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Spitzenkoch Peter Tempelhoff im Gespräch : „Südafrikaner grillen immer und einfach alles“

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Mit ausgefeilter europäischer Technik veredelt: Ente aus Peter Tempelhoffs Küche. Bild: KPRN

Spitzenkoch Peter Tempelhoff spricht im F.A.S.-Interview über seinen ehemaligen Beruf als Holzfäller, deutschen Riesling und den kulinarischen Schmelztiegel seiner Heimat.

          4 Min.

          Herr Tempelhoff, Sie gelten als bester Koch Südafrikas. Wie sind Sie zur Spitzenküche gekommen?

          Ich habe zunächst Wirtschaftswissenschaften studiert, aber das war ein Fehler. Das Studium war mir viel zu theorielastig. Ich wollte keine Karriere nur an einem Schreibtisch machen, sondern etwas Praktisches tun. Ich habe mich dann erinnert, dass mir das Kochen am heimischen Herd, in der elterlichen Küche mit meiner Mutter, immer viel Spaß bereitet hatte, und habe mich entschlossen, Küchenchef zu werden.

          Was haben Ihre Eltern zu dieser unerwarteten Berufswahl gesagt?

          „Besser als Holzfällen!“

          Holzfällen?

          Ja, nach der Beendigung des Wirtschaftsstudiums habe ich mich einige Zeit als Holzfäller in der Nähe von Durban verdingt – bis mir das dann doch zu stupide wurde. Im Alter von 26 Jahren habe ich mich dann entschlossen, endlich das zu tun, was ich selbst wollte: den Beruf des Chefkochs erlernen.

          Wie hat sich das Ende der Apartheid in den neunziger Jahren auf die südafrikanische Spitzengastronomie ausgewirkt?

          Ausschließlich positiv. Es hat der gehobenen Küche einen enormen Schub beschert und das Verständnis für exzellentes Essen gefördert. Und wir Köche hatten endlich Zugang zu vielen Zutaten, die während der Zeit des Boykotts erst gar nicht ins Land kamen. Als ich 1986 beschlossen habe, Koch zu werden, spotteten meine Freunde, nur Frauen und Homosexuelle würden den Beruf des Küchenchefs wählen. Das hat sich radikal verändert. Heute ist Koch in Südafrika ein Trendberuf. Wir können hier gar nicht so schnell gute Köche ausbilden, wie neue Restaurants im Land eröffnet werden.

          Sie haben nach ihrer Ausbildung in Südafrika sieben Jahre in London gelebt.

          Ich habe in London zuerst im „Quo Vadis“ für ein Jahr gearbeitet, dann im „Hambleton Hall“ bei meinem Mentor und Freund, Aaron Patterson, und schließlich im „Locatelli’s“. Dann wurde ich Chef im „Automat“ in Mayfair, das war damals das beste und angesagteste Restaurant in London. Ich habe in dieser Zeit alles gelernt.

          „Keep it simple“: Tempelhoff.
          „Keep it simple“: Tempelhoff. : Bild: Fricke, Helmut

          Warum haben Sie England wieder verlassen?

          London lag als Ziel für mich zunächst auf der Hand, es war für mich die natürliche Wahl, denn dort lebte meine Schwester, und der Ruf der Londoner Gastronomie in Europa war sehr gut. Die weitere Ausbildung dort war für mich eine harte Zeit, aber sie hat mir viel gegeben. Ich habe schließlich in London geheiratet, und wir haben ein Baby gekommen. Die Metropole London ist meines Erachtens aber kein guter Platz, um ein Kind großzuziehen. Außerdem: Ich habe für das beste Restaurant des Landes gearbeitet, das mehrfach für seine Leistungen ausgezeichnet wurde. Was hätte ich dort noch erreichen wollen?

          Einem kreativen Spitzenkoch steht die Welt offen. Warum sind Sie zurück nach Südafrika?

          Das stimmt, aber ich hatte Heimweh. Das Lebensgefühl in Südafrika ist einfach etwas Besonderes. Alle Südafrikaner, die ich kenne und die im Ausland leben, haben Heimweh. Außerdem waren sieben Jahre London einfach genug.

          Dennoch verlassen bis heute vor allem viele weiße Südafrikaner ihre Heimat. Haben Sie selbst einmal daran gedacht, wieder zu gehen?

          Nein. Wir könnten zwar jederzeit nach Kanada gehen...

          Ihre Mutter ist Kanadierin.

          Aber wir haben kein Verlangen danach. Südafrika ist ein phantastisches Land für jeden, der sich dort selbständig machen will. Der Mutige hat dort alle Möglichkeiten und staatliche Unterstützung bei der Unternehmensgründung. Das habe ich auch bei der Eröffnung meines ersten eigenen Restaurants in Kapstadt erfahren.

          Die wirtschaftliche Lage in Südafrika ist derzeit nicht rosig, die Landeswährung extrem schwach.

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