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Leichter Gewicht verlieren : Wie Kekse beim Abnehmen helfen können

  • -Aktualisiert am

Dr. Carsten Lekutat hat mit einem Keksteller gelernt, der süßen Versuchung immer wieder zu entsagen. Bild: PantherMedia / Mariusz Blach

Die Runde Joggen am Morgen kann genauso automatisiert werden wie der Griff in die Kekspackung. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Es kann lange dauern.

          Der Weg zum Traumkörper führt über einen Teller Kekse, davon ist der Berliner Hausarzt Carsten Lekutat überzeugt. Er will die Menschen dazu bringen, gesünder und glücklicher zu leben – und er ist nicht der Einzige, der zuletzt Strategien entwickelt hat, mit denen es klappen könnte.

          Wir alle wären gerne besser: disziplinierter, fitter, konzentrierter, fokussierter. Was uns daran hindert, nennen wir Schweinehund – und der ist ja auch manchmal ganz nützlich, um zwischendurch auszuruhen. Aber wie den Hund dann loswerden, wenn wir ihn gerade gar nicht brauchen können? Um die Frage haben sich die Professorin Sonia Lippke und ihr Team von der Jacobs-University Bremen gekümmert und in diesem Jahr eine Studie dazu veröffentlicht.

          Die Forscher wollten herausfinden, inwieweit ein individualisiertes Computerprogramm die Teilnehmer dabei unterstützen kann, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen und fünfmal pro Woche für mindestens 30 Minuten körperlich aktiv zu werden. Für Letzteres genügten Alltagsaktivitäten wie das zügige Gehen zum Bus. Die Teilnehmer waren ehemalige Reha-Patienten, die, so sollte man meinen, nach einem einschneidenden Erlebnis wie einem Herzinfarkt besonders motiviert sind, etwas für ihre Gesundheit zu tun.

          Trotzdem waren von den anfangs 790 Teilnehmern nach drei Monaten nur noch 121 übrig. Der Rest ist ausgestiegen. Warum? Lippke vermutet, dass viele Teilnehmer nicht erfolgreich waren und deshalb aufgehört haben. Vor allem wenn die Reha schon eine Weile zurückliegt, ist die Motivation oft nicht mehr so hoch, so die Erfahrung der Wissenschaftlerin: „Viele sind doch eher gemütlich und wollen sich nicht wirklich verändern“, sagt sie.

          Lekutat meint, er habe seine gute Figur einem Keksteller zu verdanken

          Auch Hausarzt Lekutat hat sich, wider besseren Wissen, jahrelang keine Zeit für Sport genommen, dazu kamen eineinhalb Liter Softdrinks am Tag – und irgendwann ein Gewicht von 89 Kilo bei einer Größe von 1,73 Metern. In seinem Buch „Meine besten Hausarzt-Tipps“ gibt es ein Foto, das ihn mit deutlich sichtbaren Rundungen zeigt. Unter dem Bild steht: „Finden Sie nicht auch, dass mich die Brille etwas dick gemacht hat? Ja, sprechen Sie es ruhig aus: Dr. Lekutat war fett!“

          Fett? Die Zuschauer der MDR-Ratgebersendung „Hauptsache Gesund“, die er seit 2015 moderiert, wundern sich jetzt wahrscheinlich. Sie kennen den Fernseharzt als schlank und sportlich. Tatsächlich hat er in eineinhalb Jahren 23 Kilo abgenommen. Statt Softdrinks gibt es Wasser, er joggt regelmäßig von seiner zehn Kilometer entfernten Praxis nach Hause. Dass er das geschafft hat, das hat er dem Keksteller zu verdanken.

          Und weil der Hausarzt möchte, dass es auch andere schaffen, tourt er demnächst durch Deutschland und erzählt in seiner Bühnenshow, wie er das gemacht hat. Oberlehrerhafte Ratschläge oder unverständliches Fachchinesisch muss dabei keiner fürchten. Lekutat verpackt das Ganze als Comedy, „Meditainment“, medizinische Unterhaltung, nennt er das. Am Telefon sagt er: „Etwas für die Gesundheit zu tun ist erst einmal nicht schön. Oftmals bedeutet es, dass wir uns beim Sport anstrengen müssen oder beim Essen auf etwas verzichten.“ Und dann gibt es da auch noch ein Phänomen, das uns die Umstellung zusätzlich erschwert: die Erschöpfung des Gehirns, in der Wissenschaft früher als „maskuline Wochenendstarre“ bezeichnet.

          Unser Autopilot muss richtig programmiert werden

          Damit wurden Männer beschrieben, die nach einer harten Arbeitswoche am Wochenende nicht mal mehr entscheiden konnten, ob sie lieber Kartoffelbrei oder Pommes essen wollten. Der Mediziner erklärt: Ist die Region im Gehirn, die für Entscheidungen zuständig ist, total erschöpft, schalten wir auf Autopilot. Wir machen entweder das, was wir immer gemacht haben – fettige Pommes essen, obwohl wir eigentlich abnehmen wollten –, oder das, was uns in dem Moment am wenigsten weh tut – auf der Couch liegen statt joggen.

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