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Weingut Reichsrat von Buhl : Lieber egalitär als elitär

Der Winzer Mathieu Kauffmann bewirtschaftet seine Weinberge biodynamisch, lässt die Trauben in Frieden natürlich reifen. Bild: AD LUMINA Fotoatelier

Mathieu Kauffmann war einer der besten Kellermeister in der Champagne. Dann ging er zum Pfälzer Weingut Reichsrat von Buhl – mit schwerwiegenden Folgen für die deutsche Winzersektkultur. Die Geschmackssache.

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          Es hat sehr lange gedauert, bis sich unser französischer Erbfreund endlich revanchiert und für all das Gute erkenntlich gezeigt hat, das wir ihm angetan haben. Den Westfalen Florenz-Ludwig Heidsieck, den Württemberger Jacob Bollinger, den Mainzer Johann Krug, den Aachener Wilhelm Deutz und die Kölner Brüder Gottlieb, Jacobus und Philipp Mumm haben wir ihm vor langer Zeit nach Reims, Épernay und Ay geschickt, um legendäre Champagner-Häuser zu gründen, deren Ruhm bis heute in aller Welt erstrahlt. Doch erst vor fünf Jahren kam der Dank retour: Mathieu Kauffmann, dreizehn Jahre lang Kellermeister des sagenumwobenen Hauses Bollinger, wechselte zum Pfälzer Weingut Reichsrat von Buhl, mit der erklärten Absicht, deutschen Winzersekt auf Champagner-Niveau zu keltern.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Zehn Jahre lang gibt er sich dafür Zeit, so lange lässt er seine Spitzensekte auf der Hefe liegen. Doch die Neugier darauf, was in den Kellern des Reichsrats heranreift, was so groß, dass er jetzt eine Rosé Prestige 2013 als erste Ahnung des Kommenden abgefüllt hat. So viel sei schon jetzt verraten: Es werden für jeden Schaumweinliebhaber fünf sehr harte Jahre bis 2023.

          Kauffmann ist Qualitätsfanatiker

          In Deutschland gibt es nicht viele Weingüter, die sich den Wagemut des Reichsrats von Buhl leisten können und wollen. Aber Mathieu Kauffmann hat ja auch nicht bei Hinz und Kunz, sondern bei einem der Granden des deutschen Weinbaus angeheuert, einer Institution vatikanischen Ranges, 1849 in Deidesheim gegründet. Fast alle Buhls waren Reichsräte der Krone Bayerns und Abgeordnete der badischen Landtage, sie schenkten ihre Weine bei der Eröffnung des Suez-Kanals aus und gewannen bei den Weltausstellungen von Paris, Brüssel, St. Louis und Philadelphia Goldmedaillen im Akkord. Das Haus gehört zu den hochwohlgeborenen Gründungsmitgliedern des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter, bewirtschaftet allein zwanzig Hektar Große-Gewächs-Lagen, residiert in einem prachtvollen spätbarocken Gutspalast und ist trotzdem weit davon entfernt, sich mit elitärem Dünkel zu parfümieren.

          Qualitätsfanatiker: Mathieu Kauffmann vom Weingut Reichsrat von Buhl.
          Qualitätsfanatiker: Mathieu Kauffmann vom Weingut Reichsrat von Buhl. : Bild: AD LUMINA fotoatelie

          Genau deswegen sei er von der Champagne in die Pfalz gezogen, sagt Mathieu Kauffmann, ein bedächtiger, bodenständiger, restlos uneitler und zugleich vor Leidenschaft für seine Weine brennender Elsässer von Anfang fünfzig, der mit unpatriotischer Inbrunst das Loblied auf seine neue Heimat singt. In der Champagne herrschten Standes- und Kastendenken, man sei entweder arm oder reich, oben oder unten, links oder rechts. In der Pfalz hingegen sitze der Chef beim Weinfest Schulter an Schulter neben seinen Arbeitern, denn hier sei man solidarisch statt snobistisch, egalitär statt elitär. Auch seine Frau und drei Töchter fühlten sich längst in Deidesheim zu Hause, obwohl sie anfangs kein Wort Deutsch gesprochen hätten; für kein Geld der Welt wollten sie zurück in die Champagne. Doch Kauffmann ist Ehrenmann genug, um anzuerkennen, dass in seiner alten, hochnäsigen Heimat die besten Schaumweine der Welt gekeltert werden.

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