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Online-Kochkurs : Reisnudeln aus der heimischen Garküche

Oben kocht der Profi, unten koche ich: Reisnudeln mit Süßkartoffen, Cashew-Nüssen und Sprossen. Bild: Andrea Diener

Wenn das Fernweh ziept, muss man sich etwas einfallen lassen. Online-Kochkurse bringen zumindest Geruch und Geschmack ferner Gegenden ins Haus – und den Reiseveranstaltern ein bisschen Geld in die Kasse. Ein Abend fast in Thailand.

          3 Min.

          Meine Küche riecht noch drei Tage später. Normalerweise will man das nicht und reißt alle Fenster auf, aber in diesem Fall ist er ganz wunderbar, der lange vermisste Geruch asiatischer Straßenküchen, der scharfe Duft mit einem Hauch frisch ausgequetschter Limette, wie ihn nur thailändische Köche hinbekommen – und jetzt auch ich. Deshalb lüfte ich nur vorsichtig und freue mich jedes Mal, wenn ich in die Küche komme, weil ich ja vermutlich so schnell nicht nach Asien komme.

          Die Ersatzhandlung, die mir die Garküche in die eigene Wohnung brachte, war ein Online-Kochkurs. „Neue Wege“ ist ein Reiseveranstalter, mit dem ich im vergangenen März in Indien ayurvedisch entschlacken sollte. Doch nach ein paar Tagen musste ich coronabedingt abreisen, recht eilig und über Nacht, und kam genau pünktlich zum Lockdown in Deutschland an. Seitdem brachten mich meine Reisen nach Gotha und immerhin auch nach Kreta, und bei aller Liebe zur thüringischen Küche, die in meinem Fall ehrlich und groß ist: Es ist nicht das Gleiche. Man reist ja eben doch auch wegen der Gerüche und Geschmäcker und da ist auch der Lieferservice kein Ausgleich. Zumal das fünfzigste Sauerteigbrot gebacken ist und ich ein paar neue Herausforderungen gebrauchen kann.

          Schon wieder viel zu viel Stress gemacht: Zutaten kann man auch durch heimische Alternativen ersetzen.
          Schon wieder viel zu viel Stress gemacht: Zutaten kann man auch durch heimische Alternativen ersetzen. : Bild: Andrea Diener

          Nun müssen sich auch Reiseveranstalter etwas einfallen lassen. Online-Seminare sind ein guter Zwischenschritt bis es wieder losgehen kann, und so meldete ich mich zum Online-Kochkurs Thailändische Küche an. Ich bekam eine ziemlich ausufernde Liste an Zutaten zugeschickt, derentwegen ich Märkte, den indischen Lebensmittelhändler auf der nahen Einkaufsstraße und schlussendlich den großen Asiaten in der Innenstadt abklapperte, um die korrekten Zutaten zusammenzukaufen. Wan-Tan-Teigplatten? Bekam ich am Ende dann auch irgendwo. Rosa Pfefferbeeren konnte ich aber beim besten Willen nicht auftreiben.

          Keine Gourmetküche, sondern Streetfood

          Natürlich habe ich mir wieder viel zu viel Stress gemacht. Volker Mehl, Kursleiter des Abends, erklärt uns erst einmal, dass man ziemlich viel substituieren kann. Wenn etwas fehlt, kann man es durch etwas anderes ersetzen. Thai-Basilikum durch Basilikum, zum Beispiel. Oder Ingwer auch mal mit abgeriebener Zitronenschale, wenn Not an der Frau ist. Keine Shiitake-Pilze? Nimm Champignons!

          Gute Idee: Schon mal alles nach Gängen getrennt vorschnippeln und eindosen. Arbeit bleibt während des Kurses noch genug!
          Gute Idee: Schon mal alles nach Gängen getrennt vorschnippeln und eindosen. Arbeit bleibt während des Kurses noch genug! : Bild: Andrea Diener

          Schlau hingegen war mein Plan, schon einmal ordentlich vorzuschnippeln und das Gemüse gerichteweise in Dosen zu packen. In vielen der Küchen, in die ich an diesem Abend per Zoom Einblick habe, stehen Pärchen oder befreundete Duos und teilen sich die Arbeit. Gut, die haben auch alle größere Arbeitsflächen und nicht nur die Oberseite der Spülmaschine. Aber wenn man ein wenig vorarbeitet, bekommt man das auch alleine hin. Und es ist genug Zeit für ein Weinchen – ayurvedisch höchstamtlich erlaubt, sagt man uns – und zwischendurch natürlich auch Zeit zum Essen. Denn die Reisnudeln mit Süßkartoffeln, die nebenbei kochen, sind als erstes fertig. Erst hinterher bemerke ich, dass ich die Kichererbsen völlig vergessen habe. Aber das macht nichts. Das sei hier keine Gourmetküche, sondern Streetfood, beruhigt uns Volker Mehl. Wenn da mal eine Zutat fehlt, ist das nicht schlimm. Das kommt in den besten Bangkoker Garküchen vor.

