https://www.faz.net/-hrx-a374w

Kritik an Hafermilch-Hersteller : Lifestyle mit fadem Beigeschmack

  • -Aktualisiert am

Für die Petition warb Oatly auch mit großen Plakatwänden. Bild: Oatly

Der Hafermilch-Hersteller Oatly engagiert sich für die Kennzeichnung des CO2-Ausstoßes auf Lebensmitteln. Gleichzeitig fließen Gelder des neuen Oatly-Investors in den Trump-Wahlkampf. Wie passt das zusammen?

          3 Min.

          Ob im Coffeeshop oder dem Supermarkt – klassische Kuhmilch hat inzwischen starke Konkurrenz bekommen: Die vegane und zumeist auch klimafreundlichere Alternative besteht aus Soja, Reis oder Hafer und wird immer beliebter. Sogar eine „Barista-Variante“, um das Milch-Ersatzprodukt für den Kaffeegenuss aufschäumen zu können, gibt es inzwischen und wird neben den bereits zahllosen veganen Alternativen zu Joghurt oder Frischkäse von immer mehr Unternehmen und Gastronomen ins Sortiment aufgenommen.

          Einer der Hersteller dieser alternativen Milchprodukte ist der schwedische Oatly-Konzern, der sich gerne progressiv als „Öko“ outet und sich kürzlich in Deutschland mit einer Petition für die gesetzlich verpflichtende Kennzeichnung von CO2-Emissionen auf Lebensmitteln eingesetzt hat. Auch weitere alternative Nahrungskonzerne wie Fritz Kola und Frosta beteiligten sich an der Petition. Mehr als 57.000 Menschen fanden sich innerhalb kürzester Zeit, um diese Initiative zu unterstützen. Berechnet werden sollen die Auswirkungen der Herstellung der Produkte auf das Klima von dem schwedischen Forschungsincubator Carbon Cloud. Am 14. September wird die Petition unter anderem von dem deutschen Oatly-CEO Tobias Goj im Bundestag präsentiert und das Vorhaben – so die Hoffnung des Konzerns – gesetzlich verpflichtend werden.

          Die Rechnung ohne die Umwelt gemacht

          Nun steht Oatly allerdings für eine 200-Millionen-Dollar-Kooperation mit dem amerikanischen Blackstone-Konzern heftig in der Kritik und kämpft mit einem veritablen Image-Schaden. Der Konzern hatte am 14. Juli verkündet, Investitionen in Höhe von etwa 400 Millionen Dollar erhalten zu haben, rund die Hälfte davon kam von Blackstone. Weitere Investoren waren neben einem Green-Deal-Kredit auch Stars wie Moderatorin Oprah Winfrey und Schauspielerin Natalie Portman sowie Starbucks-CEO Howard Schultz. Mit dem Geld sowie besonders den Ressourcen und der Reichweite von Blackstone sollte Oatly weltweit größer und bekannter gemacht werden, erklärte der Konzern.

          Neben Oatly haben sich auch weitere Nahrungskonzerne der Bundestagspetition angeschlossen.
          Neben Oatly haben sich auch weitere Nahrungskonzerne der Bundestagspetition angeschlossen. : Bild: obs

          Allerdings ist der Blackstone-Vorsitzende Stephen Schwartzman in den Vereinigten Staaten als Großspender für den Wahlkampf von Präsident Donald Trump bekannt. Allein zuletzt flossen drei Millionen Dollar von Schwartzman in die Wahlkampffinanzierung von Trump, was vielen bisherigen Oatly-Fans, die oftmals nicht zum Lager des Präsidenten zählen, nicht gefällt. In den sozialen Netzwerk hat sich eine große Abneigung gegenüber dem Konzern mit dem Öko-Anspruch entwickelt: Immer wieder fordern Influencerinnen und Influencer dazu auf, die Produkte von Oatly zu boykottieren.

          Eine weitere Auswirkung der Zusammenarbeit von Oatly mit Blackstone, die viele der Oatly-Konsumenten für höchst problematisch halten, hat die Glasgower Klimaaktivistin Laura Young in einem Twitter-Thread beschrieben: So halte der Investor auch große Anteile an den zwei Unternehmen Hidrovias do Brazil und Pátria Investimento, die maßgeblich an der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes beteiligt seien.

          Diese Vorwürfe gehen zurück auf die Errichtung der Straße BR-163 durch den brasilianischen Regenwald, die Hidrovias do Brazil fälschlicherweise 1976 gebaut haben soll. Blackstone weist diese Vorwürfe zurück.

          Doch das ist nicht die erste heftige Kritik, die Oatly über sich ergehen lassen muss: Schon 2016 hatte der chinesische Staatskonzern China Resources etwa 40 Prozent der Unternehmensanteile von Oatly übernommen. Da China regelmäßig wegen Menschenrechtsverstößen und seinem zweifelhaften Engagement in der Klimapolitik in der Kritik steht, stand schon damals der Vorwurf im Raum, Oatly handle gegen die eigene Nachhaltigkeitsphilosophie.

          Nun versucht der Konzern abermals, den Image-Schaden in Grenzen zu halten. In einem umfangreichen Statement gibt sich die Firma reumütig und betont: „Wenn das globale Privatkapital auf eine grüne Zukunft hinarbeitet, haben wir tatsächlich eine Chance, den Planeten für künftige Generationen zu retten.“ Es sei wichtiger, Blackstones Investitionen erfolgreich für nachhaltige Produkte zu nutzen, als sie kampflos anderen, klimaschädlichen Branchen zu überlassen. Mit dieser Herangehensweise solle auch für andere Großinvestoren ein klimafreundlicher Anreiz geschaffen werden: „Eine Botschaft, von der unsere Kritiker*innen behaupten, dass es die einzige Sprache ist, auf die Kapitalmärkte hören: Profit.“ Ob diese Entschuldigung die Hafermilch-Fans beruhigen wird, bleibt fraglich.

          Weitere Themen

          Die Models stehen am Rand

          Frankfurt Fashion Week : Die Models stehen am Rand

          Die Frankfurt Fashion Week musste in ihrem zweiten Jahr aufgrund der Pandemie ohne Messen stattfinden. Man hofft auf den Sommer. Wird sich der digitale Start trotzdem nachhaltig auf die Form der Modewoche auswirken?

          Topmeldungen

          Machtdemonstration: Ein Konvoi russischer gepanzerter Fahrzeuge fährt auf einer Autobahn auf der Krim. .

          Russischer Aufmarsch : Die Ukraine ist von drei Seiten umstellt

          Westliche Dienste sehen mit Unruhe, wie Moskau immer mehr Truppen an die Grenze zur Ukraine verlegt – auch über Belarus und das Schwarze Meer. Mit ihren Waffen sind die Russen schon jetzt überlegen.