehr Leberkässemmel

Der Energiedrink stärkt Körper und Gesundheitsbewusstsein der Beamten. Bild: Marcus Kaufhold

Viel Zeit zum Essen haben Polizisten bei ihren Einsätzen nicht: Die Bayerische Bereitschaftspolizei hat zusammen mit dem Sternekoch Alexander Herrmann einen Shake kreiert, der bei kräftezehrenden Einsätzen Energie liefern soll.

          5 Min.

          AfD-Parteitag in Augsburg, 30. Juni 2018, knapp 30 Grad. Und noch wärmer unter der 27-Kilo-Montur der Bereitschaftspolizisten, die zu Fuß über Stunden den langen Zug der Demonstranten abgesichert haben. Die Polizisten wurden von einer eigens dafür abgestellten Einsatzkraft ständig mit Flüssigkeit versorgt. Der Einsatz endete nach 16 Stunden, begonnen hatte er um sechs Uhr in der Früh. Mittagessen? Ein belegtes Brötchen im Mannschaftswagen. Dann wieder los.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Viel Zeit zum Essen haben Bereitschaftspolizisten bei ihren Einsätzen nicht, wenn sie im Morgengrauen an der Grenze die Schleierfahndung unterstützen oder gewaltbereite Hooligans in Schach halten. Wenn es losgeht, wenn zum Beispiel Polizisten der 34. Hundertschaft von Würzburg aus um drei Uhr morgens zu dem Haus eines Tatverdächtigen im Mordfall Peggy K. gerufen werden, um dort auf der Suche nach Beweisen jeden Stein umzudrehen, dann geht es erst einmal in die Kantine.

          Dort wartet Küchenchef Karl Peter Glaser mit Kaffee, Brot, Rührei – und Würstchen, wer mag. Einmal am Tag etwas Warmes für die Polizisten, das sollte schon drin sein, das ist ihm wichtig. „Wer weiß, wie lange es wieder dauert.“ Die Küche will die Polizisten so gut es geht unterstützen. „Schließlich halten sie ja für uns den Kopf hin.“ Für die Stunden draußen im Dienst gibt es manchmal, bei großen Einsätzen, eine mobile Küche mit warmem Essen. Oft läuft es aber auf das belegte Brötchen hinaus, als Lunchpaket frei zusammengestellt am Kantinen-Buffet.

          Der Anspruch an die Polizei-Küche wächst

          Dort greift zum Beispiel Polizeiobermeisterin Rosa Röchner, die zur 34. Hundertschaft am Standort Würzburg gehört, meist zu Käsesemmel, Apfel und Schokoriegel als Einsatzverpflegung. Seit zweieinhalb Jahren ist sie mit ihrer Ausbildung fertig, sie war beim AfD-Parteitag dabei. Genau wie Gruppenführer Timo Hennig, der sich mal eine Zeitlang nach der Steinzeitdiät ernährt hat: nur Rohkost und Fleisch. Seitdem er ein Kind hat, ist das erst mal vorbei. Für die Einsätze packt er sich Obst und Wurstsemmel ein. Kein Gramm Zucker nimmt hingegen Polizeimeister Nikolas Fritz zu sich. Für ihn müssen es vor allem auch Gemüsesticks sein, Fleisch meidet er.

          Power für die Polizisten: Haferflocken, Leinsamen, Molkeeiweiß, Obst

          Früher war eindeutig mehr Leberkässemmel. Sagt Wolfgang Sommer, der Präsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei, wenn er vom heutigen Bewusstsein junger Kollegen für gesunde Ernährung und Fitness schwärmt. Und wirklich, der Essenssaal der Würzburger Bereitschaftspolizei zur Abendbrotzeit ist eher olympisches Dorf als Beamtenkantine: durchtrainierte junge Frauen und Männer in Sportkleidung, die sich Salatblätter auf die Teller legen, dazu Käse, Vollkornbrot und Mineralwasser.

          Vegetarier und Veganer, die es durchaus in den Hundertschaften gibt, kommen hier nicht nur als Nischenexistenzen auf ihre Kost. Auf Nachhaltigkeit achtet auch das Team hinter dem Salatbuffet: Die Lebensmittel stammen aus der Region, der Honig sogar aus unmittelbarer Nähe – vier Bienenvölker leben auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei. Das Lunchpaket soll sich auch deswegen jeder selbst zusammenstellen, um Essensreste zu vermeiden. Gerade werden spezielle Brotboxen für die Einsätze getestet, um keinen Plastikmüll zu produzieren.

          Mit jeder neuen Polizeigeneration, sagt Küchenchef Glaser, wachse der Anspruch an die Küche: Bei Umfragen unter Auszubildenden hat sich gerade erst eine Mehrheit für einen komplett vegetarischen Tag in der Woche ausgesprochen. Fragt man die Polizisten nach dem Grund für so viel Disziplin, ist man schnell wieder auf dem AfD-Parteitag oder bei der EZB-Einweihung in Frankfurt: Sprints in der Affenhitze, Sperrgitter hierher und dorthin hieven, eine mäandernde Menschenmenge über Stunden im Blick haben, Pöbeleien ertragen, Steinwürfen ausweichen. Da müssen Körper und Geist auf Hochtouren laufen.

          Wie gehen Polizeikoch und Sternekoch zusammen?

          Und sie müssen gut versorgt sein, nicht nur mit der "Körperschutzausstattung" für Arme und Beine. Es treibt den Polizeipräsidenten seit längerem um, wie die Verpflegung seiner rund 8000 Polizisten noch besser werden kann, gesundes Lunchpaket hin oder her. Wie lange Einsatzzeiten, Hitze oder Kälte, Bewegungsfreiheit, Haltbarkeit, Energiezufuhr und nicht zuletzt Genuss in Einklang gebracht werden können.

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