          Hauptsache, es schmeckt

          Nebenbei plaudert unser Kochkursleiter fröhlich vor sich hin, und erst hinterher bemerke ich, wie viel neben der Schnippelei und Rührerei dann doch hängenbleibt. Dass Sesamöl die Basis ist und nicht das billigere Erdnussöl, das hierzulande meist verwendet wird. Dass Ingwer und Knoblauch, die ich im Mörser zerkleinere, fast immer dabei sind, weil sie Gewürze kompensieren müssen, dass in der ayurvedischen Küche nur ganz wenig gesalzen wird. Was überhaupt der Unterschied zwischen Ingwer und Kurkuma ist, die im Supermarkt oft nebeneinanderliegen und sich so ähnlich sehen. Und was die ayurvedische Lehre über all das denkt. Das aber, muss ich zugeben, ist mir nicht so wichtig, Hauptsache, es schmeckt. Ansonsten wird es schon irgendwie gesund sein. Deshalb kommt auch das gekochte Ei in die Nudelschale, der einzige nicht-vegane Bestandteil heute.

          Premiere: Meine ersten Wan Tan! Nach ein paar Teigtaschen hat man den Dreh raus.
          Premiere: Meine ersten Wan Tan! Nach ein paar Teigtaschen hat man den Dreh raus. : Bild: Andrea Diener

          Der zweite Gang verlangt mir einige Geschicklichkeit ab. Zerkleinertes Gemüse wird in Wan-Tan-Teigtaschen gefüllt – die Blätter kann man im Asia-Laden tiefgekühlt kaufen – und in ordentlich Öl ausgebacken. Die Taschen müssen solide verschlossen sein, damit sich der Inhalt nicht in der Pfanne verteilt. Und das Braten will beaufsichtigt sein, das macht man nicht nebenbei. Deshalb sollte der Mango-Dip möglichst schon vorher durch den Mixer gejagt sein. Ich habe keine frischen Mangos bekommen und nehme daher tiefgekühlte Mangoscheiben, was mit einige Arbeit erspart. Die Wan-Tans backe ich auf Vorrat, werfe sie am nächsten Tag nochmal kurz in die Pfanne und drapiere sie rund um die übrigen Nudeln, bisschen Koriander und Limette drauf, zack, schöner geht Resteessen kaum.

          In der folgenden Woche koche ich weiter Reste – wenn es erlaubt wäre, könnte man sich glatt Freunde einladen. Denn das ist ja das Einzige, was man dann doch vermisst. So gut die Inhalte per Zoom vermittelt werden, die soziale Komponente fällt weg. Man sieht sich zwar und winkt sich auch mal zu, aber um ins Quatschen zu kommen ist der Abend dann doch zu kurz und zu arbeitsreich.

          Aus den Reisnudeln und etlichem Gemüse mache ich in den nächsten Tagen eine Suppe mit Tom-Yum-Paste und Kokosmilch, die dank meiner Basis-Fertigkeiten erstaunlich authentisch schmeckt. Am Ende noch etwas Thai-Basilikum drauf, fertig. Eventuell war das eine der ernährungstechnisch gesündesten Wochen meines Lebens, genau das richtige fürs lange Sitzen im Homeoffice auf jedem Fall. Und dann natürlich der Geruch! Allein für den hat sich der virtuelle Ausflug gelohnt.

          Der Reiseveranstalter „Neue Wege“ bietet Online-Seminare zu Yoga und Ayurveda an unter https://www.neuewege.com/. Kursleiter Volker Mehl ist zu erreichen unter https://volkermehl.com/

          Was haben wir das vermisst: Ausgebackene Wan-Tan-Tasche mit Gemüsefüllung und Mangodip.
          Was haben wir das vermisst: Ausgebackene Wan-Tan-Tasche mit Gemüsefüllung und Mangodip. : Bild: Andrea Diener

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