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Dauerhaft geschlossen : In Berlin gibt es die Currywurst künftig ohne Museum

Currywurst gibt es in Berlin auch weiterhin – allerdings ohne Museum. Bild: dpa

Berlin gilt als Heimat der Currywurst. Doch das 2009 eröffnete Currywurst-Museum musste nun schließen. Die Betreiber haben aber schon neue Pläne.

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          Es gibt sie mit und ohne Darm, und sie wird wahlweise ohne alles, mit einem weichen Brötchen oder auch mit Pommes Frites verzehrt: Der Currywust ist eines der beliebtesten Imbissgerichte Deutschlands. Jedes Jahr werden 800 Millionen solcher Würste in Deutschland an Frau, Mann und Kind gebracht. Als Heimat der proletarischen Spezialität gilt Berlin. Denn hier soll in der Nachkriegszeit Herta Heuwer, Betreiberin eines Imbissstands im Bezirk Charlottenburg, die besondere Currywurstsauce erfunden haben; eine Gedenktafel am Ort der ehemaligen Wurstbude an der Ecke Kantstraße und Kaiser-Friedrich-Straße erinnert an die heroische Tat aus dem September 1949.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Geschichte der besonderen Wurst, deren Erfindung wohl eine Reaktion auf den Geschmack der amerikanischen Besatzungstruppen war und die seitdem ihren Siegeszug über Berlin und Deutschland hinaus angetreten hat, widmete sich seit 2009 das Berliner Currywurst-Museum. Es war unweit des ehemaligen Ost-West-Grenzübergangs Checkpoint Charlie gelegen. Zu bestaunen gab es unter anderem eine Imbissbude von innen, Herta Heuwers nachgebaute Wohn- und Soßenküche oder eine Riechorgel mit verschiedenen Currymischungen. Doch im neuen Jahr können Berlin-Touristen nicht mehr auf dem Wurstsofa in der Schützenstraße Platz nehmen. Denn drei Tage vor Weihnachten hat das Currywurst-Museum dichtgemacht. Zettel an der Tür und ein Hinweis im Internet machen klar, dass die Einrichtung „dauerhaft geschlossen“ ist. Knapp eine Million Touristen hatten im Laufe von neun Jahren das Museum besucht. Den auslaufenden Mietvertrag wollten die Betreiber nun nicht mehr verlängern.

          Wie groß ist der kulturelle Verlust für die Stadt?

          Wie groß der kulturelle Verlust für die Stadt ist, darüber lässt sich streiten. Manche Nutzer fanden den Eintritt von elf Euro zu teuer, andere bemängelten, dass einige der interaktiven Attraktionen zuletzt nicht mehr funktionierten. Die Ausstellungsstücke sollen zunächst eingelagert und später im Zuge einer Wanderausstellung verwendet werden, um den „Kultsnack aus Berlin international noch bekannter zu machen“ – das jedenfalls berichtet der „Berliner Kurier“ über die Pläne der Museumsbetreiber.

          Ob mit oder ohne Museum – die Currywurst bleibt beliebt in Berlin. Angeblich werden in der Hauptstadt jährlich 70 Millionen mit roter Soße garnierte Brühwürste verspeist, seit einigen Jahren an manchen Imbissen in Bioqualität. Aufnehmen mit der Curry-Wurst kann es allenfalls der Döner Kebab. Der wurde, so will es die Legende, nach dem Zuzug türkischer Gastarbeiter 1972 ebenfalls in Berlin erfunden. Die Quellenlage ist allerdings unsicher. Ein Döner-Museum hat Berlin jedenfalls nicht.

          Kult-Imbiss : Woher kommt die Currywurst?

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