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Feinkostladen in Frankfurt : Genussvolle Großzügigkeit

Breites Angebot: Claudia Grämlich in ihrem Feinkostladen „Il Gusto“, in dem sie auch Schmuck und Dekoartikel verkauft. Bild: Wonge Bergmann

Das „Il Gusto“ ist mehr als nur ein Feinkostladen in Frankfurt. Die Inhaberin Claudia Gramlich begeistert mit ihrer Großzügigkeit und ihrer nonchalanten Art.

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          Es kann passieren, dass jemand bei ihr einkaufen will und erst einmal auf einen Kaffee oder ein Glas Wein vor der Tür eingeladen wird. An einem frühen Abend zum Beispiel, nachdem die Chefin mittags besonders viele Essen gekocht und dann noch Kisten ausgepackt hat: mit Dingen, die den Kosmos bestücken, der „Il Gusto“ heißt und mit „Feinkostladen in Sachsenhausen“ nicht falsch, aber unzureichend beschrieben ist.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „So wie andere ein Weingut machen wollten, so haben wir diesen Laden gemacht“, sagt Claudia Gramlich. Vor 19 Jahren hat sie „Il Gusto“ eröffnet, zusammen mit einem Freund. Ihre Qualifikation war ein Studium der Volkswirtschaft, eine familiäre Bindung an das Gastgewerbe – Eltern und Großeltern hatten ein Hotel – und die Liebe zum Kochen. Warum macht eine Akademikerin ein Geschäft auf? An der Universität sei ihre Leidenschaft für das gewählte Fach schnell erkaltet, erzählt Gramlich. Nach dem Grundstudium habe sie aufhören und lieber Köchin werden wollen. Die Mutter riet ab, die Tochter hörte auf den Rat, studierte zu Ende. Arbeitete bei Linde, aber nicht lange, machte sich schließlich 2001 mit ihrem Kompagnon selbständig.

          Käse, Schmuck und Mittagessen

          Marcus Casagrande, Spross einer Frankfurter Familie italienischer Gastronomen, steigt bald aus, er ist Vater, ist im Restaurant der Eltern engagiert. Das Konzept „Il Gusto“ wird mit den Jahren immer größer. Gramlich verkauft Käse, Wurst, Wein, Gewürze. Belegte Brötchen, edle Konserven. Zusätzlich nimmt sie Messer, Dekorationsartikel und Schmuck ins Sortiment auf, auch Handtaschen kann man bei ihr kaufen. Eine Weile gibt es eine Filiale in Neu-Isenburg.

          Von außen: „Il Gusto“ im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen
          Von außen: „Il Gusto“ im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen : Bild: Wonge Bergmann

          Besonders gut entwickelt sich das Catering-Geschäft. Gramlich hat drei Angestellte, sie macht das Essen für Familienfeiern, liefert Häppchen für Geschäftseröffnungen, sie bekommt Anfragen, für bis zu 300 Personen zu kochen. Dann kommen die Corona-Krise und der Lockdown. Und Gramlich kommt, wie sie das nennt, zur Besinnung. „Ich habe stellenweise ein großes Rad gedreht, aber am Ende ist immer wenig übrig geblieben.“ Sie beschließt, das zu ändern. Ihr Mann, ein Unternehmensberater, gibt den entscheidenden Impuls. „Bau das Haus von unten neu auf“, habe er gesagt. Claudia Gramlich fasst den Entschluss, aus dem Catering auszusteigen, nur noch kleine Aufträge anzunehmen. Den Laden allein zu führen, für den Mittagstisch zu kochen, wieder Kontakt zu den Kunden zu haben. Erlösend sei das gewesen. „Der Druck ist raus, ich fühle mich wohl, ich bin froh.“

          Immer ein bisschen mehr drin als bezahlt

          Ihr Umsatz nach dem Lockdown? „Wie vor Weihnachten“, sagt Gramlich. Als sie nur Take-away anbieten durfte, hat sie Stammkunden das Essen nach Hause gebracht, ist für ein paar Flaschen Wein oder einen besonderen Essig, den jemand haben wollte, auch in den Taunus gefahren. Das lohnt sich nicht im klassischen Sinne, erhöht aber die Kundenbindung. So wie es die Nonchalance tut, die sie an anderer Stelle walten lässt. Wenn jemand bei ihr zum Beispiel eine „Überraschungstüte“ zu einem vorher vereinbarten Festpreis bestellt, die er verschenken will, ist immer ein bisschen mehr drin als bezahlt wird.

          Gramlich ist großzügig. Sie kann es sich leisten, es ist auch ihr Naturell. Gern viel zu tun zu haben auch, wenn nicht im Laden, dann zu Hause. Ruhe sucht sie selten. Mit ihrem Mann, einem Neffen des früheren Eintracht-Präsidenten Klaus Gramlich, hat sie drei Kinder, 16, 13 und zehn Jahre alt. Die Familie wohnt heute in Sachsenhausen, Gramlich ist in diesem Stadtteil geboren, als Claudia Leber, im April 1973, den Stadtteil, und besonders die Schweizer Straße nennt sie eine sehr angenehme Ecke.

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