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Umweltbewusste Ernährung : Was würde Greta essen?

  • -Aktualisiert am

Grundsätzlich sind regionale Produkte gut, sagt Manuel Klarmann. Im März Tomaten aus dem Gewächshaus zu kaufen sei hingegen nicht hilfreich. Bild: dpa

Die einen zählen Kalorien, andere achten auf Fettsäuren, wieder andere auf Zusatzstoffe: Viele Menschen essen bewusster. Neben den Nährwerten will nun auch die Umweltbilanz bedacht sein.

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          Eine Goldgrube betreibt man, bis sie erschöpft ist. Bei Münir Kusanc war es andersrum. Seine Goldgrube erschöpfte ihn, jeden Tag 16 Stunden Arbeit, kein Samstag, kein Urlaub. Jahrelang ging das so, erzählt er am Telefon. Irgendwann hatte er genug und verkaufte seine Goldgrube.

          Kusancs Goldgrube führte nicht unter Tage. Sie lag weder in Südafrika noch in Mexiko, aber immerhin mitten in der Augsburger Innenstadt. Wer dort einen türkischen Imbiss betreibt, der als bester Döner der Stadt gilt, kann viel verdienen. Das Problem war nur: Kusanc hatte den Sinn für sein am Drehspieß gegrilltes Fleisch verloren. Er hat überhaupt den Sinn für Fleisch verloren. Denn der heute 43-Jährige hat sich irgendwann die, wie er sagt, „spirituelle“ Frage gestellt, ob für sein Essen wirklich „ein fühlendes Lebewesen sterben muss“. Nein, fand er und wurde erst Vegetarier, dann Veganer.

          Im vergangenen August hat der Weltklimarat eine Analyse vorgelegt, die mit Spiritualität nichts zu tun hat. Für den „Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme“ haben Wissenschaftler aus der ganzen Welt Studien zusammengetragen, die sich mit den Auswirkungen unserer Ernährung auf die Umwelt befassen – alles, was wir essen, kommt irgendwo her. Gemüsefelder sind keine Flussauen mehr; wo Weizen wächst, standen früher Bäume, die nicht länger Kohlendioxid aus der Luft binden können. Neben dem Flächenverbrauch beeinflussen Düngen und Füttern, Verarbeitung, Verpackung und Transport von Lebensmitteln das Klima.

          Zwischen 21 und 37 Prozent aller Treibhausgase werden laut Weltklimarat ausgestoßen, damit wir essen können. Ganz richtig ist dieser Satz nicht. Denn die Treibhausgase entstehen in diesen Mengen nicht, damit wir genug Nahrung haben, um satt zu werden, sondern damit wir das essen können, was wir essen wollen. Manche der Lebensmittel sind nämlich deutlich schädlicher für das Klima als andere. Deshalb überlegen immer mehr Menschen, wie eine klimaschonende Ernährung aussehen könnte.

          Umweltbilanz übersichtlicher und vergleichbar machen

          „Es gibt hier ein Problem, das wir angehen müssen“, sagt Manuel Klarmann. Seit 2008 arbeitet der deutsche Mathematiker in Zürich daran, die Klimabilanz von möglichst vielen Produkten auszurechnen. „Eaternity“ heißt das Unternehmen, das er mit einigen Kollegen seither betreibt. „Wir müssen pro Kopf eine Tonne CO2 sparen, um die Klimaziele zu erreichen.“ Bisher habe aber ein Werkzeug gefehlt, mit dem jeder Einzelne die Umweltbilanz der eigenen Ernährungsgewohnheiten untersuchen konnte. „Aber jetzt haben wir 50.000 Berechnungen fertig“, erzählt Klarmann im Videochat.

          Wo kommen unsere Einkäufe her, wie werden sie hergestellt?

          Er ist beileibe nicht der erste, der sich für die Klimabilanzen von Lebensmitteln interessiert. Aber seine Idee war es, nicht nur zu berechnen, wie viel CO2 anfällt, sondern die Lebensmittel miteinander vergleichbar zu machen. Denn die Klimabilanz eines Steaks ist viel schlechter als die von Salat. Fleisch hingegen macht dafür satter. Und ohnehin braucht der Körper verschiedene Nährstoffe – immer nur Steaks funktioniert genauso wenig wie immer nur klimafreundlicher Salat. Eaternity berücksichtigt deshalb bei jedem Produkt, wie viel es dazu beiträgt, den allgemeinen Nährstoffbedarf zu decken, und setzt das Ergebnis dieser Analyse ins Verhältnis zum Ausstoß von Treibhausgasen. Ist der um die Hälfte niedriger als beim Durchschnitt aller Lebensmittel, vergibt Eaternity die Bestnote für das Lebensmittel: drei Sterne. Veganz, ein Hersteller von verschiedenen veganen Produkten, ist das erste Unternehmen, das die Bewertung von Eaternity auf die Verpackungen druckt.

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