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Das „Mast Weinbistro“ hat drei Hauben des „Gault Millau“ für seine Küche bekommen. Bild: Hersteller

Wiener Bio-Weine : „Ganz Wien atmet Karakterre“

  • -Aktualisiert am

Am Wochenende feiert eine internationale Messe in Wien Naturweine. Die Stadt hat sich neben London und Paris als Zentrum für biologische und biodynamische Weine etabliert. Ein Rundgang.

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          Wenn sich am zweiten Adventswochenende Europas Naturweinszene bei der Messe Karakterre in Wien trifft, wird „Parker gave me 50“ auf zahlreichen T-Shirts und Plakaten prangen: ein selbstironischer, mehr stolzer als trotziger Leitspruch der Naturweinbewegung, der sich auf die Abneigung des amerikanischen Wein-Richters Robert Parker gegen Naturweine bezieht. Dessen Höchstpunktezahl beträgt hundert. Fünfzig Punkte hingegen bezeichnen per definitionem inakzeptable Weine. Naturweine, also möglichst ohne Eingriffe hergestellte Weine aus biologisch oder biodynamisch kultivierten Trauben, haben Parker bisher nicht überzeugen können. Was Avantgarderestaurants und Bistros rund um den Globus nicht davon abhält, ihre Weinkarten mit diesen teilweise exzentrischen Weinen zu bestücken, manchmal sogar ausschließlich.

          Wien, das seit Jahren eine steigende Anzahl an Naturweinbars verzeichnet und mittlerweile eines der europäischen Zentren der Naturweinszene ist, ist seit einigen Jahren auch Gastgeberstadt für den internationalen Naturweinsalon Karakterre. Seiner historischen Rolle als Drehscheibe zwischen Ost- und Westeuropa wird Österreichs Hauptstadt mit dieser Veranstaltung tatsächlich gerecht: Bei der Karakterre geht es vor allem um „low-intervention wines“ aus Österreich und seinen Nachbarländern. Neben Winzern und Winzerinnen aus Slowenien, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Deutschland, der Schweiz und Italien sind aber auch andere europäische Weingüter zu Gast. Dass die Messe nun auch von der „Österreichischen Wein Marketing“ finanziell unterstützt wird, ist ein großer Schritt hinsichtlich der Anerkennung von Naturweinen.

          Im „O Boufès“ gibt es Sardinen-Snacks zum Wein.

          „Ganz Wien atmet rund um den 7. Dezember Karakterre“, sagt Veranstalter Marko Kovac, Weinhändler aus Kroatien und einer der wichtigsten internationalen Promoter für zentraleuropäische Naturweine. Die Besucher werden sich also nicht nur in der Messehalle im Museumsquartier nahe der Ringstraße treffen, sondern auch Wiens Naturweinlokale aufsuchen; einige wurden vom Guide Michelin mit einem „Bib Gourmand“ bedacht, dem kleinen Bruder des Sterns.

          Der Vorreiter

          Das erste dieser Art war 2015 das „O boufés“ des Sternekochs Konstantin Filippou in einer ruhigen Ecke der Innenstadt, direkt neben seinem Fine-Dining-Restaurant. Das Lokal im Industrial-Stil war ein Vorreiter, mit dem Wiens Gastronomie damals gleich um ein beträchtliches Stück internationaler wurde. Auf der Karte: ungeschönte Weine mit Ecken und Kanten, teils maischevergoren, also „orange“, aus Georgien, Frankreich, Südafrika und anderen Ländern. Und natürlich Weine von österreichischen Winzern wie Judith Beck, Christian Tschida, Gut Oggau oder den Rennersistas – allesamt international etabliert. Außerdem im „O Boufés“: kleinere und größere Gerichte wie Sardinen mit Rettich, Kürbiskernöl und Koriander oder, ein Klassiker von Anfang an, Garnelensaganaki mit Feta und Basilikum.

          Langjährige Vertrauensbasis

          Aus der Sternegastronomie kommen auch die Sommeliers Matthias Pitra und Steve Breitzke. Die beiden Wein- und Fußballfanatiker eröffneten 2017 ihr „Mast Weinbistro“ im Bezirk Alsergrund. Die Weinkarte sieht zum überwiegenden Teil Naturweine vor, darunter solche von Winzern wie Pierre Overnoy aus dem französischen Jura, die extrem restriktiv mit ihren Mengen und Abnehmern sind. Es braucht eine langjährige Vertrauensbasis, um solche Weine ausschenken zu dürfen.

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