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Interview mit Keira Knightley : „So ein Schnitzel – fucking hell!“

  • -Aktualisiert am

So sehr sie das Schnitzel mag – Bier trinkt sie nicht gerne: Keira Knightley Bild: Picture-Alliance

Schauspielerin Keira Knightley war mal als Austauschschülerin in Deutschland. Was sie damals erlebte und was sie sonst noch so an deutschem Essen und deutschen Jungs begeisterte, erzählt sie im Interview.

          Als Schauspielerin hat Keira Knightley auf der ganzen Welt gearbeitet, gerade auch in Deutschland. Teile ihres neuen Dramas „Niemandsland – The Aftermath“ sind ebenfalls hier entstanden, in der Nähe von Hamburg. Die 34-Jährige ist darin als Frau eines britischen Soldaten zu sehen, die 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs in die Hansestadt kommt, damals Teil der britischen Besatzungszone. Das Interview am Nachmittag in einem Londoner Hotel am Hyde Park ist eine gute Gelegenheit, zu beobachten, dass manche Klischees eben doch der Realität entsprechen können. Knightley zelebriert während unseres Gesprächs eine britische Tea Time mit Tee und Milch.

          Mrs Knightley, wie erinnern Sie sich an Ihre erste Reise nach Deutschland?

          Ich habe an einem Schüleraustausch mit einer Schule in Konstanz teilgenommen. Das muss in den späten Neunzigern gewesen sein. Ich war vierzehn, und es hat mir wirklich gut gefallen. Konstanz ist schön. Ich war überrascht, wie nett die Menschen waren, und die deutschen Schulen waren großartig.

          Was genau hat Sie da beeindruckt?

          Verglichen mit britischen Schulen, waren sie so sauber. Überhaupt war alles in Konstanz so sauber und aufgeräumt. Das ist mir sofort aufgefallen. Meine Schule in London war auch sehr in Ordnung, aber eben nicht so sauber. Bei uns war alles voller Graffiti. So etwas gab es in Konstanz nicht. Und alle Schüler trugen Pullover von „Fruit of the Loom“. Das ist eine meiner herausragenden Erinnerungen, es schien damals ein must-have zu sein. Und alle fuhren Fahrrad.

          Der deutsche Humor ähnelt dem britischen Humor mehr als sie gedacht hat, so die Schauspielerin.

          Was hatten Sie vor dieser Reise von Deutschland erwartet?

          Oh, jetzt werde ich Sie wahrscheinlich beleidigen.

          Beleidigen Sie mich.

          Ich bin davon ausgegangen, dass das Essen schlecht ist. Weil alle das sagen. Aber wie sich dann herausstellte, war es alles andere als schlecht. Im Gegenteil. Ich habe in Deutschland immer ganz toll gegessen. So ein richtig schönes Schnitzel? Fucking hell, das ist eine wundervolle Erfindung!

          Warum haben Sie sich gerade für Deutschland entschieden?

          Frankreich wäre die Alternative gewesen. Aber mein Bruder hatte Deutsch als Fremdsprache gewählt und ich dann auch.

          Was ist vom Deutschunterricht hängengeblieben?

          Da muss ich Sie enttäuschen. Ich habe es gelernt, erinnere mich aber an nichts. Es ist wie ausgelöscht, bis auf ein paar Floskeln und diesen einen Satz: Das ist die Nummer fünf unserer Hitparade. Das war die Antwort auf eine Frage in einer Klassenarbeit, die ich als Einzige richtig hatte. Wahrscheinlich hat sie sich deswegen in mein Gedächtnis eingebrannt. Es ist kein besonders nützlicher Satz, weil ich ihn noch nicht einmal in eine Konversation einstreuen könnte, ohne irre zu wirken. Mein Bruder hatte den Austausch vor mir gemacht und fand es gut. Also wollte ich auch nach Deutschland.

          Gab es einen deutschen Boyfriend?

          Dafür war ich nicht lange genug da, es war ja nur eine Woche. Die Jungs haben mich damals nicht so beeindruckt.

          „Niemandsland“ wurde zu Teilen in der Nähe von Hamburg gedreht. Wo haben Sie dort gewohnt?

          Ich habe schon öfter während Dreharbeiten in Deutschland gelebt. In Köln, Berlin und jetzt in Hamburg. In Hamburg war ich sechs Wochen. Aber da hatten wir ein Haus außerhalb der Stadt auf dem Land, denn es war näher am Drehort, und meine Tochter war die ganze Zeit dabei. Ich hätte viel lieber in Hamburg gewohnt. Aber von dort hätte ich jeden Tag eine Stunde zur Arbeit fahren müssen. Deswegen habe ich mich letztendlich für die 10 Minuten Fahrtweg vom Landhaus entschieden.

          Was sind die Herausforderungen, wenn man in Deutschland lebt?

          Ich lebe sehr gerne da, und ich arbeite mit deutschen Filmcrews. Erstaunlicherweise ist der Humor am Set unserem britischen doch sehr ähnlich. Inzwischen freue ich mich sogar darauf, und ich sage das nicht nur, weil Sie Deutscher sind. Ehrlich. Und in Hamburg war ich ja nun sogar zum zweiten Mal, denn Teile von „Kick It Like Beckham“ wurden auch dort gedreht.

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