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Wein aus Neuseeland : New Wine Land

Der Aufstieg begann mit Sauvignon Blanc. Noch immer ist die von der Loire stammende Traube die mit Abstand wichtigste Rebsorte und macht mehr als die Hälfte der Anbaufläche und 85 Prozent der neuseeländischen Weinexporte aus. Kevin Judd stand vor 30 Jahren am Beginn dieser Bewegung. Sein „Cloudy Bay“, benannt nach einer langgezogenen Bucht in Marlborough, sorgte mit enormer Frische und überschwänglichen Aromen von Gras, Stachelbeeren und Melone für Furore. Noch heute gilt er vielen Kritikern als bester Sauvignon Blanc der Welt. In Neuseeland führte der Erfolg zu einer regelrechten Sauvignon-Industrie, die den „Cloudy-Bay“-Stil zum Trend gemacht und mit der extremen Fruchtigkeit vor allem junges Publikum angesprochen hat.

Marlborough ist auch heute noch das größte und wichtigste Anbaugebiet Neuseelands. Rund um die Kleinstadt Blenheim erstrecken sich entlang der Cloudy und der Clifford Bay endlose Rebflächen. Einige der Großkellereien wirken aus der Luft wie Fabriken inmitten des ausgedehnten Grüns. Aber es gibt auch viele kleinere Boutique Wineries, die auch Rebsorten jenseits des allgegenwärtigen Sauvi-gnon Blanc eine Chance geben. Etwa der einstige „Cloudy Bay“-Macher Kevin Judd, der in seinem neuen Weingut Greywacke neben sensationellen Sauvignons auch bemerkenswerten Chardonnay und Pinot Gris keltert. Oder der aus Großbritannien stammende Weinmacher Andrew Hedley vom Weingut Framingham, der sich mit Riesling einen Namen gemacht hat und vor allem Besucher aus Deutschland das Staunen lehrt mit seinen trockenen und süßen Tropfen, die es mit jedem großen Riesling von der Mosel oder aus dem Rheingau aufnehmen können.

Ein wenig im Schatten des übermächtigen Marlborough stehen die anderen Anbaugebiete Neuseelands: das winzige Nelson auf der anderen Seite der Marlborough Sounds, der fjordartigen Landschaft an der Nordspitze der Südinsel; das äußerst dynamische Waipara Valley nahe der immer noch vom Erdbeben gezeichneten Stadt Christchurch; aber auch die schon etablierten Regionen auf der Nordinsel wie Hawk's Bay und Wairarapa. Vielleicht das auffälligste Merkmal der Kiwi-Winzer: ihre Innovationskraft und Neugierde. Überall erschließen sie neue Lagen und experimentieren mit alternativen Produktionsverfahren. Viele arbeiten wie Rudi Bauer und Nick Mills nach biodynamischen Grundsätzen, andere nutzen wilde Hefen und verzichten auf Filtration oder Schönung, und Dom Maxwell aus dem Waipara-Tal lässt seine Moste gar direkt im Weinberg gären, weil er ihnen den Keller nicht zumuten und sie in ihrer natürlichen Umgebung belassen will.

Das offensichtlichste Beispiel für den Pioniergeist ist wahrscheinlich der Umgang mit Korken. Während sich die meisten Winzer in Europa trotz der enormen Probleme mit dem Naturprodukt nur langsam von ihrem Traditionsverschluss trennen können, haben die Kiwis Fakten geschaffen. Nachdem sie in den Jahren 1999, 2000 und 2001 bis zu 20 Prozent ihrer Produktion durch Korkfehler verloren hatten, stellten mehr als 90 Prozent der Betriebe auf Schraubverschlüsse um. „Das ist das klassische Beispiel dafür, dass wir nicht den Ballast der Tradition mit uns herumschleppen müssen und dadurch flexibler und schneller sind“, sagt Rudi Bauer.

Der Österreicher hat schon die nächste Innovationsrunde eingeläutet. Außer seinem Pinot Noir macht er nun auch drei hochwertige Schaumweine in traditioneller Flaschengärung. Das ganze Weinland ahmt ihn nach. Sogar im Sauvignon-Heartland Marlborough hat ein Dutzend Winzer die Vereinigung „Methode Marlborough“ gegründet, um ihre anspruchsvollen Schaumweine zu vermarkten. Vielleicht kommt da noch etwas Neues vom anderen Ende der Welt auf uns zu.

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