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Viehzucht auf den Golanhöhen : Wer gutes Ökofleisch will, bestellt bei den Cowboys

Planet Herde: Wenn die Rinder kalben, sitzt Jochai Schneider täglich auf seinem Quarter Horse Bild: Quique Kierszenbaum

Israel importiert einen Großteil des dort konsumierten Rindfleisches aus dem Ausland. Doch wer gutes Ökofleisch sucht, der bestellt bei dem Rinderzüchter Jochai Schneider auf den Golanhöhen.

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          Die Nacht war kurz, die Schnapsflaschen stehen noch auf dem Klapptisch vor der Scheune. Es hat wieder viele Kälber gegeben, das haben sie gefeiert. Und jetzt um halb sieben in der Früh geht es weiter, sie müssen die Rinder auf das nächste Feld treiben. Später soll es nicht werden, denn die Sonne steht schon hoch am Himmel über dem Golan. Der Morgentau ist verdunstet.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Jochai Schneider steigt auf sein Pferd, so wie sein Vater, als der vor 45 Jahren die Herde zusammenführte. Statt Jeans trägt er eine Multifunktionshose, statt Westernstiefel Arbeiterschuhe und statt Stetson einen Fischerhut. In Israel sind die Cowboys praktisch veranlagt. Heute hat Schneider 1000 Rinder, etwas weniger als sonst, wegen der Dürre. Auch auf den Golanhöhen regnet es nicht mehr so viel wie früher.

          Sattes Gras und vulkanische Böden

          In der Ferne fallen die Berge ab bis zum See Genezareth, der vom Pferderücken aus zu erahnen ist. Gen Nordwesten wird das Gebirge höher, dort, wo Syrien beginnt. Dazwischen wecken die von Israel besetzten Golanhöhen den Eindruck eines Niemandslands. Denn bewohnte Orte gibt es wenige. Um die Gegend nicht vollends verwildern zu lassen, die Waldbrandgefahr zu verringern und eine unkontrollierte Ansiedlung zu vermeiden, lässt Israel das wilde Gras beweiden und subventioniert die Cowboys vom Golan.

          Die Felder in diesem einst vulkanischen Gebiet sind voller Gestein. Trittsicher stakst Schneiders Pferd zwischen den Brocken über den unebenen Boden.

          Matanja Katz unterstützt Jochai Schneider bei der Arbeit
          Matanja Katz unterstützt Jochai Schneider bei der Arbeit : Bild: Quique Kierszenbaum

          „Der Golan ist die beste Region, um Fleisch zu produzieren“, sagt Schneider, und deshalb lebe er hier, nicht aus ideologischen Gründen. Israel hat den größten Teil der Golanhöhen im Jahr 1981 völkerrechtswidrig annektiert. Schneiders Eltern, deren Vorfahren im 19. Jahrhundert aus Siebenbürgen nach Palästina kamen, zogen mit ihm her, da war er vier Jahre alt. Sein Vater verwirklichte den Traum eines Hofs zunächst in Kuneitra, das später Syrien zugeschlagen wurde. „Meine Eltern sagten mir immer, dass wir auf syrischem Gebiet leben, und dass Frieden mit Syrien besser ist, als den Golan zu behalten. Ich denke heute immer noch so.“

          Aber diese Qualität der Wasserquellen und so sattes Gras, dank der fruchtbaren vulkanischen Böden, gebe es nirgendwo anders in Israel. Deshalb stammen 40 Prozent des in Israel hergestellten Rindfleischs vom Golan – der aber nur zwei Prozent des israelischen Fleischverbrauchs deckt. Was bedeutet, dass das meiste Fleisch tiefgefroren aus dem Ausland importiert wird, vor allem aus Südamerika, während lebendiges Schlachtvieh aus Osteuropa oder Australien angeschifft wird. Wer aber gutes Ökofleisch will, der bestellt bei Schneider und den Cowboys.

          Hunde vertreiben die Wölfe

          Schneider verabreicht seinen Rindern nur dann Antibiotika, wenn sie krank sind, und er sagt, er versuche alles, um das zu vermeiden. Er vergesellschaftet vier Rassen. Auf den Golanhöhen vermischen sich das Simmentaler Fleckvieh, das britische Angus-Rind, das französische Charolais und das im Nahen Osten heimische Baladi-Rind. „Ich kreuze sie, es macht sie kräftiger und gesünder.“ Die Kühe gebären ihre Kälber meist selbständig, von 500 Kühen muss er im Jahr nur etwa vieren helfen.

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