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Weingut Oliver Zeter : Das Fell des Bären zerteilt man nicht

Acht Hektar gehören dem Winzer Zeter inzwischen, weitere acht hat er gepachtet. Bild: Weingut Zeter

Erst mit Anfang vierzig ist der Pfälzer Oliver Zeter Winzer geworden – und heute der lebende Beweis dafür, dass es nie zu spät ist, seinem Leben die richtige Wendung zu geben. Die Kolumne Geschmackssache.

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          Dieser Bär sieht aus wie ein sehr menschlicher Melancholiker, wie ein Stammtischbruder im Bärenpelz, der versonnen sein Schoppenglas mit den Tatzen umfasst und traurig in die Einsamkeit starrt, ganz allein gelassen mit seinem Durst. Dieser Bär ist tatsächlich ein Mensch, und zwar der Urgroßvater von Oliver Zeter. Er hieß Walter Baer, war Mitglied einer lustigen Zecherrunde in Neustadt an der Weinstraße und eines Tages bei einer ihrer rituellen Sitzungen verhindert. Also griff sein Mittrinker Otto Dill, damals ein bekannter Maler in der Pfalz, zum Stift und zeichnete den Bären auf eine Postkarte, die am Ende des Abends an den einsamen Trinkgenossen abgeschickt wurde. Jahrzehntelang hing sie in der Küche von Zeters Familie, und als er im besten Mannesalter von Anfang vierzig beschloss, seinem Leben eine radikale Wendung zu geben, konnte es für den spät berufenen Jungwinzer kein anderes Maskottchen als den melancholischen Bären geben. Seither prangt er auf allen Etiketten des Weinguts Oliver Zeter und gemahnt uns daran, dass Wein ein Getränk der Geselligkeit ist.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Oliver Zeter, selbst ein Kerl wie ein Bär, stammt aus einer Familie von Destillateuren und Weinhändlern, lernte Winzer und Weinbautechniker, handelte jahrzehntelang mit Wein, lebte in Italien und Südafrika, entbrannte dort in heftiger Liebe zum Sauvignon Blanc und kehrte 2003 zum Stammsitz seiner Familie nach Neustadt zurück. Dort ließ die Liebe nicht locker, und so pflanzte er zum Zeitvertreib einen halben Hektar mit Sauvignon Blanc. Zwei Jahre später erntete er seinen ersten Jahrgang, verwendete aber die falsche Hefe und hatte nichts als Essig im Fass, den er als guter Geschäftsmann mit Ingwer, Limette, Chili und Zitronengras aromatisierte und ganz passabel los wurde. Seinem zweiten Jahrgang gab er selbst die Schulnote Vier plus und verscherbelte ihn als Fasswein. Doch im dritten Jahr füllte er die ersten dreitausend Flaschen ab, die seinen strengen Ansprüchen genügten und sich prompt in der „Sansibar“ auf Sylt glänzend verkauften.

          Das Markenzeichen des Weinguts Zeter ist der Bär. Zurückzuführen ist er auf einen Menschen: Oliver Zeters Urgroßvater, Walter Baer.

          Von diesem Moment an gab es für Oliver Zeter kein Halten mehr. Er verschaffte sich immer mehr Weinberge, pflanzte Chardonnay und Cabernet, später auch Rieslinge und Burgunder und kam 2014 an den Punkt, an dem seine Leidenschaft den Familienfrieden gefährdete. Also schied er aus dem Weinhandel aus, den sein Bruder seither alleine führt, und widmete sich ganz seinen eigenen Gewächsen. Acht Hektar gehören ihm inzwischen, weitere acht hat er gepachtet, und eine beträchtliche Menge Trauben kauft er – in der Tradition des „négociant éleveur“ – von meist jungen Winzern hinzu, die ganz genau wissen, wie er denkt und was er will, und die er nach Fläche statt Ertrag bezahlt, weil Qualität für ihn wichtiger ist als Quantität. So hat er sich ein breites Portfolio an Weinbergen geschaffen, die allesamt in den Filetstücken der Pfalz liegen und auch Große Lagen wie Saumagen, Ungstein und Weilberg umfassen.

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