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Kolumne Reiner Wein : Ein Rotwein mit Wucht

Weinlese im Elsass, wo unser Autor besonders gerne Pinot noir trinkt. Bild: dpa

Unser Kolumnist schwärmt von Pinot-noir-Rotweinen aus dem Elsass. Was hier beim Abgang passiert, geht viel tiefer als bei oft künstlich aufgemotzten Spätburgundern aus anderen Regionen.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Vor einiger Zeit habe ich erklärt, wie großartig viele Pinot-noir-Rotweine bei unseren Nachbarn geraten, ohne dass man für deren Genuss finanziell so bluten muss wie zuweilen in Deutschland, wo der französische Burgunder nicht nur stilistisch, sondern auch preislich Vorbild ist. Wer nach eigener Auffassung die besten Rieslinge der Welt erzeugt, muss sich beim Pinot noir nicht dauerhaft mit dem zweiten Platz begnügen, oder? Die berühmten Lagenweine des Burgunds sind wegen ihrer Klasse, vor allem aber auch aufgrund ihrer kleinen Mengen und der hohen internationalen Nachfrage nicht mehr erschwinglich, sondern verrückt teuer geworden. Dass nun auch sogenannte Alternativen immer häufiger 100 und mehr Euro pro Flasche kosten, macht sie nicht wirklich interessanter, wenn sie auch im Glas nur aufschneiderisch daherkommen. Posen nennt man dieses Gehabe beim Autofahren.

          Nichts anderes ist es auch beim Pinot noir oder Spätburgunder, um das so begabte Kind mal beim deutschen Namen zu nennen. Ein Spätburgunder lässt sich leicht und legal aufmotzen, etwa mit viel Frucht, viel Holz und viel Konzentration. Im Gegensatz zu Autos aber lässt sich Wein nicht so ohne Weiteres tieferlegen. Denn noch immer macht nicht das Vordergründige seine Größe aus, sondern seine strukturelle Länge. Entscheidend ist, was am Gaumen passiert, und dazu zählt vor allem auch der Abgang – also alles, was der Wein erst nach dem Schlucken preisgibt. Und das sind im besten Falle: Epen.

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