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Jüngste Sterneköchin : Champagner mag sie jetzt nicht mehr

  • -Aktualisiert am

Nach dem Abitur beginnt sie die Ausbildung zur Köchin im Sterne-Restaurant „Zur Tant“ in Köln. Wie kam das an? Bei den Eltern, die doch gehofft hatten, ihre Tochter würde einmal Richterin werden? „Die konnten da gar nichts zu sagen. Bevor das Thema Berufswahl konkret wurde, hatte ich mit 14 Jahren schon meinen ersten Praktikumsvertrag unterschrieben. Aber ich glaube, die können sich jetzt auch nicht beschweren“, findet die Köchin, die so unbekümmert wirkt, aber extrem ehrgeizig ist.

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Das Team geht vor

„Vom ersten Tag der Ausbildung an war klar, dass ich einen Stern wollte“, sagt Komp. „Und wenn ich etwas will, dann mache ich alles dafür.“ Alles heißt wirklich alles: Sie sammelt Erfahrungen bei vielen Sternehäusern in und um Köln, etwa im Restaurant „La Societé“ oder im inzwischen geschlossenen „La Poêle d’Or“. Sie nimmt an etlichen Kochwettbewerben teil, meist gewinnt sie.

Trotzdem erklärt sie, die gerade das Lamm mit Peperoni, Zitronengras und Knoblauch anbrät, ihren Erfolg so: „Ein Koch ist nur so gut wie sein Team.“ Ist das typisch weiblich – das Team so hervorzuheben und nicht die Einzelleistung? Komp glaubt: ja. „Frauen sagen eher ,wir‘ – Männer sagen ,ich‘.“ Sie handhabe das anders: „Wenn ich eine tolle Einladung bekomme, dann frage ich die anderen, ob sie mitkommen wollen. Dann gehen wir als Team hin“, sagt Komp bestimmt und schiebt das Lamm in den Ofen.

Dessert: Geräucherte Ananas, Kokos, Thaibasilikum und Avocado.

Komp möchte das Angebot für junge Menschen attraktiver machen

„Kannst du schon mal die Kichererbsen für das Crumble ankuttern?“, fragt sie Jan Weber, der sich daraufhin gleich daranmacht, den „Crunch“ zu zerkleinern und zu vermengen. Ist sie streng, die Chefin? „Nein. Eher das Gegenteil“, sagt Weber, der sich als Gardemanger um die kalten Speisen kümmert. „Im Gegensatz zu vielen männlichen Chefs bin ich sehr einfühlsam“, findet Komp. „Wenn ein Mitarbeiter Liebeskummer hat, dann höre ich mir schon die ganze Geschichte an und versuche ihn eventuell sogar für den Tag nach Hause zu schicken.“

Komp glaubt, dass sie als Küchenchefin zu Beginn vielleicht hätte härter sein müssen. „Aber das fiel mir sehr schwer. Als der alte Chef Ende 2015 gegangen ist, bin ich mit 26 Jahren zur Chefin der fünf anderen geworden: Das Team bestand damals nur aus Männern, die alle genauso alt waren wie ich oder sogar älter.“ Das sei nicht immer einfach gewesen. Hinzu kommt: Die junge Frau will als Küchenchefin so einiges umkrempeln. Komp möchte die klassische französische Schlossküche erneuern und für junge Menschen attraktiver machen, die sich selten auf das historische Anwesen der Familie von Fürstenberg außerhalb von Kerpen verirren. Ein Sieben-Gänge-Menü in den edlen Hallen mit Stuckdecken kostet 139 Euro pro Person. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass man nicht alles von heute auf morgen verändern kann.“ Ihre Idee, einen Rabatt für unter Dreißigjährige anzubieten, kann sie nicht durchsetzen. Das Team fürchtet, dass Ältere sich benachteiligt fühlen könnten.

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