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Nobles Catering : 1100 Stück Filet, eines wie das andere

„Logistik mit einer bunten Schleife drum“: Sp beschreibt Klaus Peter Kofler – hier in der Frankfurter „Villa Merton“, seinem Sternerestaurant – sein Geschäft. Bild: Wonge Bergmann

Wo edle Häppchen gereicht werden, ist er oft nicht weit: Klaus Peter Kofler ist der bekannteste Caterer der Republik. Auch jetzt in Sotschi und demnächst bei der Fußball-WM in Brasilien versucht Kofler zu liefern: Catering, das nicht danach schmeckt.

          Als am Freitag um 22.53 Uhr Ortszeit der legendäre russische Eishockey-Torwart Wladislaw Tretjak und die dreimalige Paarlauf-Olympiasiegerin Irina Rodnina im Fischt-Stadion von Sotschi die olympische Flamme entzünden, hat Klaus Peter Kofler schon 29.000 Zuschauer, die Olympische Familie und Promis wie IOC Präsident Thomas Bach und Alt-Kanzler Gerhard Schröder bewirtet. Nun ja, nicht Kofler persönlich, sondern 1400 Mitarbeiter von „Kofler & Kompanie“, der Catering-Firma des Deutschen. Lamb Chops und Lachs-Spieße gab es, „die kamen sehr gut an“, sagt Kofler.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Kofler, geboren 1964, ist Spross einer Bäckersfamilie (Markenzeichen: Baumkuchen), gelernter Konditor, studierter Wirtschaftswissenschaftler, ehemaliger Profi-Springreiter - und mutmaßlich der „Catering-König der Republik“, wie der Gault Millau einmal schrieb. In der Woche vor Olympia trifft man ihn, sozusagen auf einer Zwischenlandung, kurz in Frankfurt, wo er einst den Grundstein für sein Catering-Imperium legte und wo er auch ein Zwei-Sterne-Restaurant betreibt, die „Villa Merton“.

          Auf den Durchbruch folgten Niederlagen

          Gegründet hat Kofler sein Unternehmen 1991, da war er 27. Statt als Juniorchef in die Familienbäckerei in Bad Homburg einzusteigen, fand er als Caterer einen Lokalität, die das Zeug zur Toplocation in Frankfurt hatte: das Café in der Kunsthalle Schirn. Auf den gefeierten Durchbruch im Business folgten Niederlagen. Koflers Restaurant im Eurotower, das er als „das spektakulärste Gastronomieprojekt in Frankfurt“ ankündigte, scheiterte nach nicht einmal einem Jahr. Hinzu kam 2001 die Rezession. Nur ein Sprung nach Berlin rettete Kofler.

          Nach der Krise ging es steil bergauf. Inzwischen hat Kofler Standorte in Frankfurt, Berlin, Düsseldorf, Hamburg, München, Zürich, London, Moskau und Rio de Janeiro; 230 Festangestellte arbeiten für ihn, bei Großveranstaltungen kommen Hunderte oder gar Tausende Temporäre hinzu. Allein in Deutschland bewirtet die „Kompanie“ jedes Jahr 250 000 Gäste - auf Empfängen von Auto- und Modefirmen, beim Geburtstagsdinner der Kanzlerin oder beim Staatsbesuch der Queen.

          Die Kunden wollen ihre Gäste beeindrucken

          Mit klassischem Häppchen-Lieferservice hat das so viel zu tun wie Sterneküche mit der Wurstbude am Bahnhof. Pünktlich, heiß und ganz gut essbar - was vor zwanzig Jahren noch vom Catering erwartet wurde, reicht schon lange nicht mehr. Die Kunden wollen ihre Gäste nicht nur sattmachen und zufriedenstellen, sie wollen sie beeindrucken. Sie wollen Catering, das nicht nach Catering schmeckt.

          Und damit das klappt, sagt Kofler, gelte eben der einfache Grundsatz: „Bevor man weiß, was man isst und trinkt, braucht man erst einmal einen Ort.“ Das Angebot von „Kofler & Kompanie“ reicht deshalb vom Zeughaus im Deutschen Historischen Museum über das Seegrundstück bis hin zum U-Bahn-Schacht. Aber auch wenn beim Kunden selbst gegessen werden soll, steht die Analyse der örtlichen Gegebenheiten immer an erster Stelle: „Was nützt das schönste Gala-Menü, wenn die Kellner hundert Meter gehen müssen und das Essen kalt ankommt?“

          All das muss detailliert geplant werden. Nur dann ist es auch möglich, in einem ehemaligen Bahnhof für 1100 Gäste Kalbsfilet, Kartoffeln und frischen Spargel mit Sauce hollandaise zu servieren. „Noch heute“, sagt Kofler nicht ohne Stolz, „werde ich gefragt, wie wir das geschafft haben.“ (Mit fünf Küchen, etwa 50 Köchen und noch mehr Kellnern.) „Catering ist in erster Linie Logistik“, sagt er. „Mit einer bunten Schleife drum.“

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