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Kellermeister im Gespräch : „Neuseelands Weine haben mehr Tricks drauf, als manche denken“

Maclennan: Die chilenischen Sauvignon Blancs ähneln unseren eher als jene aus Südafrika. Das hat mit dem Klima und den Böden zu tun, aber auch mit der Art und Weise, wie produziert wird. Es gibt Leute, die uns vor den Chilenen als Konkurrenten warnen, weil ihre Weine einen vergleichbaren Stil haben und preislich sehr konkurrenzfähig sind.

Ich habe hier den Sauvignon Blanc Spring Harvest vom chilenischen Weingut Montes, probieren Sie mal!

Stewart: Ein interessanter Wein: Er hat diese fruchtigen und grünen Noten von Gras und Klee und die Frische, die auch unsere Weine haben. Aber er hat auch Elemente des Franzosen, den wir eben im Glas hatten, weil er eben doch nicht ganz so knackig und säurebetont ist wie ein Neuseeländer. Auf der anderen Seite hat er aber auch nicht die weiche Sanftheit des Bourgeois...

Maclennan: Und darum ist er – wie die meisten Neuseeländer – ein Tropfen, den man eher jung trinken sollte.

So, und um die Sache abzurunden, habe ich jetzt noch einen weiteren Sauvignon Blanc aus der Alten Welt.

Stewart: Lassen Sie mal sehen. Oh, aus Deutschland!

Ja, vom Weingut Genheimer Kiltz von der Nahe.

Maclennan: Das ist mein erster deutscher Sauvignon Blanc. Hm, ein bisschen rauchig in der Nase, aber sofort als Sauvignon zu erkennen, weil auch er die typische spritzige Frische und fruchtige Aromenfülle hat, viel Stachelbeere und tropische Früchte.

Stewart: Wow, ein cooler Wein. Er ähnelt unseren Tropfen viel mehr als der Franzose. Er ist zart und subtil, aber doch lauter und extrovertierter, als ich gedacht hätte. Wenn Sie mir den in einer Blindverkostung vorsetzen, würde ich glatt auf Neue Welt tippen.

Wie steht es um die neuseeländische Weinkultur?

Stewart: Wein ist noch ein vergleichsweise junges Phänomen. Die Neuseeländer sind traditionell Bier- und Whisky-Trinker. Bis vor 20 Jahren war es nicht üblich, zu Hause Wein zum Essen zu trinken. Aber das ändert sich langsam.

Maclennan: Sagen wir so: Die junge Generation trinkt deutlich zivilisierter, als es die Neuseeländer früher taten, und Wein spielt da eine immer größere Rolle. Aber etwas anderes: Wollen Sie noch einen unserer Big Shots probieren?

Gerne.

Maclennan: Also, ich habe hier den Saint Clair Wairau Reserve.

Stewart: Unser Flaggschiff, benannt nach dem großen Fluss, der durch das Anbaugebiet fließt.

Oh, der hat gleich einen ganz anderen Auftritt. In der Nase ist er Ihrem „Origin“ ähnlich, aber viel feiner und komplexer, und er hat eine mineralische Note. Hm, und im Mund zeigt er dann seine Eleganz. Der wirkt wie ein richtig erwachsener Wein im Vergleich zu dem Jungspund von vorhin.

Maclennan: Genau das soll er sein. Ein komplexer Tropfen mit einer perfekten Balance zwischen fruchtiger Frische und kräftigem mineralisch-salzigen Charakter. Für uns ist er immer eine Gratwanderung, denn wir wollen mit ihm natürlich den typischen neuseeländischen Sauvignon-Blanc-Charakter einfangen, aber andererseits auch zeigen, was unser Terroir sonst noch zu bieten hat für einen großen animierenden Wein.

Und was essen wir jetzt am besten dazu? Oder überhaupt zu neuseeländischen Sauvignon Blanc?

Maclennan: Frische Austern direkt aus der Schale.

Stewart: Ja, Fisch und Meeresfrüchte sind die natürliche Wahl. Aber für mich als Vegetarierin sind die idealen Begleiter eher knackige Salate, frischer Spargel und vor allem weicher Ziegenkäse.

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