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Online-Empfehlungen : Was taugen Weintipps aus dem Internet?

  • -Aktualisiert am

Welcher Wein schmeckt? Das Netz hält Antworten bereit. Bild: Picture-Alliance

Viele Weinfreunde informieren sich heute online, statt schwere gedruckte Weinführer zu kaufen. Aber kann man den kostenlosen Empfehlungen im Internet tatsächlich trauen?

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          Im Internet gibt es bekanntlich ein Riesenangebot an Informationen über alle möglichen Themen, aber eine weitaus geringere Menge an Wahrheit. Trotzdem informieren sich viele Weinfreunde im Internet, weil es oft kostenlos ist. Man ärgert sich dabei über die Werbung, fragt sich aber selten oder nie, wie eine Website unabhängige Informationen liefern soll, ohne Geld durch Abonnements oder Werbung zu verdienen. Kein Wunder, dass in der Weinszene Gerüchte über die zweifelhafte Unabhängigkeit vieler Weinblogger kursieren.

          Dazu kommt, dass sich im Prinzip jeder zum Internet-Weinkritiker erklären kann, auch ohne jegliche Erfahrung oder besondere Fähigkeiten, außer der persönlichen Vorliebe für giftige Verbissenheit. Das passiert nicht nur in Chatrooms. Um es nochmals ganz deutlich zu machen: Das Internet bietet zweifellos viele Informationen zum Thema Wein. Aber es ist ein Minenfeld.

          Social Media ist auch Quelle des Blödsinns

          Wie also an diese Wein-Wahrheit gelangen? Hier sind einige zuverlässige Quellen: Bei wein-plus.eu ist die Registrierung kostenlos, in dem Weinführer stehen Berichte über mehr als 5000 europäische Winzer, im Glossar über 20.000 Stichworte. Format und Schreibstil sind allerdings konventionell und oft fad. Ganz anders hingegen thewineparty.com des in Berlin lebenden österreichischen Journalisten Manfred Klimek. Bereits seine Schreibe Ende 2009 bis Anfang 2014 für captaincork.com war fetzig, witzig und doch fundiert. Auf seiner Wine-Party gelingt dem „Captain“, wie die Weinszene ihn nennt, das besser als je zuvor. Hier sind spannende Beiträge, auch längere Berichte, zu einer breiten Auswahl an Weinthemen zu finden. Dazu ist Klimek ein begabter Fotograf, seine Porträts sind mit das Beste, was es an aktueller Weinfotografie gibt. Das Design ist stimmig, und diese Kombination macht thewineparty.de zu einem ernsthaften Kandidaten für den Titel „Beste Wein-Publikation in deutscher Sprache“.

          Im englischsprachigen Netz heißt die Konkurrenz jancisrobinson.com. Dort schreibt nicht nur Jancis Robinson, die beste Weinkritikerin der Welt, sondern ein von ihr ausgewähltes Team begabter Regionalkorrespondenten. The Rosengarten Report (drosengarten.com) ist besonders jenen zu empfehlen, die sich für das Thema Wein und Essen interessieren. Sowohl bei Rosengarten als auch bei Robinson gibt es die aktuellen Berichte allerdings nur gegen eine Abo-Gebühr.

          Auch Social Media sind natürlich eine Quelle für Weinempfehlungen, -nachrichten und (bis zu einem gewissen Punkt) -wissen. Hier ist alles möglich, auch viel Blödsinn und Schleichwerbung. Auf Twitter in deutscher Sprache sind Sommelier Hendrik Thoma (@HendrikThoma) und Wein-Multitalent Mario Scheuermann (@weinreporter) nicht nur aktiv, sondern vertreten echte Meinungen. Ob das aber ein vollwertiger Ersatz für ausführliche Berichterstattung sein kann, ist fraglich. Andererseits: Ein gedruckter Weinführer wiegt mindestens ein Pfund!

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