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Japanische Nudelsuppe : Ramen ohne Rahmen

Klassische „Shoyu Ramen“ in Ivans Ramen Slurp Shop in New York. Bild: BRENT HERRIG/The New York Times/

Ivan Orkin ist Amerikaner, aber er wurde in Tokio bekannt. In einem Land, das kaum von Einwanderern geprägt ist, erfuhr er Respekt – ausgerechnet mit traditionell japanischer Nudelsuppe.

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          Dieser Mann stellt die Ramen-Suppe auch bildlich auf den Kopf – mit einem Mosaik im Innenhof seines Restaurants an der Lower East Side. In der Gegend sind viele japanische Restaurants. „Ivan Ramen“ aber ist anders, nicht nur wegen des Namens, der so gar nicht japanisch klingt. Das Bild dazu im Innenhof zeigt eine umgestürzte Schüssel Ramen. Die Nudeln tanzen an der Wand entlang, quer durch den Hof. Dazwischen ein Oktopus. Ein dickes Schwein. Ein Schwarm Fische. Hälften von weichgekochten Eiern. War seine Idee. Ramen, das Schnellgericht der Japaner, kann scharf sein oder herzhaft. Vor Hitze dampfen oder auf Eis serviert werden. Eine Ramen-Suppe ist kein durchchoreographiertes Kaiseki-Menü. Aber anders als Sushi, das längst universell ist, gehört zur Ramen noch immer dazu, dass ein Japaner sie gekocht hat.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ivan Orkin, 58, ist Amerikaner und trotzdem mit seiner Ramen berühmt geworden. Mehr noch, für sein unkonventionelles Konzept hat er von den Japanern selbst großen Respekt erfahren. 15 Jahre lang hat Orkin in Japan gelebt und gearbeitet, mit eigenen Restaurants. Ohne die Anerkennung der Japaner für seine Arbeit würde er heute nicht hier sitzen, in seinem New Yorker Restaurant. Und ohne Netflix wäre es nicht so bekannt – aber dazu später.

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          „Alle waren so nett zu mir“

          Vielleicht muss man mit seiner Jugend beginnen: Ivan Orkin wuchs auf Long Island auf, in Syosset, in behüteten jüdisch-konservativen Verhältnissen. Sein Vater war Anwalt, sein Bruder auf dem besten Weg, Anwalt zu werden. Ivan Orkin aber konnte der Aussicht, selbst Anwalt zu werden, nichts abgewinnen. Seine Mitschüler gingen in ihrer Freizeit Fast Food essen. „Als ich 17 Jahre alt war, konnte ich in keinen McDonald’s mehr gehen“, sagt Orkin. Dafür stolperte er zufällig in eine Sushi-Bar und fragte nach einem Aushilfsjob. „Ich habe mich als erstes in das Essen verliebt, und ich fand die Sprache spannend. Und: Alle waren so nett zu mir.“ An Samstagen fuhren die Köche mit den Tellerwäschern in die Stadt, ins Kino, um sich Kung-Fu-Filme am Times Square anzusehen. „Danach aßen wir in den Restaurants ihrer Freunde.“

          In Tokio lernte er sein Handwerk, heute kocht Ivan Orkin in New York. Dabei ist er mit seinen Restaurants unter dem Namen „Ivan Ramen“ international bekannt.
          In Tokio lernte er sein Handwerk, heute kocht Ivan Orkin in New York. Dabei ist er mit seinen Restaurants unter dem Namen „Ivan Ramen“ international bekannt. : Bild: Kai Nedden

          Am College belegte er als Sprache Japanisch. Und als es später darum ging, wo er hinziehen würde, war auch das schnell entschieden. Ivan Orkin zog nach Tokio und unterrichtete Englisch. „Mein Japanisch verbesserte sich dort schon. Aber ich wusste nicht wirklich, was ich auf Dauer machen wollte.“ Dann lernte er eine Frau kennen, Tami. Es dauerte eine Weile, bis Orkin auf die Idee mit der Gastronomie kam. Mit Tami zog Orkin zurück in die Vereinigten Staaten und schrieb sich am Culinary Institute of America ein. Er lernte kochen und arbeitete anschließend an Orten, die für fine dining einen Namen hatten. Seine Frau und er bekamen einen Sohn. Es lief gut für Ivan Orkin. Dann aber änderte sich plötzlich alles.

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