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Jüngste Sterneköchin : Champagner mag sie jetzt nicht mehr

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„Vom ersten Tag an war klar, dass ich einen Stern wollte“: Julia Komp bei der Zubereitung eines Menüs. Bild: Wonge Bergmann

Spitzenküche aus der Partyzone: Julia Komp, 28, ist die jüngste Sterneköchin Deutschlands. Ein Besuch im Restaurant „Schloss Loersfeld“ in Kerpen bei Köln.

          Die Jugend hat sich in der Küche versammelt – wie auf einer guten Party: Jan, mit Undercut, erzählt vom Feiern im Kölner Club „Flamingo Royal“, während Julia, mit Henna-Tattoo auf der Hand, Christian, der noch ein wenig verschlafen aussieht, und Anne, der ein paar blonde Strähnen aus dem Pferdeschwanz fallen, an den Arbeitsflächen werkeln. Es könnte eine WG-Küche sein – wäre da nicht auch die Rede von Molekular-Sphären, von Mise-en-place, Jus und Espuma. Wären da nicht die roten Wärmelampen, die edlen Messer und das professionelle Equipment.

          Bei der vermeintlichen Hipster-Kochnische handelt es sich um die Sterneküche des hochherrschaftlichen Restaurants „Schloss Loersfeld“ in Kerpen bei Köln. Christian Lorenz, der Entremetier, zupft die Kresse für die Vorspeise rund um die „Argentinische Garnele“ zurecht. Jan Weber, der Gardemanger, bereitet dazu eine Art Flan aus Erbsen und Kaiserschote vor. Anne Kratz, die Patissière, holt das Thaibasilikum-Eis für das Dessert aus der Kühlung, während Julia Komp, die Küchenchefin, sich mit Hingabe um das Lamm mit Pistazie und Granatapfel für den Hauptgang kümmert.

          Julia Komp war misstrauisch und blieb da

          Im vergangenen Jahr hat Julia Komp, die Frau mit dem Henna-Tattoo, den Stern ihres Vorgängers verteidigen können und ist so zur jüngsten Sterneköchin Deutschlands avanciert. Mit 27 Jahren. Dabei hätte sie sich an jenem Tag im Frühjahr 2016, als die Kritikerin des „Guide Michelin“ zum Testen kam, fast frei genommen. „Für diesen Dienstag war lange Zeit nichts reserviert, dann stand auf einmal eine einzelne Reservierung für eine Person im Kalender“, erinnert sich die inzwischen 28 Jahre alte Komp. „Das kam mir seltsam vor – und ich bin lieber geblieben.“ Was für ein Glück!

          Denn nach dem Essen outet sich die Frau tatsächlich als „Michelin“-Testerin. „Es muss allerdings noch jemand anderes da gewesen sein“, vermutet Komp. „Das Menü, das im Guide steht, ist nicht das, was die Kritikerin an diesem Tag bei uns gegessen hat.“ Überzeugt haben die Tester in jedem Fall das Filet vom Heilbutt mit Rhabarber und Apfel sowie die Keule vom Lamm mit Couscous-Salat und Tomate, so steht es im „Guide Michelin“. Außerdem: die Haselnusskugel mit Sauerampfer und Walderdbeere.

          Die Eltern hofften auf ein Jura-Studium

          Wie kommt es, dass die junge Frau aus Overath im Bergischen Land, deren Eltern dort einen Tischlereibetrieb führen („Papa in der Werkstatt, Mama im Büro“), so eine Leidenschaft für die Küche entwickelte? „Meine Großeltern hatten ein Reisebüro und haben meist Fahrten für ältere Leute organisiert – das waren oft gute Hotels mit Spitzenküchen. Mein Bruder und ich, wir sind als Kinder häufig mitgefahren“, so Komp. „Ich durfte hin und wieder eine Führung durch die Küche machen. Mich hat das als Kind schon fasziniert, dass man Menschen mit Essen so glücklich machen kann. Das wollte ich auch.“

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