https://www.faz.net/aktuell/stil/essen-trinken/kuechen-koeche/siebenbuergische-kueche-tradition-mit-geschmack-17757397.html

Siebenbürgische Küche : Tradition mit Geschmack

  • -Aktualisiert am

Zum Schlemmen: eine Käseplatte auf dem Hof von Lavinia Schuster Bild: Sharon Schuster-Thiollier

Lavinia Schuster führt im rumänischen Siebenbürgen als eine von Wenigen einen traditionell sächsischen Haushalt. Neben dem authentischen Landleben bewahrt sie dort auch eine kulinarische Tradition.

          4 Min.

          Lavinia Schuster hatte immer eine Leidenschaft für Käse. Auf großzügigen Platten serviert die Wirtin dünne Käsescheiben, gerollt mit getrockneten Kräutern wie Oregano, Paprika, Meerrettich oder Basilikum, dazu reicht sie hausgemachte Marmelade. Die verschiedene Sorten Quark oder Frischkäse, Rohmilchkäse, Hüttenkäse mit verschiedenen Kräutern, Früchten oder Beeren sind hausgemacht, wo nötig gereift im Keller des Hauses. Eine Besonderheit des Haushalts ist der Meschener Bockshornkleemutschli. Aus der anfänglichen Kleinproduktion für den Eigenbedarf hat sich mit der Zeit eine professionelle Käseerzeugung entwickelt. „Am Anfang hat es nicht so geklappt wie erwartet, und beim ersten Käse, der mir gelungen ist, habe ich vor Freude geweint“, erinnert sich Schuster.

          Schuster betreibt im rumänischen Moşna/Meschen einen traditionellen sächsischen Hof. Das seit dem 13. Jahrhundert bestehende sächsische Dorf liegt in Siebenbürgen, auch bekannt als Transsylvanien. Die Region im Zentrum Rumäniens, begrenzt von der Karpatenkette, zieht durch Architektur, Menschen, Landschaft, aber auch durch die Vielfalt der erlesenen Speisen Reisende aus aller Welt an.

          Hier konzentrieren sich rumänische, sächsische und ungarische Einflüsse, und Siebenbürgen zeichnet sich durch das seit jeher bewahrte authentische Landleben aus. Orte wie Criţ/Deutsch-Kreuz, Viscri/Deutsch-Weisskirch oder eben Moşna/Meschen zeugen von der beeindruckenden Geschichte, wie die heute noch erhaltenen Wehrkirchen beweisen.

          Malerischer Hof: Bio Moșna im rumänischen Siebenbürgen
          Malerischer Hof: Bio Moșna im rumänischen Siebenbürgen : Bild: Sharon Schuster-Thiollier

          Hier wird auch die kulinarische Tradition gepflegt. Als Vorspeise oder Dessert gibt es etwa Hanklich, in Hefefladen mit einem Butter- oder Rahmguss. Apfelsuppe, mit Croutons, verschiedenen Samen oder auch frischen Sellerieblättern; die Rind- oder Schweinesuppe Brodelawend, mit Kartoffeln, gehärteten Zwiebeln und Lorbeerblättern, serviert mit grüner Petersilie und Sauerrahm; die Kartoffelnodel, als Beilage für Steak; oder die zarten Butterkekse namens Nonnenbusserl, gefüllt mit Walnuss-Baiser sind weitere Beispiele für typische siebenbürgisch-sächsische Gerichte.

          Inspiration kam aus der Schweiz

          Die Siebenbürger Sachsen, die in einem germanischen Stamm ihren Ursprung haben und sich in dieser Region Rumäniens im 13. Jahrhundert niederließen, haben in den vergangenen Jahrzehnten das Land verlassen. Obwohl nur wenige, bemühen sich die Verbliebenen, kulturelle Traditionen zu bewahren und weiterzuführen.

          Die Gastgeberin: Lavinia Schuster
          Die Gastgeberin: Lavinia Schuster : Bild: Sharon Schuster-Thiollier

          Lavinia Schuster und ihr Mann Willy sind in den Neunzigerjahren aus Rumänien nach Deutschland eingewandert, wie viele andere Siebenbürger Sachsen in der Zeit nach der Wende. Angetan hatte es ihnen jedoch auch ein Nachbarland, sie schwärmten von der Schweizer Öko-Szene. Willy Schuster verbrachte mindestens drei Monate im Jahr in der Schweiz und arbeitete als Übersetzer für die rumänischen Bauern, die zur Ausbildung auf Schweizer Biobauernhöfe kamen. 1997 bewarb sich auch seine Frau an einer Bergbauernschule als Übersetzerin und lernte so den ökologischen Landbau kennen. An der Schule wurden die Ehefrauen zukünftiger rumänischer Bauern darin unterrichtet, wie sie die Ressourcen eines Öko-Haushalts so effizient wie möglich nutzen können. „Die Erfahrungen bei der Bergbauernschule haben mein Leben als Landwirtin positiv beeinflusst. Beim Übersetzen habe ich auch Käse machen gelernt“, erzählt Lavinia Schuster.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.