https://www.faz.net/-hrx-9tp2m

Polnisches Restaurant „Tak Tak“ : Kuchnia polska in Berlin

Karol Kasierski, Betreiber von „Tak Tak Polish Deli“, hat seine zweite Filiale in Berlin Kreuzberg eröffnet Bild: Jens Gyarmaty

Nicht immer nur Pizza, Döner, Sushi: Karol Kasierski will, dass die Deutschen öfter mal Polnisch essen gehen. Zum Beispiel in seinem „Tak Tak Polish Deli“ in Berlin.

          4 Min.

          Sein Heimatland verbindet Karol Kasierski mit einem angenehmen Gefühl von Melancholie und mit dem Geruch der Eintöpfe seiner Urgroßmutter: Pilze, Sellerie, Möhren. Und ganz viel Fleisch. „Die polnische Küche ist eine heftige, leckere Küche.“ Der Achtunddreißigjährige, ein bärenhafter Typ mit langen schwarzen Haaren und schwarzem Bart, sitzt an einem Samstagnachmittag in seinem „Tak Tak Pop-up-Restaurant“ in Berlin und schaufelt Bigos in sich hinein. Polnisches Essen hilft gegen Kater – und bei der Eröffnung am Vorabend gab es viel Wodka.

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Das Pop-up-Lokal liegt hinter dem Landwehrkanal im Kreuzberger Graefekiez. Auf dem kurzen Weg vom U-Bahnhof Kottbusser Tor zu Kasierskis Restaurant kommt man an drei Dönerbuden und einer Pizzeria vorbei. Nach den Türken und vor den Italienern sind die Polen in Deutschland die zweitgrößte Einwanderergruppe. Doch polnisches Essen ist hierzulande kaum zu finden. Karol Kasierski will das ändern.

          Als er vor vier Jahren sein polnisches Schnellrestaurant „Tak Tak Polish Deli“ in Berlin-Mitte eröffnete, war sein Ziel, dass die Menschen in den umliegenden Büros künftig sagen würden: Gehen wir heute zum Asiaten, zum Italiener oder zum Polen? Zumindest um den Rosenthaler Platz herum, glaubt er, ist das inzwischen der Fall.

          Mit 15 Jahren eine Ausbildung zum Koch

          Jetzt soll es auch rund um die Graefestraße so werden. Hier ist Kasierski erst mal über die Wintermonate im Eiscafé einer Freundin zu Gast. Die Einrichtung – Pflanzen in goldenen Töpfen und mintgrüne Wände, an denen Schwimmbad-Fotos hängen – hat er nicht verändert, bloß den Namen des Restaurants in goldenen Buchstaben auf die Scheibe gemalt. Sein Plan: im Frühjahr permanent in einen anderen Laden in der Gegend umzuziehen.

          „Die Leute lieben das Essen“, sagt er. „Wenn die ihre Teller zurückbringen, gucken sie immer wie verknallt.“ Leider vergäßen sie dieses Gefühl oft schnell wieder. „Man muss sie immer wieder erinnern, dass es auch polnisches Essen gibt.“ Also Zurek, eine saure Mehlsuppe mit Weißwurst, Pierogi, Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen, und natürlich Bigos, den polnischen Eintopf. Im „Tak Tak“ gibt es die Pierogi auch mit Spinat oder Ziegenkäse statt Fleisch gefüllt, den Bigos optional mit Räuchertofu. Etwa jeder dritte Kunde sei Pole, schätzt er, die anderen kommen aus Deutschland und der Welt und haben Lust auf polnisches Essen. Das lässt ihn hoffen.

          Schnell und unkompliziert: Die Pierogi serviert Karol Kasierski mit fertigen Röstzwiebeln statt mit frisch angebratenen Zwiebeln.
          Schnell und unkompliziert: Die Pierogi serviert Karol Kasierski mit fertigen Röstzwiebeln statt mit frisch angebratenen Zwiebeln. : Bild: Jens Gyarmaty

          Seine Eltern flohen 1981, als das Kriegsrecht in Polen ausgerufen wurde, um die Demokratiebewegung zu zerschlagen, und als eine Verhaftungs- und Repressionswelle das Land erfasste. Mit dem neugeborenen Karol kamen sie zum ersten Mal nach Deutschland. Später gingen sie noch einmal für zwei Jahre zurück. 1986 verließen sie Lódz wieder gen Kaiserslautern, diesmal für immer.

          Mit 15 Jahren begann Kasierski eine Ausbildung zum Koch, brach sie ab, studierte später Marketing, veranstaltete Partys und landete bei einer polnischen Consulting-Agentur. Nebenher arbeitete er in einer Bar. Keine Konferenzen und Korrekturschleifen, sondern direktes Feedback: ein Lächeln, ein Lob für den Drink – das gefiel Kasierski so sehr, dass er seinen Job an den Nagel hängte und monatelang vor sich hin kochte, den Geschmack der Gerichte seiner Uroma im Kopf, seine Oma zur Unterstützung und Beratung ständig am Telefon. Dann eröffnete er das „Tak Tak“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Markus Söder am Donnerstag in München

          Corona-Beratungen : Hat da jemand „schlumpfig“ gesagt?

          Bis in den späten Abend hinein ringen Kanzlerin und die Ministerpräsidenten um die neue Linie in Sachen Corona. Zu fortgeschrittener Stunde kommt es in der Schalte zum Schlagabtausch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.