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Kellermeister im Gespräch : „Neuseelands Weine haben mehr Tricks drauf, als manche denken“

Was ist das Besondere an Marlborough? Es ist ja die Wiege des Sauvignon-Blanc-Wunders...

Maclennan: Neuseeland als Ganzes hat diese spezielle Lage, mitten in einem riesigen Ozean mit arktischen Strömungen vom Süden, heißen Winden aus den Wüsten Australiens und einem insgesamt ziemlich rauen Klima. Aber Marlborough an der Spitze der Südinsel hat eine vergleichsweise geschützte und klimatisch stabile Lage.

Stewart: Und dann sind da noch die Böden, die besonders gut für Sauvignon Blanc geeignet sind und diesen erstaunlichen Charakter herausbringen.

Dann lassen Sie uns doch mal das Gegenmodell probieren: einen Franzosen von der Loire, Esprit de Bourgeois vom Weingut Henri Bourgeois. Diese Weine stehen gemeinhin für einen ganz anderen Stil.

Stewart: Hm, also mein erster Eindruck: Dieser Wein ist nicht annähernd so lebendig und offen wie unser Sauvignon, sondern viel zurückhaltender und verschlossener, zumindest in der Nase.

Maclennan: Ja, typisch französisch: viel sanfter und feiner als ein Neuseeländer mit seiner fruchtigen Frische, die einen förmlich anspringt. Da zeigt sich der fundamentale Unterschied zwischen Alter und Neuer Welt: Während wir unseren Weinen so viel originäre Frische und Aroma wie möglich mitgeben wollen, was wir vor allem durch eine kühle Gärung erreichen, sind die typischen traditionellen europäischen Weine oft viel subtiler und eleganter.

In Deutschland steht vor allem das Weingut Cloudy Bay für den neuseeländischen Sauvignon Blanc. Warum?

Stewart: Nun, sie waren in gewisser Weise die Ersten, die mit diesem neuen Stil weltweit Erfolg hatten.

Maclennan: Sie haben sich auf einen sehr guten Wein mit einer leicht verständlichen Message konzentriert - und sie hatten ein unglaublich cleveres Marketing. Das ist in unserer Branche von großer Bedeutung – und so haben sie es geschafft, Marlborough und Neuseeland international bekannt zu machen und zu etablieren. Wenn Konsumenten heute an Neuseeland denken, dann denken sie an diese frischen, puren Premium-Weine von den schönen, grünen, sauberen Inseln am Ende der Welt.

Stewart: Das ist ein großes Verdienst, das allerdings auch dafür gesorgt hat, dass neuseeländische Weine fast ausschließlich mit diesem einen, von Cloudy Bay und einigen anderen Pionieren geprägten Weinstil in Verbindung gebracht wurden und werden und dass die Konsumenten die Vielfalt, die inzwischen produziert wird, kaum wahrnehmen.

Maclennan: Das ist schade, denn Neuseeland ist nicht, wie man im Englischen sagt, das „one-trick pony“, als das es manche sehen: das dressierte Pferdchen, das nur einen einzigen Trick draufhat.

Was definiert den Stil eines Weines? Boden? Klima? Kellermeister?

Stewart: Ich würde sagen, alles zusammen. Die Böden haben einen großen Einfluss, die klimatischen Bedingungen natürlich auch. Und natürlich hat auch der Kellermeister seinen Anteil. Aber das Allerwichtigste für uns ist der richtige Lesezeitpunkt, um absolut gesunde, reife Trauben zu bekommen, und die anschließende kühle Gärung, um die Primäraromen zu bewahren.

Maclennan: Unsere Philosophie ist in gewisser Weise: Hände weg! Wir wollen es so einfach und schlicht wie möglich machen, um den Charakter des Terroirs und der Trauben möglichst unverfälscht einzufangen. Das ist in meinen Augen der große Unterschied zur Alten Welt, wo viel mit unterschiedlichen Gärformen und Fässern gearbeitet wird.

Ist dieser neuseeländische Weg typisch für die ganze Neue Welt? Was ist mit Ländern wie Chile, Südafrika?

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