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„Le Club 55“ bei Saint-Tropez : Und ewig lockt der Sommer

  • -Aktualisiert am

Seit 60 Jahren hier: Seine Eltern bauten den „Club 55“ auf, Patrice de Colmont machte ihn zur Legende Bild: Helge Sobik

„Le Club 55“ ist das berühmteste Strandlokal der Welt. Obwohl es gar nicht in Saint-Tropez liegt. Und obwohl es abends geschlossen ist.

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          Sie sehen nicht aus wie typische Kellner eines teuren südfranzösischen Restaurants. Bei manchen fallen die Tattoos auf, bei anderen die Muskeln, die nicht vom Tellertragen kommen. In die Gesichter hat sich das Leben geschrieben.

          Die Kellner auf diesen 50 mal 50 Metern an der Côte d’Azur sind aufmerksam, aber nicht devot, immer wieder zur Stelle, aber nicht dienstbeflissen, sympathisch, aber hemdsärmelig. Sie tragen blau-weiße Strandkleidung, sind aber nicht uniformiert: Der eine hat einen Knopf zu viel aufgeknöpft, die andere ist herb wie die Schankwirtin eines Rockerschuppens. Sie wirken seltsam vertraut miteinander, sind eher eine Bande als ein Team, eher die Besatzung eines Piratenschiffs als eines Kreuzfahrtdampfers. Sie alle hier zwischen Schilf und Bäumen und Tischen sind Typen, die einem eher kumpelhaft die Hand auf die Schulter legen als einen Stuhl zurechtzurücken. Die Gabeln richten sie nicht mit dem Geodreieck am Champagnerkühler aus.

          Sie arbeiten im berühmtesten Strandlokal der Welt - und sind Teil des Erfolgs. Viele sind schon lange dabei, wie Küchenchef Laurent Bertolotto, der seit 20 Jahren im „Le Club 55“ arbeitet. Oder Bademeister Gérard Bartolo, seit 32 Jahren dabei. Zweimal nur hat er sich in der Zeit ein Autogramm geben lassen - von Clint Eastwood und von Mike Tyson. Es sind durchweg Leute, die denselben Respekt vor Millionären oder Popstars haben wie vor der Putzfrau oder dem Aushilfsgärtner - die Menschen nicht nach Vermögen oder Prominenz taxieren, auch nicht nach Trinkgeld-Potential. Wer anderswo nach dem Patron und dem besten Tisch verlangt, der ist hier plötzlich froh, überhaupt einen Platz zugewiesen zu bekommen.

          Nur so kann es gehen

          Für die Mitarbeiter jedenfalls sind im legendären „Le Club 55“ alle gleich - jeder, der hier sitzt und die Sonne genießt, einen Tisch reserviert hat oder auf der anderen Seite des Dünengürtels eine der hauseigenen Strandliegen gemietet hat, die nicht viel mehr sind als ein Polster mit hölzernem Aufsteller des Kopfteils für einen Tagessatz von 20 Euro.

          Nur so kann es gehen, wenn seit bald 60 Jahren die Stars und Sternchen kommen, ob Brigitte Bardot oder Gunter Sachs, Roger Vadim oder Bill Gates, Mitterrand oder Bono, Gorbatschow oder Deneuve, Prinz oder Prinzessin, Scheich oder Schlagersängerin. Ob jemandem die Yacht in der Bucht gehört oder er zu Fuß kommt und sein T-Shirt den halb ausgewaschenen Schriftzug einer längst aufgelösten Band trägt: Hier regiert die Egalité.

          „Patrice hat ein Händchen dafür, er sucht die Mitarbeiter danach aus“, erzählt einer der Kellner zwischen provençalischer Gemüseplatte mit Dipp und gegrilltem Pfeffersteak vom Charolais-Rind. „Nicht, weil es den Gästen so am besten gefiele, sondern weil er selbst das Ambiente so am meisten schätzt. Und weil es hier schon immer so war. Weil das diesen Laden ausmacht. Neben ein paar Dutzend anderen Dingen natürlich.“ Er lacht, während er die Skelette zweier riesiger Doraden auf großen Keramiktellern vom Nebentisch abräumt. Halb drei nachmittags, Hochbetrieb am Strand von Saint-Tropez, Action unter Sonnensegeln und Strohbespannungen gleich hinter den Dünen.

          Es war das Nichts, das Paradies

          Der „Cinquante-Cinq“ bleibt trotz all der Schönen und Reichen so unangepasst, weil der Chef mit Langeweile nichts anfangen kann. Und weil er mit dem von den Eltern übernommenen Laden an der Plage de Pampelonne längst so viel verdient hat, dass er sich an nichts und niemanden mehr anpassen müsste.

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