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Jüngste Sterneköchin : Champagner mag sie jetzt nicht mehr

  • -Aktualisiert am

Die größte Party gab es natürlich, nachdem Komp im Dezember erfahren hatte, dass sie den Stern fürs „Schloss Loersfeld“ verteidigen konnte. „Wir hatten an dem Tag 60 Gäste, dann waren noch Familie und Freunde da, ständig klingelte mein Telefon. Ich habe keine Zeit gefunden zu essen.“ Aber als die letzten Hauptgänge fertig waren, fiel ihre Anspannung ab, die Korken knallten und die Küche wurde wieder zur Partyzone. „Seitdem kann ich keinen Champagner mehr trinken“, gesteht Komp. Dass ihr Küchenteam auch im Feiern erstklassig ist, zeigt ein Foto, das ein Freund Komps gemacht hat und mit dem sie bei einem Wettbewerb eines Gourmet-Portals teilgenommen und – natürlich – gewonnen haben.

Zwischengang: Argentinische rote Garnelen, Erbsen, Kaiserschote und Miso.

Sieben Frauen unter vielen Männern

Alle sternegekrönten Küchenbrigaden waren aufgerufen, ein Foto ihrer Party bei Facebook hochzuladen. Die Truppe aus dem „Schloss Loersfeld“ siegte mit rund 2000 Likes: Komp sitzt mit Goldkette und Spitzenstrümpfen, wie eine weibliche Version eines Gangsta-Rappers, in ihrer Küche. Um sie herum stehen ihre männlichen Kollegen, teilweise leicht bekleidet. Sie stellt alles auf den Kopf, diese Julia Komp. Nicht nur die Sterneküche, auch die Geschlechterklischees.

Schließlich ist Komp eine absolute Ausnahme. In Deutschland gibt es 285 Sterneköche – und nur sieben Sterneköchinnen. Dabei lag der Anteil der weiblichen Auszubildenden im Kochberuf laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband in den vergangenen Jahren zwischen 20 und 30 Prozent. Irgendwo auf dem Weg nach oben bleiben viele Frauen auf der Strecke. Der Griff nach den Sternen? Rückt für viele Köchinnen in immer weitere Ferne.

Gäste und Umgebung als Motivation

Das dürfte auch mit den familienunfreundlichen Arbeitszeiten in der Spitzenküche zusammenhängen, glaubt Komp, die sich unbedingt mehr Mitstreiterinnen wünscht. Ob Dax-Konzern oder Spitzenküche – am Ende sind es die Frauen, die für die Familie zurückstecken. „Das hier ist ein Knochenjob, meistens starten wir um 10 Uhr morgens. Nicht selten bin ich dann bis Mitternacht in der Küche“, so Komp. Trotzdem tut sie sich das immer wieder an: „Wenn ich bei den Gästen an den Tischen war und in die glücklichen Gesichter schaue, dann weiß ich wieder, wofür ich das alles mache. Das ist meine Motivation, morgens wieder am Herd zu stehen.“

Und das Schloss und der Park natürlich, in den sie sich gleich beim ersten Anblick verliebt hat. „Ich fühle mich hier schon auch ein bisschen wie eine Prinzessin“, sagt Komp, die im Schloss in einem der Appartements wohnt. Trotzdem ist sie sich für nichts zu schade: Sie läuft morgens über den Hof, nur um kurz später den Gästen die Tür aufzuhalten, reicht der Patissière den Nockenlöffel. Bringt die Teller häufig persönlich an den Tisch, spricht mit jedem Gast.

Regelmäßige Auftritte beim WDR

Inzwischen tritt sie regelmäßig in der WDR-Kochshow „Daheim + unterwegs“ auf. Sie ist jetzt schon so etwas wie ein Star, oder? „Na ja, die Kochbranche hat es schon aufgewirbelt, aber in der Bahn erkennt mich noch niemand“, sagt Komp. „Ich habe auch erst 1000 Facebook-Follower.“ Stern hin oder her, die Jugend hat eben ihre eigenen Gradmesser.

Und wie geht es weiter? Was ist das nächste Ziel? Ein zweiter Stern? Ein eigenes Restaurant? Die Sterneköchin, die immer genau wusste, was sie wollte, ist sich unsicher. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mein Ziel so schnell erreiche. Gerade bin ich ein wenig ziellos.“ Zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie keinen festen Plan. Nur eins weiß sie: Morgen früh wird sie wieder in der Küche stehen – und das tun, was sie am besten kann: kochen.

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