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So nascht man in China : Zum Wohl, meine Konkubine

  • -Aktualisiert am

Leuchtende Augen nicht nur bei den Kleinen: Rotgold locken die chinesischen Tang-Hulu-Spieße aus kandierten Hagedorn-Früchten. Bild: Picture-Alliance

Ihre beliebteste Süßigkeit verdanken die Chinesen der kranken Konkubine eines Kaisers. Ihr wurde sogar ein Schlagerlied gewidmet.

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          Die Geschichte der süßen „Tang Hulu“ beginnt mit einer Schönheit des 12. Jahrhunderts. Als die Lieblingskonkubine des Kaisers Guangzong der Song-Dynastie schwer erkrankte, konnte kein Hofarzt ihr helfen. Da ließ der verzweifelte Kaiser im einfachen Volk nach Ärzten suchen, die die Konkubine retten sollten. Es meldete sich ein Landarzt, der der kranken Konkubine verschrieb, zu jedem Essen über zwei Wochen rote Hagedorn-Früchte zu essen, die er in braunem Zucker gebraten hatte. Die brachten die Konkubine wieder auf die Beine und dem Landarzt Ruhm.

          Auch die süße Delikatesse wurde berühmt. Die knallroten kandierten Hagedorn-Äpfelchen wurden zur beliebtesten Süßigkeit der chinesischen Kaiserfamilie und der wohlhabenden Familien des Landes. Spezielle Köche waren beauftragt, den kaiserlichen Hof mit der klebrigen Nascherei zu beliefern. Erst in der modernen Zeit kamen auch die einfachen Bürger in den Genuss der Delikatesse, die noch während der letzten Kaiserdynastie, der Qing-Dynastie (1644 bis 1911), nur dem Adel vorbehalten war.

          Ein Schlagerlied auf die Tang Hulu

          Zunächst wurde sie vor den Badehäusern der Städte verkauft, die früher nur von Wohlhabenden frequentiert wurden, später auch in den Geschäften. Die runden und roten Tang Hulu galten auch als ein glückbringendes Symbol für Gemeinsamkeit und Zusammenkünfte, da das Wort „rund“ in Chinesisch so ähnlich klingt wie das Wort „Zusammenkunft“ und Rot die Glücksfarbe der Nation ist. So durften die kandidierten Hagedorn-Früchte traditionell auch nicht bei Familienfeiern und großen Essen fehlen.

          Ältere Chinesen erinnern sich daran, dass in den kommunistischen Gründerjahren – als China noch arm und ausländische Spezialitäten und Naschereien wie Schokolade oder Kekse noch gänzlich unbekannt waren – die Tang Hulu die einzige Süßigkeit waren, die man im sozialistischen China gelegentlich erstehen konnte. Die Früchte wurden auf Holzstäbchen gespießt, deren Sauberkeit allerdings oft zu wünschen übrigließ, und dann mit viel Zucker kandiert.

          Vor allem Kinder lieben die langen, rotgold leuchtenden Spieße mit den kandierten Hagedorn-Früchten. In den neunziger Jahren wurde sogar ein Schlagerlied auf die Tang Hulu gedichtet, das ihren Geschmack pries. Bis heute sind die Tang Hulu die beliebteste der traditionellen Süßigkeiten in China. Verkauft werden sie meist von fahrenden Händlern, die auf dem Fahrrad oder Handkarren die Spieße wie einen Strauß zusammenstecken. Die Tang-Hulu-Verkäufer sind jetzt vor allem nahe den Touristenattraktionen Chinas zu finden, wo die chinesischen und ausländischen Besucher noch gerne Traditionelles sehen und probieren wollen. Sie sind nicht teuer, ein Spieß kostet nur umgerechnet 30 bis 50 Cent.

          Für die Zähne sind die Tang Hulu das reine Gift; die dicke und harte Zuckerschicht um die säuerliche Hagedorn-Frucht, die den feinen süßsauren Geschmack der Delikatesse ausmacht, hat schon manchen Zahn angegriffen. Dafür kann man sich aber damit trösten, dass der Hagedorn-Frucht jetzt auch wieder gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden – ganz wie damals zu Zeiten der kaiserlichen Konkubine.

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