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Moselwinzer Nik Weis : Die Schönheit des Chaos der Vielfalt

  • -Aktualisiert am
Bild: Gisela Goppel

Das Selbstbewusstsein wurde Nik Weis von Kindesbeinen an mit auf den Lebensweg gegeben. Er stammt aus einer alteingesessenen Leiwener Winzerdynastie, doch erst sein Großvater gründete das Weingut St.-Urbans-Hof, gab ihm den Namen des Schutzheiligen aller Winzer, baute einen prachtvollen Gutshof am Rand von Leiwen, wurde später Landtagsabgeordneter und Winzerlobbyist, kelterte allerdings – wie damals alle Weinbauern im Dorf – eher Massen- als Qualitätsware. Auch sein Sohn achtete eher auf Ertrag und Geschäft, heiratete aber auch eine Winzerstochter von der Saar, lernte von deren Vater, exzellenten Wein zu machen, und gründete nebenbei ein Gut in Kanada. „Mein Vater hätte am liebsten die ganze Welt mit Reben bepflanzt und den Mond noch dazu“, sagt Nik Weis, der wegen des exzessiven, jugendlichen Konsums von Jacques-Cousteau-Dokumentationen eigentlich Meeresbiologe werden wollte. Doch da seine drei älteren Schwestern allesamt ihre eigenen Wege gingen – die jüngste hat den wunderbaren Sternekoch Harald Rüssel geheiratet und betreibt mit ihm das Landhaus St. Urban ein paar Kilometer von Leiwen entfernt –, blieb dem jungen Nik nichts anderes übrig, als Wein zu keltern.

Vor 21 Jahren übernahm er das Gut, setzte alle Segel auf Kurs Spitzenqualität, wurde schon drei Jahre später in den Verband der Deutschen Prädikatsweingüter aufgenommen, bewirtschaftet heute siebzehn Hektar an der Mosel und dreiundzwanzig an der Saar, sammelt Preise wie andere Menschen Panini-Bildchen, veredelt jedes Jahr eine halbe Million Rebpflanzen in seiner eigenen Rebschule und lebt mit jeder Pore seine Philosophie eines Weinbaus der Ewigkeit und Unverfälschtheit. Deswegen verzichtet er auch komplett auf Reinzuchthefen und vertraut vollkommen der Spontanvergärung. „Reinzuchthefen verwischen die Aromen und machen glatte, saubere Weine. Ich aber will Natürlichkeit statt Perfektion, Authentizität statt Austauschbarkeit, Komplexität statt Uniformität und keine Weine, die nach nichts anderem als Pfirsich schmecken. Da kann ich mir ja gleich Pfirsichsaft kaufen“, sagt Nik Weis, der so geschliffen parliert, dass man ihn auch für einen Professor der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft halten könnte.

Die Wahrheit jedes Winzers liegt aber immer im Glas, nicht auf der Zunge, und bei Nik Weis ist sie nichts als gut und schön. Selbst die einfacheren Qualitäten wie der Riesling vom Schiefer oder vom Quarzit erinnern an einen Garten der Semiramis voller frischer Kräuter und duftender Steinobstbäume, während die Großen Gewächse wie der Laurentiuslay so vielstimmig wie ein antiker Chor, so vielschichtig wie eine Aromen-Odyssee sind, ohne aber zur Geschmacksirrfahrt zu werden – viel lieber bleiben sie so harmonisch, als läge auf dem Grund des Glases Odysseus in den Armen seiner Penelope.

Weingut Nik Weis – St.-Urbans-Hof, Urbanusstraße 16, 54340 Leiwen, Telefon: 06507/93770, http://www.urbans-hof.de.

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