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Pariser Bistros als Kulturerbe : Ein Ort des vielsagenden Schweigens

Bistro in Paris: „Ort des lauten Lachens, des unterdrückten Seufzers und der diffusen Melancholie“ Bild: Reuters

Das Bistro gehört untrennbar zum Mythos Paris. Jetzt wollen Gastronomen dort ihre Bistro-Kultur als Unesco-Kulturerbe anerkennen lassen – und spielen dabei auch auf die Anschläge vom 13. November 2015 an.

          Es ist ein Ort, der untrennbar zum Mythos Paris gehört: das Bistro. „Ein behagliches, mitunter geselliges Zuhause, ein Büro zum Arbeiten und ein Salon“, so beschrieb der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway „sein“ Bistro in der französischen Hauptstadt. Eine Vereinigung von Pariser Gastronomen strebt jetzt an, die französische Bistro-Kultur als Unesco-Kulturerbe anerkennen zu lassen. Wortführer der Initiative ist Jean-Pierre Chedal vom französischen Verband der Gaststättenbetreiber GNI-Synhorcat. „Das Bistro ist ein Symbol für einen typisch französischen Schmelztiegel. An der Theke sind alle vereint, der Arbeiter wie der Boss“, sagte Chedal. Dieses „Universum der Öffnung und der Sympathie“ müsse auch für künftige Generationen erhalten bleiben, so der Sprecher der Initiative.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Dabei spielte er auch auf die Anschläge vom 13. November 2015 an, als islamistische Terroristen Bistros und Café-Terrassen angriffen – eine Attacke, die auch der besonderen Bistro-Kultur galt. Auch deshalb soll die besondere Lebensart, für die Pariser Bistros stehen, fortan geschützt werden.

          Der französische Ethnologe Marc Augé hat in seinem auch auf Deutsch erschienen Buch „Das Pariser Bistro. Eine Liebeserklärung“ beschrieben, wie wenig es auf eine strenge Definition des Bistro ankommt. Es sei „irgendwo zwischen den schlichtesten Schenken und den kultiviertesten Cafés angesiedelt“. Gerade die Tatsache, dass ein Bistro alles Mögliche sein könne, begründe seinen Charme. Augé sieht es als „Ort der nichtssagenden Worte und des vielsagenden Schweigens, des lauten Lachens, des unterdrückten Seufzers und der diffusen Melancholie“.

          Die Geschichte des Bistros lässt sich nicht genau zurückverfolgen. „Obskure Herkunft“, so steht es im französischen Larousse, der darauf verweist, dass die russische Herkunft des Wortes nicht gesichert ist. Laut einer Legende heißt das Bistro so, weil die Kosaken im besetzten Paris 1814 die Kellner mit dem russischen „bistro“ (für „schnell“) zur Eile antrieben. Doch hat sich das Wort Bistro in der französischen Sprache erst wesentlich später, im Jahr 1885 durchgesetzt. Es könnte laut jüngsten Forschungen auf das französische Wort „bistroquet“ zurückzuführen sein, mit dem in etlichen Regionen die Weinhändler bezeichnet wurden.

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