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China-Restaurant Hot Spot : Riesling statt Revolution

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Wundersame Wandlung: Vom Reiswein-Saulus zum Riesling-Paulus. Im Hot-Spot in Berlin bittet Herr Wu die köstlichsten Weine an. Bild: privat

Wie kommt ein eher unauffälliges China-Restaurant zu einer der besten Weinkarten Berlins? Ganz einfach: Indem sein Besitzer sich weigert, seinem Vornamen Folge zu leisten. Die Kolumne Geschmackssache.

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          Die wundersame Wandlung des Jianhua Wu vom Reiswein-Saulus zum Riesling-Paulus begann mit einer dreifachen Versuchung. Als zum dritten Mal der Werbeprospekt eines großen Hamburger Weinhändlers in seinem Briefkasten lag, konnte Herr Wu nicht länger widerstehen. Er bestellte zehn Kisten Bordeaux, und zwar gleich die Hocharistokratie der Grands Crus Classé, obwohl sich seine Bekanntschaft mit Traubenwein zu diesem Zeitpunkt auf Tetra-Pak-Schläuche vom Discounter beschränkte. Als er zu Hause die erste Flasche öffnete, war es sofort um ihn geschehen und die wunderbare Welt des Weins um einen fanatischen Liebhaber reicher.

          Herr Wu sollte noch viele Flaschen daheim entkorken, denn der kühne Plan, die kostbaren Gewächse in seinem China-Restaurant zu verkaufen, das kaum mehr als ein besserer Imbiss war, scheiterte grandios: Nicht einen einzigen Grand Cru wurde er an seine Schweinefleisch-süß-sauer-Kundschaft los. Ein paar Jahre später widerfuhr Herrn Wu an der Mittelmosel sein zweites Erweckungserlebnis, dieses Mal mit Riesling. Und da er inzwischen auch seine Gäste bekehren konnte, ist aus seinem Lokal das erstaunlichste China-Restaurant der deutschen Hauptstadt geworden.

           Jianhua Wu

          Es trägt den eigenwilligen Namen „Hot Spot“, heißt im Chinesischen treffender „Treffpunkt für Freunde“, liegt an einer stillen Seitenstraße des Kurfürstendamms, war in seinem früheren Leben ein schlichtes Steakhaus und sieht im Wesentlichen immer noch so aus. Auf die üblichen roten Lampions, goldenen Löwen und sonstigen China-Restaurant-Chinoiserien verzichtet Herr Wu weitgehend, und fielen nicht vier mächtige Weinschränke mit Platz für jeweils zweihundert Flaschen ins Auge, ginge man an dem Lokal achselzuckend vorüber. Sie aber sind die vier Tempelwächter, die in ein verborgenes Sinnesfreudenreich führen: 250 Positionen stehen auf der Weinkarte des „Hot Spot“, und noch viele Gewächse mehr hat Herr Wu für die Freunde des Hauses in seinem Privatkeller liegen. Die Granden des deutschen Rieslingweinbaus sind fast vollständig vertreten von Bassermann-Jordan und Battenfeld-Spanier über Knipser, Künstler, Molitor, Müller, Weil und Wittmann bis zu J.J. Prüm, Reichsgraf von Kesselstatt, Schloss Johannisberg und Gut Hermannsberg. Dazu gibt es eine schöne Auswahl an Brunello und Barolo, kostbare Exoten wie Henschke Hill of Grace aus Australien und Granite Syrah aus Südafrika und selbstverständlich eine majestätische Kollektion Bordelaiser Schlösser, die mit Mouton und Latour beginnt und mit Ausone und Haut Brion noch längst nicht endet.

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