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Qualität vom Mittelrhein : Trinke Wein, und du wirst wie ein Edler

Sie suchten sich Arbeit im Rhein-Main-Gebiet, die Wingerte verbuschten, die Rebfläche ging um drei Viertel auf kaum fünfhundert Hektar zurück, Familie Jost aber, die seit 1987 dem Verband der Deutschen Prädikatsweingüter (VdP) angehört, hielt auch in den dunkelsten Zeiten am Qualitätsweinbau fest, was fast schon eine Art historischer Verpflichtung ist. Schließlich bewirtschaftet sie als Monopollage den Bacharacher Hahn, einen der besten Weinberge des Weltkulturerbes Mittelrhein, eine fünf Hektar große Kostbarkeit, vollständig vom VdP als Erste und Große Lage klassifiziert.

Hier wird der Winzer zum Alpinisten

Man kann sich eine lebhafte Vorstellung von der Mühsal der Steillagenbewirtschaftung machen, wenn man oben auf dem Hahn steht und im Siebzig-Grad-Winkel auf den Rhein hinabblickt. Hier wird der Winzer zum Alpinisten, der ohne Seilwinde so verloren ist wie der Kletterfreund im Hochgebirge ohne Sicherungsseil. Die Stahlwinde wird auf eine Lafette montiert, an der man sich dann, auf einem kleinen Traktor sitzend, hinauf- und hinunterzieht, um an den Reben zu arbeiten. Und die Mühe lohne sich, sagt Cecilia Jost, denn die mineralische Leichtigkeit und feingliedrige Eleganz der rheinischen Steillagen werde nirgendwo im Flachland erreicht.

Ihre Reben stehen auf reinstem verwitterten Devon-Schiefer, werden mit maximal drei Litern pro Stock und Jahr bewässert, von den Winden im Rheintal zuverlässig getrocknet und zu hundert Prozent von Hand gelesen, wobei der Klimawandel auch eine Luxuslage wie den Hahn nicht verschont. Die Niederschläge würden immer unkalkulierbarer, sagt Cecilia Jost, in warmen Jahren habe manchmal die gesamte Ernte hundert Grad Oechsle, was Gift für das typische Raffinement der Rheinweine sei. Und wegen der immer früheren Blüte müsse sie in kalten Jahren während der Eisheiligen nachts mit Dutzenden von Feuertöpfen ausrücken, um die Triebe vor dem Erfrieren zu schützen und die Ernte vor Totalausfall zu retten.

Die Winzerin Cecilia Jost in der Weinstube ihres Weingutes Toni Jost (Aufnahme von 2014)

Noch ist der Klimawandel glücklicherweise nicht in Cecilia Josts Flaschen angekommen. Und so spricht aus dem Riesling Devon S nichts als die reine Seele des Schiefers, die sich ihre stählerne Mineralität nicht vom geringsten Hauch einer Frucht parfümieren lässt – ganz im Gegensatz zum Großen-Riesling-Gewächs vom Bacharacher Hahn, einem Wein wie einem Weltkulturerbe, der seinen nackten Schiefer in ein Gewand aus reifen tropischen Früchten kleidet, aus Bananen, Mangos und Maracujas, und so zu einer wunderbaren Balance aus Säure, Frucht und Mineralität findet.

Noch voluminöser ist der Riesling vom Walkenberg in Walluf, ein Großes Gewächs aus den Rheingauer Besitzungen der Familie Jost, das mit vierzehn Volumenprozent Alkohol staatstragend auftrumpft, bis zur Füllung auf der Feinhefe ruht und so eine Wucht entwickelt, die aber nicht in Brachialität endet, eine Kraft, die nichts mit Kraftprotzerei zu tun hat. Und wenn man sich dann noch einen verschwenderisch nach Cassis duftenden Spätburgunder vom Bacharacher Hahn gönnt, das einzige rote Große Gewächs am Mittelrhein, oder den elf Jahre alten, einen Aromenschatz aus Ananas und Honig hütenden Hahner Riesling Kabinett, dann kann man nur noch ausrufen: Wie herrlich ist es doch, ein Mensch zu sein!

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