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Obst und Gemüse : Die neue Lust auf alte Sorten

  • -Aktualisiert am

Wer kennt heute noch den Geschmack von Teltower Rübchen? Bild: Picture-Alliance

Viele Verbraucher entdecken gerade die alten Obst- und Gemüsesorten wieder. Das ist gut so, denn die schmecken viel besser als das Zeug aus dem Supermarkt.

          Kalter Schneeregen weht den Markthändlern und Besuchern auf dem Winterfeldtplatz im Berliner Stadtteil Schöneberg entgegen. Die gute Laune von Hannelore Michalski vertreibt er hingegen nicht. „Hier, kosten Sie mal“, ruft die Obst- und Gemüsehändlerin frohgemut, schneidet ein Stück von einer Pastinake - einem weißen Wurzelgemüse - ab und überreicht es interessierten Kunden. Die Kostprobe schmeckt ungewohnt bitter. Doch Pastinaken isst man auch eher gekocht. Michalski setzt auf den Aha-Effekt: Über den Geschmack führt sie Kunden behutsam an alte Sorten heran.

          Und siehe da: Ältere Besucher erinnern sich plötzlich wieder an Geschmackserlebnisse aus ihrer Kindheit, berichtet die Marktfrau vom Stand „Bio Obst- und Gemüse Havelland“. Auch Äpfel der Sorte „Topaz“, eine Züchtung aus den Achtzigern aus zwei alten Apfelsorten, hat sie im Angebot: Dessen Elternsorten habe sie schon als Kind vor Weihnachten für den Weihnachtsteller putzen müssen, „und das ist auch schon mehr als 50 Jahre her“, sagt sie und lächelt in sich hinein.

          Doch auch die Händler auf einem der größten Märkte Berlins kommen ohne exotisches Obst und Gemüse nicht aus. Sonst bleiben die Kunden weg. Sie wollen im Winter Mangos, Kiwis und Bananen kaufen. Demgegenüber hat sich unsere heimische Vielfalt an Apfelsorten, Wurzelgemüse, Salaten und Kartoffeln über die Generationen dezimiert. Mehr als 75 Prozent aller Kulturpflanzen aus dem Jahr 1900 sind laut der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen unwiederbringlich verschwunden. Auch drei Viertel unserer Gemüsevielfalt sind seit 1900 verlorengegangen, schätzen Experten der Bingenheimer Saatgut AG, die Samen für alte Sorten anbietet.

          Welcher Verbraucher weiß noch, dass die Großeltern mehr Birnensorten als Apfelsorten zur Auswahl hatten? Wer kennt den Geschmack von lila Möhren, weißen Tomaten oder hat schon mal in die „Blaue Anneliese“, eine Kartoffelsorte, gebissen? Oder Schwarzen Mais gekostet?

          Stattdessen kaufen viele ihr Obst und Gemüse ausschließlich im Supermarkt oder Discounter. Farbiges Licht lässt vielerorts Paprika, Äpfel und Salate noch knackiger aussehen. Feine Düsen versprühen gar Nebelschwaden für noch mehr Frische. Und Spiegel suggerieren eine endlose Auswahl.

          Oder von lila Möhren? Bilderstrecke

          Doch wer genauer hinschaut, findet zumeist nur noch eine Möhrensorte, eine Handvoll heimischer Äpfel und nur wenige heimische Kartoffelsorten. Dabei überzeugen alte Sorten nicht nur mit ihrer farblichen Vielfalt, sondern auch mit ihrer Fülle an Geschmackserlebnissen. Von aromatisch-kräftig über nussig-mild bis saftig-frisch zum Beispiel bei Karotten, die heute wieder nachgezüchtet werden. Wer sich den Weidenkorb schnappt, auf den Wochenmarkt geht und mit Direktvermarktern ins Gespräch kommt, wird überrascht sein, wie Obst und Gemüse auch schmecken können.

          „Die Nachfrage hat auf jeden Fall zugenommen“, berichtet ein Markthändler. Fernsehköche würden in ihren Sendungen wieder vermehrt alte Sorten nutzen und so mit gutem Beispiel vorangehen. Und junge Eltern würden für eine gesunde Ernährung ihrer Kinder auch wieder zu alten Sorten zurückfinden.

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