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Riberys Steak wirft Fragen auf : Muss die Currywurst vergoldet sein?

Nicht nur in Dubai, auch in deutschen Restaurants wird vergoldetes Fleisch angeboten. Bild: dpa

In Berlin gibt es Goldstaub auf die Wurst – ein Metzger verlost nach dem Ribéry-Fall sogar edle Steaks mit Blattgold. Über den fragwürdigen Abbau des Rohstoffs hat jedoch bisher kaum jemand gesprochen.

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          Wer im 5-Sterne-Hotel Adlon in Berlin eine Currywurst bestellt, darf sich über etwas Glitzer freuen. Für 17 Euro wird die Berliner Spezialität mit Goldstaub serviert. Und das schon seit der Wiedereröffnung 1997. Da kickte Franck Ribéry noch in der Jugendmannschaft. Trotz aller Kritik an dem Bayern-Spieler, der sich zum Jahresbeginn ein mit Blattgold überzogenes Steak in Dubai gönnte, wird die Wurst so bleiben, wie sie ist, sagt eine Sprecherin des Adlon. Die Currywurst ist seit Jahren ein „Renner“. Vor allem ausländische Gäste erfreuten sich an dem verfeinerten Stück Fleisch. Woher das Gold stammt, weiß die Sprecherin nicht. Auch der Fleischermeister Steffen Wawrzyn kann nur erahnen, unter welchen Umständen sein Blattgold ursprünglich geschürft wurde. Er bestellt es im Internet, 100 Blatt reines Gold, sieben mal sieben Zentimeter für etwa 13 Euro.

          Martin Franke
          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Kurz nachdem die Debatte um Ribéry begann, legte Wawrzyn ein vergoldetes Tomahawk Steak in die Fleischtheke der Berliner Edelfleischerei Best Beef. Die Idee entstand aus einem „Gag“, sagt er. Doch sollte es wirklich eine Nachfrage dafür geben, will der Metzger es regelmäßig anbieten. „Wer es sich leisten möchte, der soll es doch einfach machen.“ Als Vorgeschmack verlost die Fleischerei drei vergoldete Steaks auf ihrer Facebookseite. Die Reaktionen der Nutzer sind durchweg positiv. Und auch das Gesundheitsamt legt keine Beschwerde ein. Eine Seite des Steaks werde scharf angebraten und dann mit Gold belegt, erklärt er. Der Fleischliebhaber zuhause müsste dann nur noch die unbedeckte Seite kurz anbraten und das Steak dreißig Minuten in den Ofen schieben. Gold-Burger seien bei der Edelfleischerei auch schon im Gespräch. Kritik oder moralische Bedenken versteht der junge Mann nicht. „Dann dürfte ich gar nichts mehr machen“, argumentiert Wawrzyn. Den Pullover müsste er sich von „meiner Mama stricken lassen“. Und Fleisch verkaufen ginge auch nicht; er hielte sich dann ein Schwein zuhause.

          „Ein grotesker Luxus“

          Die Unternehmerin und Umweltaktivistin Guya Merkle sieht das anders. Zwar sagt sie, dass der Anteil von vergoldetem Essen in Deutschland verschwindend gering sei. Dennoch fehle ihr in der Debatte bisher völlig der Blick für die Ressourcenknappheit von Gold und das Wissen darüber, unter welch widrigen Umständen das Edelmetall abgebaut wird. „Wir haben alle eine Verantwortung der Welt gegenüber“, sagt Merkle. Wenn man betrachte, „unter welchen postkolonialen Umständen diese Ressourcen gefördert werden, fehlen mir fast schon die Worte.“

          Gold zu essen sei daher „ein grotesker Luxus“. Es steigere nicht die Qualität des Essens und habe keinen Geschmack. Niemand hätte daher einen Nachteil, wenn es kein Blattgold mehr zum Mittag gäbe. Merkle, die als Schmuckdesignerin ausschließlich recyceltes Gold verwendet, plädiert dafür, dass auch im Schmuckbereich der Konsum weniger wird. Sie sagt: Mit Schmuck könne man immerhin Emotionen verbinden und einen Mehrwert für das innere Glück oder Wohlbefinden schaffen.

          Tatsächlich bringt der Abbau von Gold große Nachteile mit sich – vor allem für Entwicklungsländer. Dort ist ein informeller Goldsektor entstanden, der den Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika zwar Geld bringt. Die Arbeit in den Minen ist jedoch gefährlich. Der Einsatz von Quecksilber macht krank und verschmutzt das Grundwasser. Am Ende lässt sich nur selten herausfinden, wo das Gold ursprünglich abgebaut wurde. Dann steckt es schon in Satelliten und Smartphones als Chips und Leiter, im Schmuck, in der Zahnmedizin als Füllung und Ersatzmaterial für Zähne, als Goldreserve in den Notenbanken – oder eben als Blattgold in Lebensmitteln.

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