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Kolumne Geschmackssache : Der große Bruder des kleinen Sterntalermädchens

  • -Aktualisiert am

Das „Elements“ in Dresden Bild: Stephan Mießner Fotos Archiv

Stephan Mießner wollte in seinem Restaurant „Elements“ einfach nur so vor sich hin kochen. Das hätte ihm so passen können! Inzwischen zählt er zu den Fixpunkten der Dresdner Spitzengastronomie.

          Üblicherweise köpft man bei solchen Gelegenheiten eine Flasche Champagner. Stephan Mießner kochte sich erst einmal einen Herz-Kreislauf-Tee, als er im November 2014 erfuhr, dass sein Restaurant „Elements“ in Dresden mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet worden war. Niemals zuvor hatte er am Herd eines Sterne-Restaurants gestanden, nie hatte er einen Stern angestrebt, und jetzt fühlte er sich nicht wie ein König aus dem Morgenland, sondern eher wie jene bedauerlichen Menschen, die in frühen Science-Fiction-Filmen schockstarr auf bedrohliche Himmelskörper am Firmament blicken. Der Stern könnte Stammgäste abschrecken, die Erwartungen an seine Küche könnten exorbitant werden, fürchtete Mießner, der doch nichts anderes wollte, als in Ruhe vor sich hin zu kochen.

          Zweieinhalb Jahre später sitzt Mießner so entspannt wie der große Bruder des kleinen Sterntalermärchenmädchens in seinem Lokal und hat ganz offensichtlich weder mit seinem Herzen noch mit seinem Kreislauf nennenswerte Schwierigkeiten. Er hat ja auch nichts geändert, weder an sich noch an seiner Küche, seit er seinen Stern hat und auch in allen anderen Restaurantführern wohlwollend beurteilt wird. Ihm käme es ohnehin nie in den Sinn, sich zu verbiegen und von seinem schnurgeraden Lebensweg abzubiegen. Er wurde 1983 in Dresden geboren, verbrachte schon als Kind seine Zeit lieber in der Küche als auf dem Bolzplatz, verdingte sich zu Schulzeiten als Tellerwäscher in einem Wirtshaus, stieg dort zum Hilfskoch auf, ging gutbürgerlich in die Lehre und anschließend auf weltweite Wanderschaft. In der Schweiz und auf den Kanaren kochte er, in Südtirol und Südafrika, nahm von jeder Station bleibende Eindrücke mit und machte sich, als er genug Inspirationen beisammen hatte, in Dresden mit seinem eigenen Restaurant selbständig.

          Frisch wie der Morgentau

          Es liegt am Stadtrand in einem backsteinernen Industrieareal, das auf eine wechselhafte Karriere als Artilleriewerkstatt der königlich-sächsischen Armee, Turbinen-Kombinat der Deutschen Demokratischen Republik und Heimat von Start-up-Unternehmen der postrealsozialistischen Nachwendezeit blicken kann. Auch ein Oldtimerhändler hat hier Obdach gefunden und bietet als Prunkstück seiner Sammlung einen Mercedes 320 Cabriolet von 1939 für 390.000 Euro an. Wer sein Geld klüger anlegen will, geht lieber ein paar tausend Mal gegenüber im „Elements“ essen, wahlweise im Bistro oder im Gourmetlokal, das mit seiner monumentalen Theke, den wuchtigen Lederstühlen, dem offenen Gebälk und den tischdeckenlosen Holztischen seinerseits stark an ein Bistro erinnert.

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