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Wein aus Neuseeland : New Wine Land

Revolutionär: Winzer Rudi Bauer Bilderstrecke

Ein paar Kilometer weiter nördlich, im damals noch jungen Weingut Rippon am Lake Wanaka, bekam er Ende der Achtziger seine Chance. Schnell löste er den Burgunder-Rausch aus: 1991 gewann er mit seinem Pinot Noir einen ersten Preis. Danach gab es kein Halten mehr. Schon bald zogen immer mehr Weinmacher in die Region am 45. Breitengrad. Heute zählt das südlichste Anbaugebiet der Welt insgesamt 175 Betriebe, und es dürften in den nächsten Jahren weitere dazu kommen. „Das Besondere an unseren Pinots ist ihre Reinheit, ihre Klarheit, dieser präzise Ausdruck der Rebsorte mit ihrer süßen Frucht und ihren Gewürznoten“, sagt Bauer, der längst seinen eigenen Betrieb führt. „Sie haben diese intensive Ausstrahlung und Lebendigkeit, die typisch für Neuseeland ist.“

Weinland mit der schnellsten Entwicklung

Quartz Reef heißt Bauers Weingut. Es hat etwa 30 Hektar und wird von dem Sechsundfünfzigjährigen biodynamisch bewirtschaftet, also nicht nur biologisch, sondern unter Beachtung weiterer Regeln zur Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit. Er macht kraftvolle, fruchtige und dennoch vergleichsweise herbe und elegante Tropfen, die eher an einen deutschen Spätburgunder als an einen Pinot Noir aus dem Burgund erinnern.

In Rippon, wo die Pinot-Revolution ihren Ausgangspunkt hatte, macht inzwischen Nick Mills, Sohn der Gründer Rolfe und Lois Mills, die Weine – bekannt für seine Angewohnheit, immer und überall barfuß herumzulaufen. Das Familienweingut bietet einen der spektakulärsten Blicke der gesamten Weinwelt – auf Lake Wanaka, Ruby Island und die auch im Sommer schneebedeckten Gipfel. Mills war in seiner Jugend ein begnadeter Skifahrer und nur wegen einer Knieverletzung nicht im Kiwi-Olympia-Team 1998. Er studierte Weinbau im Burgund, brachte viele Ideen aus der alten Welt mit und machte sein Weingut zu einem Vorzeigebetrieb. Auch er setzt seit einigen Jahren auf biodynamische Produkte.

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Und er glaubt an das Potential seiner Heimat: „Wir stehen erst am Anfang einer sehr langen Reise.“ Central Otago ist das jüngste Anbaugebiet Neuseelands. Aber auch die anderen neun Regionen sind im internationalen Vergleich noch jung. Kein anderes Weinland hat jemals eine derart schnelle Entwicklung erlebt. An einigen Orten auf der Nordinsel wurden zwar schon in der Kolonialzeit Anfang des 19. Jahrhunderts Rebstöcke gepflanzt und auch Weine gekeltert. Modernen Weinbau gibt es aber erst seit knapp 40 Jahren – ein Wimpernschlag im Vergleich zur tausendjährigen Weintradition in manchen Regionen Europas. Die ersten Reben, die für eine kommerzielle Produktion geeignet sind, wurden erst in den siebziger Jahren nach Neuseeland importiert – unter anderen Müller-Thurgau aus Deutschland. Noch 1978 gab es auf der Nordinsel nur ein paar Dutzend Weinbaubetriebe und auf der Südinsel gerade einmal drei. Heute sind es insgesamt 675, davon mehr als die Hälfte auf der Südinsel. 1990 lag die Anbaufläche im ganzen Land bei weniger als 5000 Hektar, inzwischen sind es mehr als 36.000 Hektar.

Die Vielfalt macht's

Von den meisten anderen Weinländern unterscheidet sich Neuseeland durch die außergewöhnliche Vielfalt. Die beiden Pazifikinseln erstrecken sich über mehr als 1500 Kilometer von Nord nach Süd, und die landschaftlichen und klimatischen Bedingungen sind so facettenreich wie zwischen Nordafrika und Nordeuropa. So werden von den Kiwi-Winzern im trockenen, kühlen Süden feine Pinot Noirs und Rieslinge gekeltert, während sie im feuchten, heißen Norden wuchtige Tropfen aus Syrah- und Merlot-Trauben auf die Flaschen ziehen. Die mit Abstand wichtigsten Rebsorten sind zwar Sauvignon Blanc und Pinot Noir. Aber längst sind auch Chardonnay, Gewürztraminer, Pinot Gris, Cabernet Sauvignon, Malbec und Semillon zu finden. Selbst exotische Sorten wie der iberische Albarino, der südafrikanische Pinotage und der italienische Arneis haben in manchen Weinbergen ihren Platz gefunden. Rudi Bauer hat aus seiner Heimat gar Grünen Veltliner hergeholt – „Rudi's Gruner“ ist ein Tropfen mit kräftigen Zitrus-, Aprikosen- und Pfeffernoten ganz in österreichischer Tradition.

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